Fraktionszwang

Disclaimer: Ich bin auch nur Laie.

Im Zusammenhang mit der Öffnung der Ehe für alle wird wieder einmal der sogenannte Fraktionszwang diskutiert, den es laut Gesetz ja eigentlich gar nicht geben dürfte, weil in Artikel 38 GG steht (Hervorhebung von mir):

(1) Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt. Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.

Weil sich jetzt wieder Hinz und Kunz darüber aufregt, dass „die da oben“™ ja ohnehin immer nur einer Einheitsmeinung folgen und selber gar nicht mehr wissen, worüber sie abstimmen, und ich das anders sehe, dachte ich, schreibe ich mal meine Meinung auf, dann kann ich zukünftig direkt drauf verlinken und gut ist.

Ok, was bedeutet jetzt Artikel 38 Abs. 1? Die landläufige Interpretation scheint zu sein, dass jeder Abgeordnete sich gefälligst in sämtliche Themen einzuarbeiten habe, dann vor jeder Abstimmung eine Nacht lang das Für und Wider eruieren müsse und schließlich am Morgen die Hand so hebt, wie SEIN GEWISSEN (hier Donnerhall vorstellen) ihm das vorgibt.

Das ist mitnichten so, geht auch gar nicht, wenn man sich die Unmengen an Themen und Politikfeldern ansieht, die so durch den Bundestag wandern. Es kann nicht jeder in gleichem Maße Ahnung von Verkehrsrecht, Verbraucherschutz, IT-Sicherheit, Medizin und Landesverteidigung haben. Ok, kann schon, dann aber auf dem Niveau, auf dem am Tresen in der Ritterschänke an der Straßenecke diskutiert wird.

In einer arbeitsteiligen Gesellschaft (und der Bundestag repräsentiert so eine) gibt es nunmal Leute, die sich in bestimmte Themen tiefer einarbeiten als andere. Vernünftigerweise hört man dann den Experten genauer zu und hält sich an ihre Vorschläge.

Jeder Abgeordnete hat nun das verfassungsmäßige Recht, anders abzustimmen als seine Fraktion. In bestimmten Fragen kommt das auch immer wieder vor, in aller Regel werden solche Abweichungen begründet und vorher angekündigt. (Zumeist sind dadurch aber bestehende Mehrheiten nicht gefährdet.)

Das Grundgesetz sichert jeder Abgeordneten dieses Recht zu, so dass diese Abweichler nicht juristisch bestraft werden dürfen.

Die Fraktion hat aber auch Rechte. Sie muss nämlich nicht jeden in ihren Reihen dulden, der mal so und mal so abstimmt, wie er gerade Bock hat. Sie kann Querulanten ausschließen, und Parteien stellen diese dann nicht mehr zur nächsten Wahl auf.

Das wird dann häufig als Fraktionszwang wahrgenommen.

Es gibt aber auch rein praktische Gründe dafür, dass nicht jeder Abgeordnete abstimmt, wie er gerade lustig ist: Manche Gesetzgebungsverfahren dauern einfach sehr lange, und eigentlich sollten das bei der gebotenen Sorgfalt die meisten sein. Da will man vernünftigerweise nicht über Monate und Jahre an einzelnen Formulierungen feilen, die irgendwann nach langem Ringen eine Mehrheit finden und dann plötzlich Gefahr laufen, dass ein paar Leute es sich doch anders überlegen und die ganzen Bemühungen für die Tonne sind.

Wem das jetzt alles zu abstrakt ist, der kann sich den Bundestag wie ein Unternehmen vorstellen. Da gibt es Fachabteilungen, die sich mit bestimmten Themen auskennen, und wenn die IT sagt, dass es jetzt langsam mal richtig wäre, die alten WindowsXP-Rechner abzuschalten, dann hören da vernünftigerweise auch die Kolleginnen und Kollegen aus der Buchhaltung und der Personalabteilung drauf. Da mag es einzelne geben, die sich nicht an Windows10 gewöhnen wollen, aber mit denen wird halt gesprochen.

Andererseits werden in Unternehmen auch immer wieder Projekte über Monate und Jahre verfolgt und ausgearbeitet, und da will man idealerweise nicht, dass kurz vor Fertigstellung eine Handvoll Mitarbeiter alles sabotiert, was man bis dahin erarbeitet hat.

Wenn nun die CDU-Parteichefin Angela Merkel die Ehe für Alle als Gewissensentscheidung deklariert, dann heißt das nicht, dass alle anderen Entscheidungen bis dahin unter unmittelbarem Zwang stattgefunden haben, sondern dass es sich hierbei um eine so von der persönlichen Moral abhängige Entscheidung handelt, dass Abweichler auch keine informellen Sanktionen zu befürchten haben.

Auch dieses Verfahren hat es schon gegeben, zum Beispiel bei der Debatte um Schwangerschaftsabbrüche oder die Legalisierung der Präimplantationsdiagnostik, bei denen auch innerhalb der Parteien und Fraktionen unterschiedliche Auffassungen herrsch(t)en.

Ob und in welchem Maße dieser Sinneswandel aber dadurch veranlasst wurde, dass wir uns im Wahlkampf befinden, darüber sprechen wir ein andermal.

Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass der Fraktionszwang zwar informell (zumindest als Fraktionsdisziplin) im Bundestag existiert, dort aber meines Erachtens aus Gründen der Arbeitsteilung zuweilen seine Berechtigung hat. Auch, wenn er manchmal durchaus berechtigten Anliegen im Wege steht. So funktioniert nunmal Demokratie. Glaube ich.

Verschiedenes zum Felgenfest

Gestern fand im Weserbergland wieder das sogenannte „Felgenfest“ statt, bei dem auf einer Strecke von Bodenwerder bis Rinteln (ca. 50 km) entlang der Weser die Landstraße autofrei und für Radfahrer und Inliner freigegeben ist.

Ich habe auch dieses Jahr wieder zwei Mal die Gelegenheit genutzt. Einmal gleich frühmorgens und noch vor der Streckensperrung mit dem Rennrad nach Rinteln, so dass ich auf dem Rückweg auf der Straße fahren konnte. Mittags sind wir dann in einer Gruppe zusammen nach Emmerthal und zurück gefahren.1

Einigermaßen unentspannt scheint die Gattung der Inlineskater zu sein, aber das ist nur eine anekdotische Beobachtung von mir. Am Ortseingang Tündern hielt meine Tochter an einer Fahrbahnverengung, und ich habe sie nicht schnell genug zur Weiterfahrt animieren können. Ist halt manchmal so, wenn man mit Vorschulkindern unterwegs ist.

Dort kam uns dann allerdings eine Gruppe Inlineskater entgegen, die – anstatt das Tempo an die Engstelle anzupassen – trillerpfeifend und ungebremst versucht hat, sich den Weg frei zu lärmen, woraufhin sie sich dann auch ein allseitiges „Ihr seid hier nicht alleine, ihr Schwachköpfe“ anhören durfte.

Ähnlich grenzdebil war ein anderes Inliner-Pärchen drauf. Wir machten kurze Pause abseits der Straße auf dem angrenzenden Radweg. Auf dem war jedoch eben dieses Inline-Pärchen unterwegs und bellte uns dann auch gleich ein „Platz machen!“ entgegen, was ich mit einem „Nö. Fahrt gefälligst langsamer.“ beantwortete.

Auf unsere Frage, wieso sie überhaupt auf dem Radweg unterwegs sind, wenn doch die mehrere Meter breite Straße extra für sie freigehalten ist, wussten sie dann auch folgerichtig keine Antwort.

Deutlich entspannter war die Polizei, die überall auf der Strecke die Kreuzungen gesichert hat. Alle freundlich und hilfsbereit, vor allem die Polizistinnen. Wenn ich daran denke, was für schlechtgelaunte Schnauzbartträger das früher oft bei der Polizei waren…

Niemand sollte jemals wieder den Song „Mustang Sally“ in der Commitments-Version covern. Wirklich niemand.

Es sollte grundsätzlich mehr autofreie Sonntage in allen möglichen Städten geben. Aber wenn die Stickoxid-Betrügereien der Autohersteller so weitergehen, ist das wahrscheinlich ohnehin nur noch eine Frage der Zeit, bis so etwas mehr Befürworter findet.

63.000 Teilnehmer waren es wieder. Soweit man blicken konnte: Sich miteinander unterhaltende, nebenher fahrende Radler mit überwiegend guter Laune, die stressfrei auf den Straßen unterwegs waren. Man stelle sich vor, diese 63.000 Menschen hätten alle mit dem Auto da langfahren wollen. Wahrscheinlich wäre der Verkehr komplett zusammengebrochen, und sie hätten sich alle gegenseitig die Pest an den Hals gewünscht.

Ansonsten: Wie immer eine gelungene Veranstaltung.

Verknüpfungen

Ich habe das Glück, einen nicht besonders langen Arbeitsweg zu haben, aber hin und wieder muss ich auf Dienstreise, fahre auswärts auf Konzerte (und abends wieder zurück), oder es gibt andere Situationen, bei denen ich irgendwo unterwegs bin und gelegentlich gerne vor Ort ein Fahrrad dabei hätte.

Bling!

So reifte langsam aber sicher die Idee, mir ein Faltrad zuzulegen. Erstmal nur ein Einsteigermodell, aber auch keinen billigen Supermarktschrott. Ein Brompton war mir zu teuer, dafür wären die Einsätze dann wohl doch nicht häufig genug, aber die Modelle asiatischer Hersteller wie Tern oder Dahon sahen vielversprechend aus. Nachdem ich nun also schon ein paar Wochen sozusagen virtuell um ein solches Gefährt herumscharwenzelt bin, habe ich es vergangenen Mittwoch wahr gemacht und mir eines gekauft: Ein Tern Link C8.

Zunächst wollte ich es aber erstmal probefahren, nicht, dass ich dafür ein paar hundert Euro ausgebe und das Ganze hinterher aussieht wie ein Krusty-der-Clown-Stunt.

War aber gar nicht so schlimm. Klar, man muss ein paar Abstriche in der Ästhetik machen, aber beim Fahrgefühl gibt‘s nichts zu meckern, und mit der 8-Gang-Schaltung ist man ruckzuck auf der gleichen Endgeschwindigkeit, die auch ein durchschnittlicher Cityrad-Fahrer so zuwege bringt.

Das Rad ist ziemlich durchdacht, abgesehen davon, dass man aus mir unerfindlichen Gründen zwar einen Frontscheinwerfer mit Nabendynamo verbaut hat, sich bei der Rückleuchte aber für ein batteriebetriebenes Modell entschieden hat – obwohl am Scheinwerfer bereits alle Kontakte für die Verkabelung eines Rücklichtes vorhanden sind. Ich habe mir daher für 8 Euro noch ein vernünftiges Rück- inklusive Standlicht zugelegt und am Wochenende montiert.

Klischees wollen auch
bedient werden.

Im Zuge meiner Recherche rund um Falträder und ihre Anwendungszwecke bin ich nebenbei zufällig noch auf das Buch „Bicycle Diaries“ von David Byrne gestoßen.

Ja, genau dem David Byrne, der vor 30 Jahren bei Talking Head „Road to Nowhere“ sang, auf seinen Reisen schon damals immer ein Klapp- bzw. Faltrad dabei hatte und die Auftrittsorte eben damit erkundet und später in genau diesem Buch beschrieben hat. Das musste ich natürlich auch noch haben, zumal es für weniger als 2 Euro gebunden bei Amazon verkauft wird. (War wohl nicht so der Bestseller. Doch zum Buch vielleicht ein andermal.)

Wie sich nämlich herausstellt, ist so ein Faltrad hervorragend geeignet, Probleme zu lösen, die ich bisher eigentlich gar nicht hatte. Und das meine ich durchaus im sehr positiven Sinne.

Denn ich entschied mich – eingestimmt und ganz im Geiste von Mr. Byrne – am Sonntag dazu, das Rad mal einem Reisetest zu unterziehen und fuhr damit mehr oder weniger spontan zum Bahnhof. Ich setzte mich in die S-Bahn und fuhr nach Hannover, einerseits, weil dort die – retrospektiv betrachtet – recht lieblose Aktion „Lust aufs Rad“ stattfand, die sich als Vorwand entpuppte, einen verkaufsoffenen Sonntag abzuhalten und ansonsten nur ein paar Stände mit den üblichen Verdächtigen bot, die ein paar Flyer und ausgerechnet Fahrradhelme unters Volk brachten.

Andererseits aber wollte ich tatsächlich einfach mal die Gelegenheit nutzen, um mir Hannover vom Fahrrad aus anzusehen.

Dazu muss man wissen, dass ich zwar schon sehr häufig in Hannover, dort jedoch meistens per ÖPNV oder manchmal mit dem Auto unterwegs war. Gerade ersteres führt oft dazu, dass man im jeweiligen Stadtteil ankommt, als sei man direkt dort hingebeamt worden. Man steigt im Hauptbahnhof in die unterirdisch abfahrende Stadtbahn, und weil man selbst mit dem Vorankommen und der Navigation nichts zu tun hat, wartet man wie in einem Aufzug, bis die Zielhaltestelle aufgerufen wird, steigt aus und ist plötzlich einfach da.

Wie man dort hingekommen ist, welche Straßen man über- oder unterquert hat, welche Stadtteile durchfahren: Keine Ahnung.

Oft gibt es bei der Stadtbahn auch zwischen zwei eigentlich benachbarten Stadtteilen keine direkte Verbindung, so dass man von A nach B über zentrale Knotenpunkte fährt und die Nachbarschaft beider Stadtviertel gar nicht wahrnimmt.

Im Auto ist man wiederum ebenfalls von der Umwelt abgeschlossen und zudem noch damit beschäftigt, rechtzeitig Spuren auf innerstädtischen Hauptverkehrsadern zu wechseln, keine Ampelblitzer auszulösen, im Stau nicht zu dicht aufzufahren oder damit, einen Parkplatz zu suchen.

Mit dem Rad unterwegs, fing ich jedoch plötzlich an, die Zusammenhänge zwischen Stadtteilen zu kapieren. Ich ließ mich grob von einem Fahrradnavi leiten und machte mich einfach mal innerhalb Hannovers auf den Weg zu verschiedenen Orten, die ich in der Vergangenheit bereits besucht hatte.

Es war eine Offenbarung.

via OpenRouteService

Ständig bog ich um die Ecke und dachte plötzlich: „Hier war ich doch schon mal.“, „So hängt das also zusammen.“, „Das ist ja nur ein paar hundert Meter voneinander entfernt!“ oder „Ach, wenn man hier langfährt, kommt man direkt dorthin, wo ich sonst immer über diese eine Haltestelle gefahren bin.“

Assoziierte ich das „Link“ in der Modellbezeichnung des Faltrades bisher mit der eher technischen Verknüpfung oder Verbindung unterschiedlicher Verkehrsmittel, so erwies sich dieses kleine Gefährt als ideales Werkzeug, um die Verbindungen und Verknüpfungen verschiedener Stadtteile zu entdecken, die eine etwas größere Stadt wie Hannover ausmachen.

Wo immer ich etwas Interessantes sah, hielt ich kurz an, um es mir anzuschauen und vielleicht ein Foto zu machen. Macht das mal vom Auto aus.

Ich fuhr zu Konzertstätten, die ich kürzlich noch besucht hatte, radelte am früheren Wohnort eines Freundes vorbei, fuhr an kleinen Flüssen entlang, dann wiederum in die Gegend, wo ein anderer Freund früher mal lebte, darauf zum Maschsee und schließlich nicht zurück zum Hauptbahnhof, wo ich zuvor ausgestiegen war, sondern zu ein, zwei S-Bahn-Haltestellen weiter im Süden, einfach, weil ich Lust dazu hatte und so auch noch 2 Euro für die Rückfahrt sparte.

Zum ersten Mal begann ich, zumindest in ihrem Grundriss die Stadt zu verstehen, in der ich bisher mehr oder weniger nur zu einem flüchtigen Besuch war und mir wie ausgesetzt vorkam. Insgesamt legte ich fast 20 Kilometer in Hannover zurück, stand nie im Stau und habe gar nicht mitbekommen, wie lange ich unterwegs war, so viel Spaß hat das gemacht.

Eines ist schon mal sicher: Das war nicht die letzte Städtereise, die ich mit dem Faltrad unternehmen werde. Berlin, Hamburg und Bielefeld stehen wahrscheinlich als Nächstes auf dem Programm. Dann vielleicht Bremen, Braunschweig oder Göttingen. Und nach Hannover fahre ich bestimmt auch noch mal.

Halt. Doch. Mal. Die. Fresse.

Ich guck ja sehr selten Fußball, wenn überhaupt, dann allenfalls, wenn der FC St. Pauli mal auf einem Montagabend auf sport1 oder so zu sehen ist. Ansonsten bin ich der typische Eventfußballfan: EM und WM schaue ich mir an, gerne auch mit mehreren Leuten (die ich persönlich kennen muss, sonst nicht). Bundesliga interessiert mich nicht die Bohne, da kenne ich vielleicht fünf Spielernamen, wenn’s hoch kommt, aber nicht ihre Vereine. Bei der Champions League wüsste ich nicht mal, wie man sich qualifiziert, um da mitzuspielen, und beim DFB-Pokal darf offenbar jeder mal mitmachen, irgendwie so.

So bekomme ich es in aller Regel auch überhaupt nicht mit, wenn mal wieder eine neue Generation von Fußballkommentatoren herangewachsen ist.

Neulich hatte Lukas Podolski offenbar sowas wie seinen Ausstand aus der Nationalmannschaft. Er musste Fußball spielen, hätte er einen Schreibtischjob, gäb’s bei sowas Mettbrötchen und Sekt, aber er ist ja auch noch jung, vielleicht macht er ja noch eine Ausbildung zum Bürokaufmann.

In das Spiel habe ich aber auch nur durch Zufall reingesehen, nachdem eine andere Sendung oder Serienfolge, die die Frau und ich zusammen geguckt hatten, vorbei war. Jedenfalls, worauf ich hinaus wollte: Dieser Kommentator, der ging gar nicht.

DIe Stimme hatte ich vorher noch nie gehört, vielleicht darf bei nicht ganz so wichtigen Spielen auch mal der Nachwuchs ran, aber das war nicht das Problem. Viel schlimmer war, dass dieser junge Mann eine absolute Sprechmaschine war und alles, aber auch absolut alles, minutiös kommentierte und jede Bewegung beschrieb, die ohnehin auf dem Bildschirm zu sehen war.

„Gefährlicher Fehlpass, doch da macht sich ter Stegen1 ganz ganz breit, Habeichvergessen schießt, doch der Ball geht mindestens zweimeterfünfzig am Kasten vorbei, und da sehen wir auch Weißichnichtmehr mit seiner Ehefrau auf der Tribüne, weiter geht’s, das Spiel hat noch nicht die Klasse, die man bei einer solchen Begegnung erwarten darf, und der Ball wird weit abgeschlagen, landet bei Weißichdochnicht, der ihn ganz souverän weitergibt an Mirdochegal, doch da geht Wiedereiner dazwischen,“ und so ging das die ganze Zeit.

Und ich dachte: „Orrr, das sehe ich doch selber, jetzt sei doch endlich mal ruhig, wenn das die neue Art und Weise ist, wie heutzutage Fußballspiele kommentiert werden, dann raste ich aus, dann brauche ich die nächste WM auch nicht mehr zu gucken, nun sei doch einmal, nur einmal still und lass mich doch mal selber sehen, was da passiert, und wieso hört man eigentlich überhaupt keine Stadionkulisse, das macht doch alles keinen Spaß so, und JETZT HALT DOCH MAL DIE FRESSE, VERDAMMT!“

Und da ist mir dann auch endlich aufgefallen, dass wir ja seit ein paar Wochen einen neuen Fernseher haben, und weil ich auf dem noch nie ein Fußballspiel gesehen hatte, wusste ich nicht, dass die Tonspur auf „Audiobeschreibung für Blinde“ eingestellt war. Muss einem doch auch mal einer sagen, sowas.

Tschüss, Brooks-Sattel

Ich schreibe das jetzt hier auf, damit ich mich daran erinnere, falls ich mal wieder in die Versuchung komme, für viel Geld einen Brooks-Ledersattel kaufen zu wollen.

Die Dinger sehen sehr elegant aus, keine Frage. Aber ich habe damit beim besten Willen einfach kein Glück gehabt. Ich hatte bereits vor etlichen Jahren mal einen Brooks-Sattel an meinem Rad und war schon nicht sehr zufrieden, jetzt habe ich es wieder versucht und muss feststellen: Brooks-Ledersättel und ich, wir passen nicht zusammen.

Ja, ich weiß, die muss man einfahren. Ist bekannt. Ich hab’s versucht, einen schmerzhaften Monat lang.

Aber im Ernst: Wenn ich mir Schuhe kaufe, dann erwarte ich auch, dass ich die nach 2 bis 3 Wochen tragen kann, ohne Blasen an den Füßen zu bekommen und nicht damit erst die Alpen überqueren oder sie nachts im Mondlicht mit aus Ozelot-Speichel gewonnenem Spezialfett einreiben muss.

Außerdem finde ich Gegenstände an einem Fahrrad, die unter keinen Umständen nass werden dürfen, irgendwie wenig alltagstauglich.

„Na gut,“ dachte ich, „schraubste das Teil noch einmal ans Tourenrad und drehst eine Runde.“ Vielleicht macht es ja die andere Sitzhaltung bequemer. Fazit: Nö, macht es nicht. Auf meinem Fünfzehn-Euro-Sattel sitze ich wesentlich besser.

Und beim Aufsteigen hat mir der Sattel dann auch noch die Hosentasche aufgerissen. Das Arschloch.

Drei Minuten später war er bei Ebay Kleinanzeigen online, jetzt ist er weg – mit erheblichem finanziellen Verlust. Nie wieder.