Wieder was gelernt

Ich kaufe meinen Kaffee immer in Verpackungsgrößen, die mehrere Wochen reichen, darum habe ich das aus Bequemlichkeit seit einigen Monaten online bei Amazon getan.

Weil Amazon in letzter Zeit aber unvermittelt Waren mit Hermes versendet und ich die Zustellung per DHL bevorzuge, habe ich meine Cafissimo-Kapseln (jaja, ich weiß, die Umwelt!) neulich mal direkt bei Tchibo bestellt. Die wiederum versenden nach eigenen Angaben ausschließlich per DHL, dafür aber offenbar nicht am selben Tag, auch nicht am nächsten und auch nicht am übernächsten.

Es hat ca. eine Woche gedauert, bis ich endlich eine Versandmitteilung bekommen habe, in dieser Zeit sind meine Kaffeekapselvorräte aber bereits soweit zur Neige gegangen, dass ich direkt in den Laden gehen und dort zumindest schon mal so viele Kapseln kaufen musste, dass es für ein paar Tage reicht.

In dieser einen Woche hatte ich mir bereits die Tchibo-App installiert, um zu schauen, was meine Bestellung so macht. Darin enthalten ist eine Funktion, mit der man auf seinem Konto Punkte sammeln kann.

In der Tchibo-Filiale stehend erinnerte ich mich an diese Funktion, zückte mein iPhone, um mir den sagenhaften Einkauf von zwei Packungen Kaffeekapseln im Wert von 4,98 € mit Punkten gutschreiben zu lassen – wobei ich nicht die leisteste Ahnung habe, was ich mit diesen Punkten anstellen kann und es mir eigentlich auch ziemlich egal ist. Aber, hey, wenn man was so einfach umsonst kriegen kann, bin ich doch dabei.

Dooferweise gab es im Laden praktisch keinen Mobilfunkempfang, so dass eben diese Funktion überhaupt nicht benutzbar war.

Die Verkäuferin meinte noch: “Halten Sie’s mal hoch, manchmal geht’s dann.”

Das tat ich dann auch, stand also sekundenlang wie die New Yorker Freiheitsstatue in der Tchibo-Filiale und schwenkte mit ausgestrecktem Arm mein Telefon durch die Luft.

Ich erkannte irgendwann endlich die Absurdität meines Tuns, sagte zur Verkäuferin “Das ist jetzt auch irgendwie albern, ne?” und verzichtete auf die Punkte.

Ich bezahlte demütig meinen Einkauf, um dann beim Herausgehen festzustellen, dass man direkt bei Tchibo im Laden dieselben 8er-Packungen bekommt, die ich zuvor immer online bestellt habe.

So war ich zwar nicht um ein paar Sammelpunkte, aber wenigstens um eine Erkenntnis reicher. Ein Bisschen peinlich war’s trotzdem.

Links! (27.11.2014 bis 12.12.2014)

Linktipps vom 27.11.2014 bis 12.12.2014:

Aus der neuen Welt

Ich bin kein ausgesprochener Klassik-Fan, aber ein paar Stücke mag ich ganz gern und höre sie auch heute noch immer wieder.

Eine Sinfonie aber nimmt einen Sonderplatz in meiner Musiksammlung ein, und das ist Antonin Dvoraks (die Sonderzeichen spare ich mir mal) 9. Sinfonie, “Aus der neuen Welt”.

Die Dvorak-CD stand bei mir damals – ich habe kein CD-Regal mehr – völlig selbstverständlich zwischen “Down” und “Entombed“. Zur 9. Sinfonie habe ich vor zwanzig Jahren regelmäßig in der Sonne mit zwei Freunden auf dem Autodach gesessen, wo wir uns zu dritt einen 10er-Träger Herforder von der Tanke geteilt haben und die Musik aus den offenen Türen dröhnen ließen. Je nach Laune hörten wir manchmal das ganze Stück, manchmal nur den letzten Satz und malten uns aus, was aus uns später mal werden würde. Danach machten wir wieder “Rage Against The Machine” an und verabredeten uns für morgen.

Gestern habe ich Dvoraks Neunte zum ersten Mal in einer Live-Aufführung gehört, gespielt vom Staatsorchester Braunschweig im Theater in Hameln.

Und es ist immer noch eines der schönsten Stücke Musik, die jemals geschrieben wurden.

Mein Motorradwunsch: Weniger Sexismus #motwunsch

Ok, da mache ich doch mal mit.

Bei @moppedblog auf Twitter gesehen: Motorradfahrende Blogger sind aufgerufen, am 01.12. einen Beitrag zu veröffentlichen, in dem sie ihren Wunsch an das Jahr 2015 formulieren. Und da hätte ich tatsächlich was.

Ich wünsche mir nämlich, dass dieser schmierige, allgegenwärtige Sexismus aus der Motorradszene verschwindet.

Es gibt keine Berichterstattung über Motorradrennen, keinen Artikel über eine Motorradmesse und kein Motorradvideoportal, in dem nicht irgendwo die “heißesten Grid-Girls” (Titten), die “schönsten Motive” (Ärsche) oder die “schärfsten Outfits” (Titten und Ärsche) zu sehen sind.

Es widert mich an, und ich schäme mich für diese offen zur Schau gestellte Verachtung, die man nicht nur den gezeigten Frauen, sondern auch mir als Leser und Besucher entgegenbringt.

Denn mal ehrlich, Männer: Was hält wohl eine Marketingabteilung eines Motorradherstellers von Euch, wenn sie der Ansicht ist, dass sie Euch die Karre leichter verkaufen kann, indem sie sie zusammen mit ein paar nackten Brüsten präsentiert?

Glauben die ernsthaft, dass ich meine Kaufentscheidung über mehrere Tausend Euro davon abhängig mache, ob sich auf einem Messestand ‘ne halbnackte Frau über die Sitzbank gerollt hat? Funktioniert das bei Euch? Bei mir nicht.

Das wäre also mein Wunsch für das kommende Motorradjahr: Weg mit diesem armseligen Sexismus.

Ich bin zwar nicht sehr zuversichtlich, dass das schon 2015 was wird, aber wenn ich mir so die Kommentare unter den besonders peinlichen Videos angucke, glaube ich, dass ich nicht ganz alleine bin. Es sind nämlich immer wieder mal Beiträge zu sehen, in denen Leute z.B. schreiben: “Hört auf, mir irgendwelche nackten Frauen zu zeigen, ich will das Mopped sehen.”

Immerhin ein Anfang.