So neu ist sie ja nun auch nicht mehr

von Lars Reineke am 22. Juli 2010 | Lesedauer: 2 Minuten

Wenn ich schon mal dabei bin, ein paar Dinge zu ändern, kann ich auch gleich das nächste “Basta!” aus dem Weg räumen: Ab sofort gilt auch für mich die neue Rechtschreibung.

Ich habe immer auf korrekte Rechtschreibung Wert gelegt, und ich werde das auch weiterhin beibehalten. Ich bin nach wie vor der Auffassung, dass eine schludrige Schreibweise vor allem eines ist: unhöflich gegenüber dem Leser, der sich hinterher die Mühe machen muss, die hingepfuschten Satzfragmente wieder zusammen zu bauen. Wenn er dazu bereit ist, denn ehrlich gesagt kann ich es gut verstehen, wenn man als Leser sich lieber anderen Dingen widmet.

Meine Meinung zur Rechtschreibreform hat sich ebenfalls nicht geändert, denn ich halte sie nach wie vor für vollkommen überflüssig, da sie meines Erachtens kaum eine Vereinfachung darstellt. Von mir häufig zitiertes Beispiel ist die Neuschreibung von “daß” als “dass” bei gleichzeitiger Beibehaltung der unterschiedlichen Verwendung. Wer bisher nicht wusste, wann man “daß” verwendet, der weiß heute genauso wenig, wann man “dass” benutzt.

Doch es ist es zwar gut und schön, sagen zu können, dass man noch die “alte Rechtschreibung” gelernt hat, genauso, wie manche nicht ohne Stolz erzählen, dass sie ihren Führerschein auf einem VW Käfer gemacht haben, und “wer den fahren kann, der kann alles fahren”.

Nur: Nützen tut es einem nichts, wenn man aus Bockigkeit – manche sagen auch “Tradition” – an althergebrachten Verhaltensweisen festhält, aber das eigene Umfeld dann doch irgendwie erwartet, dass man seine Briefe nicht in Sütterlin schreibt.

Denn schließlich haben mittlerweile viele derjenigen, die meine Texte und Artikel zu lesen bekommen, nur eine Rechtschreibung gelernt, und das ist nun einmal die neue.

So viele Veränderungen sind es zum Glück auch nicht, und da es sinnvollerweise nicht vorgeschrieben ist, solche missglückten Versuche des Eindeutschens wie “Filosofie”, “Panter”, “Spagetti” oder “Schikoree” zu verwenden, sollte die Umgewöhnungsphase nicht allzu lange dauern.

Dennoch befinde ich mich in einer Situation, in der ich tatsächlich vor dem Veröffentlichen eines Textes die F7-Taste drücken muss, um sicherzugehen, dass sich nicht doch noch irgendwo ein “daß” oder ein “muß” eingeschlichen hat.

Und das ist für einen alten Rechtschreibstalinisten und Grammatiknazi wie mich dann doch etwas ungewohnt.

Kommentieren