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Kommentare (vorerst) abgeschaltet

Seit Wochen schiebe ich eine Entscheidung vor mir her, von der ich glaube, dass ich jetzt soweit bin, sie zu treffen: Ich werde die Kommentarfunktion in meinem Blog vorerst abschalten.

Dafür gibt es verschiedene Gründe, die ich kurz aufführen möchte.

Kommentare sind meistens unnütz

Ich bitte das jetzt nicht als Überheblichkeit aufzufassen, wenn ich behaupte, dass etwa zwei Drittel aller Kommentare unter Blogartikeln – egal wo – vor allem einer Sache dienen: Der Selbstdarstellung der Kommentatoren. Jetzt könnte man zu Recht anmerken, dass so ein Weblog – insbesondere vielleicht meins – ja nun oft auch keinen anderen Zweck erfüllt. Aber eben darum geht es: Es ist mein Blog, und wenn ich mich hier profilieren möchte, ist das meine Sache.

Ich habe überhaupt nichts gegen eine kritische Auseinandersetzung mit meinen Artikeln, aber genau das passierte in der Vergangenheit kaum. Entweder wurde mir ein „Mach doch erstmal besser“ entgegengeworfen, es wurde sinnlos provoziert, oder wenn sich zwei genügend große Egos unter meinen Artikeln getroffen hatten, wurde gegenseitig die rhetorische Überlegenheit demonstriert, was nicht selten an zwei Köter erinnerte, die sich durch einen Zaun hindurch ankläfften.

Meiner Laune war das in der Regel nicht sehr zuträglich, und es ist mein Server, mein Blog und meine Freizeitgestaltung, die mir hier Spaß machen soll.

Dann sind mir noch zwei weitere Dinge aufgefallen: Zum einen lese ich selbst praktisch niemals die Kommentare unter anderer Leute Artikel. Nahezu alle Blogs lese ich nur per RSS-Feed, so dass ich die Kommentare dort nie zu Gesicht bekomme.

Zum anderen habe ich bei meinen eigenen Kommentatoren bemerkt, dass insbesondere die regelmäßig Wiederkehrenden eigene Blogs betreiben. Wer also eine gegensätzliche Position zu einem meiner Blogartikel vertritt, kann die in aller Breite auf seinem eigenen Blog erläutern, und dann werde ich das mit Sicherheit auch lesen. Jeder mit einem gewissen Sendungsbewusstsein sollte in der Lage sein, sich zumindest ein Tumblr- oder Posterous-Blog einzurichten, in dem er sich nach aller Lust und Laune austoben kann.

Das hätte auch den Vorteil, dass die Kritik auf dem anderen Blog mit großer Wahrscheinlichkeit sachlicher formuliert würde, als es zumeist – wenn auch unbewusst – in fremden Kommentarfeldern der Fall ist. Man scheißt halt nicht so gern auf den eigenen Teppich.

Viele Kommentare nerven einfach nur

Nicht nur, dass ein großer Teil der Kommentare nur sehr wenig zum eigentlichen Thema beiträgt, dazu kommt noch, dass viele davon – absichtlich oder nicht – zu nichts anderem da sind, als allen Beteiligten auf den Sack zu gehen.

Während ich Beleidigungen gegen mich oftmals noch hingenommen habe, wurden Angriffe gegen andere Kommentatoren von mir immer wieder mal gelöscht, was für mich ein Dilemma war: Einerseits finde ich Zensur scheiße, andererseits sind meine Leser meine Gäste, und ich werde nicht zusehen, wie hier Leute vorbeikommen und in meinem Wohnzimmer meine Gäste beleidigen.

Dazu kommt immer wieder die Gratwanderung, ob ein Kommentar, in dem diskreditierende Tatsachenbehauptungen über Dritte aufgestellt wurden, der Wahrheit entsprach oder besser von mir gelöscht werden sollte. Letzen Endes muss ich hier für die Inhalte den Kopf hinhalten, und in den allermeisten Fällen bin ich nicht bereit dazu, das für andere zu tun.

Natürlich waren auch jede Menge Trolle unter den Kommentatoren, insbesondere (und auffälligerweise) bei den Artikeln, bei denen es um Piratenthemen ging. Denen sei gesagt: Ihr seid Arschlöcher und schwachsinnige Hooligans, die sich noch nie für die eigentlichen Themen interessiert haben. Geht zurück in euer Forum und unterhaltet euch mit anderen Pubertierenden.

Ich habe versucht, solcher Kommentare Herr zu werden, indem ich eine Bewertungsfunktion eingebaut habe, aber das habe ich sowohl aus ästhetischen als auch aus Performance-Gründen schnell wieder gelassen. Außerdem bestand dadurch die Gefahr, dass die Leser nicht die Kommentatoren honorieren, die schlüssig argumentieren, sondern nur danach gehen, wer ihrer eigenen Meinung entspricht.

Nervig sind meines Erachtens auch diese pseudointelligenten Aluhüte, die im Namensfeld „me“, „someone“ oder „A.Nonym“ und als Adresse „foo @ bar.com“ eintragen, auch diese am häufigsten unter den Piratenthemen vertreten. Werdet erwachsen.

Falls jemand der Ansicht sein sollte, Pirat zu sein und gleichzeitig keine Kommentare zuzulassen, würde sich irgendwie nicht miteinander vertragen: Das hier ist keine demokratische Veranstaltung, und ich bin auch kein Mandatsträger. Es ist nur ein Blog, get over it.

Endlich kann ich mich nun auch dieser gesamten manuellen SPAM-Scheiße in einem Rutsch entledigen. Möget ihr in einer Hölle schmoren, in der ununterbrochen Radiowerbung von Carglass läuft.

Feedback unerwünscht?

Dass ich die Kommentare – vorerst – abschalten werde, bedeutet nicht, dass mir nichts an Eurem Feedback läge, insbesondere nicht von denen, die immer wieder hilfreiche Ergänzungen eingebracht haben. Mit den meisten davon kommuniziere ich jedoch auch über andere Kanäle, und Kritik und Rückmeldungen sind mir nach wie vor willkommen.

Wer sich zu meinen Artikeln äußern möchte, der kann das auch weiterhin über Twitter, Google+ oder Facebook tun, oder eben – was mir am liebsten wäre – auf dem eigenen Blog erledigen. Außerdem bin ich auch weiterhin per Mail erreichbar, es sei jedoch im Voraus gewarnt: Ich bin sehr unzuverlässig, was das Beantworten von Mails angeht, was nicht bedeutet, dass ich sie nicht lesen würde.

Ausblick

Ich erhoffe mir von der Abschaltung der Kommentare in erster Linie, dass meine Blogbeiträge als das wahrgenommen werden, was sie sind: Meinungsäußerungen zu Themen, die mich interessieren, nicht als Einladung dazu, mich um jeden Preis von der Unsinnigkeit meiner Auffassung zu überzeugen.

Natürlich gab es auch immer wieder mal Artikel, in denen ich aktiv dazu aufgefordert habe, Rückmeldungen in die Kommentare zu schreiben. Für diese Art von Beiträgen muss ich mir noch etwas ausdenken. Das Naheliegendste wäre, nur für diese das Kommentarfeld wieder freizuschalten, aber das erscheint mir inkonsequent. Schauen wir mal.

Vielleicht sehe ich das alles in einem Monat ja schon wieder ganz anders.