Von Homöopathen und asozialen Impfgegnern

von Lars Reineke am 16. Januar 2012

Meine Tochter lag am Wochenende im Krankenhaus. Der Verdacht lautete zunächst auf irgendeinen Noro-Stamm, gegen den man sich außer durch penibles Händewaschen kaum wehren kann.

Dann sollten es möglicherweise doch Rota-Viren sein, gegen die meine Tochter geimpft ist, aber so ganz klar waren die Laborergebnisse nicht, was letzten Endes auch egal ist, weil es meiner Tochter (dank Impfung oder nicht) schon wieder besser geht, und die Behandlung ohnehin immer dieselbe ist: ausgeschiedene Nährstoffe zuführen.

Dennoch eine gute Gelegenheit, mal über Heilmethoden und Impfgegner zu sprechen.

Meine Frau erkrankte nämlich zur gleichen Zeit - vermutlich hatten sich beide in der Krabbelgruppe angesteckt -, und während wir darauf warteten, dass unsere Tochter untersucht wird, ging es meiner Frau ebenfalls nicht besonders gut. Das homöopathische Mittelchen, das ihr von der Krankenschwester gegeben wurde, wirkte erwartungsgemäß nicht, im Gegensatz zu der Elektrolytlösung, die sie dann später von einer eher von rationalem Denken geprägten Pflegekraft bekam.

Wer sich sogenannte Globuli, also Zuckerkügelchen mit nichts drin, einwirft, dann macht er das oft, weil er der wissenschaftlichen Medizin nicht vertraut. Er erwartet einfach, dass richtige Arzneimittel schädlich für ihn sind. Viele sprechen daher zumeist nicht von »Medizin« sondern von »Schulmedizin« und implizieren damit, dass es daneben auch noch eine andere gäbe, die nicht an den üblichen Schulen oder Universitäten gelehrt werde.

Diese Abneigung gegen »die Chemie« oder »die Pharma-Industrie«, die dazu führt, dass dem wissenschaftlich Herausgeforderten beim Einwerfen einer handelsüblichen Aspirin-Tablette die Haare ausfallen, nennt man »Nocebo«-Effekt. Es ist der Gegenpart zum »Placebo«-Effekt, also dem Glauben daran, dass ein eigentlich unwirksames Präparat Heilerfolge bewirken kann, was tatsächlich hin und wieder funktioniert, sofern es sich um Krankheiten handelt, die der Körper auch ohne jedes Zutun bewältigen kann.

Dieser Glaube ist jedoch das Einzige, was bei Homöopathie irgendeine Wirkung erzeugt, was sich daher auch leicht nachweisen lässt, indem man nämlich weder dem Verabreichenden, noch dem Probanden mitteilt, ob das Mittel einen Wirkstoff enthält (bzw. homöopathisch verdünnt wurde) oder nicht. Das wiederum führt dazu, dass eine Wirkung beim homöopathischen Mittel statistisch nicht mehr nachgewiesen werden kann. Bis heute hat übrigens noch niemand geschafft, die Wirkung von Homöopathie wissenschaftlich belastbar zu bestätigen. Man kann also auch ein aufgeschnittenes Huhn über dem Kopf schwenken, man muss halt nur daran glauben, dass es wirkt.

Nun ist es zum Glück jedem selbst überlassen, welchen Heilmethoden er sich hingibt, doch leider hat dieses Misstrauen gegenüber der modernen Medizin auch seine Nebenwirkungen, die sich insbesondere bei den sogenannten »Impfgegnern« offenbaren, deren Weltbild sich ebenfalls eher dem Okkultismus zuordnen lässt.

Diese lehnen Impfungen ihrer Kinder ab, mit der Begründung, dass man Kinderkrankheiten ja auch auf natürlichem Wege überwinden könne und schicken ihre armen Nachkommen stattdessen lieber auf Masern- und Pockenparties, wo die sich dann reihenweise anstecken können. Abgesehen davon, dass sich diese Eltern ja mal auf ganz natürliche Weise einen Zahn ziehen lassen können, und ich dieses Verhalten als Kindesmisshandlung ansehe, sind diese Impfgegner auch eine Gefahr für die Gesellschaft.

Impfungen sind nämlich insbesondere dann effektiv, wenn eine große Anzahl von Menschen in der Bevölkerung geimpft wurde. Man nennt das »Herdenimmunität« und sie schützt nicht nur die geimpften Personen, sondern auch diejenigen, die sich z.B. aus Altersgründen nicht oder noch nicht impfen lassen konnten. Dadurch nämlich, dass die Umgebung eines Menschen mit schwächerem Immunsystem, beispielsweise eines Neugeborenen, durch die Impfung immunisiert wurde, kommt das Kind nicht mit Erregern in Kontakt und bekommt die Krankheit nicht in einem so frühen Alter, in dem diese lebensbedrohlich wäre.

Erläuterung von Herdenimmunität

Das kann man sich schematisch sehr anschaulich auf dieser Webseite ansehen, deren URL mir freundlicher Weise @_stk von stefan.bloggt.es zugeschickt hat.

Die Auswirkungen fehlender Herdenimmunität werden vor allem dort sichtbar, wo sich ideologisch ähnlich ausgerichtete Eltern versammeln, beispielsweise an Waldorfschulen, wo regelrechte Masernepidemien ausbrachen und infolge derer bereits zwei Säuglinge verstarben.

Um es auf den Punkt zu bringen: Impft gefälligst eure Kinder. Tut ihr es nicht, gefährdet Ihr nicht nur die Gesundheit eurer eigenen Nachkommen, sondern auch das Leben anderer.

Und wer das wissentlich in Kauf nimmt, ist entweder scheißeblöd oder ein asoziales Arschloch.