Ich war im Urlaub. Erst ein Wochenende Segeln auf dem Ijsselmeer, dann ein paar Tage Amsterdam.
Eigentlich wollten wir schon am Mittwoch los und haben daher am Dienstagabend schon mal angefangen, die wichtigsten Dinge ins Wohnmobil zu packen. Beim Herausfahren aus der Einfahrt bemerkte ich dann einen schillernden Fleck, wo sich kurz zuvor noch darüber der Motorblock befand. Kacke. Also bei unserer Werkstatt angerufen und uns schon mal angekündigt.
Am nächsten Morgen waren wir dann gleich früh mit dem Wagen dort, mussten aber erstmal eine schlechte Nachricht entgegennehmen: Alles verölt, der Wagen muss einen Tag da bleiben, damit die erstmal die Ursache finden. Haben sie dann auch. Abends konnten wir das Auto abholen, ein Schlauch war porös, das Stück haben sie ersetzt, das sollte vorerst reichen, und bezahlen mussten wir auch erstmal nichts, sollten aber nach dem Urlaub nochmal wiederkommen, um das vernünftig zu reparieren. (Wenn jemand in Hameln eine richtig gute Kfz-Werkstatt sucht: Team Weser. Geht nichts drüber.)
So konnten wir schließlich am Donnerstag losfahren, haben uns einen ruhigen Campingplatz in der Nähe von Alkmaar gesucht und schon mal den Friesengeist getestet, den mir Haggy geschenkt hat.
Am Freitag ging’s dann nach Lelystad aufs Schiff, die “Ambiance”, ein ziemlich schicker Drei-Mast-Klipper. Der deutsche Skipper (und Schiffseigner) Sven und seine Matrosin Janne machten einen ziemlich entspannten Eindruck und uns erstmal mit den Hafenregeln vertraut. Daran hat sich zwar kaum jemand gehalten (Hafenruhe!), aber stressig wurde es deswegen trotzdem nicht.
Samstag und Sonntag segelten wir dann bei gutem Wetter (Sonne, kein Regen, viel Wind) nach Enkhuizen und zurück, belohnten uns nach jeder gelungenen Wende mit Schnaps und ließen es uns gutgehen. Es gibt wohl kaum etwas lässigeres, als mit 170 Tonnen Schiff nur vom Wind angetrieben bei ansonsten völliger Ruhe über die See zu fahren. Kann ich nur empfehlen. (Hat man genug Leute zusammen, ist das auch ein echt günstiger Wochenendurlaub: Bei 25 Personen zahlt jeder ca. 110 Euro dafür, dazu kommen noch Dinge wie Anreise und Verpflegung, aber das war’s dann auch schon.)
Viel zu schnell war das Wochenende vorbei, aber dafür durften wir uns auf Amsterdam freuen.
Nachdem der erste Campingplatz belegt war, fanden wir einen etwas außerhalb. Der nahm für’s Duschen 80 Cent, und Klopapier musste man auch selbst kaufen, aber das ist wohl so in solchen Touristenhochburgen wie Amsterdam.
Montagmorgen hatten wir dann erstmal richtiges Kackwetter, mit Platzregen und allem was dazu gehört. Der Regen sammelte sich am Morgen in einem tiefen Pool auf dem Dach des Vorzeltes, bis jenes irgendwann unter dem Gewicht des Wassers zusammenbrach. Mit einer ausgefeilten MacGyver-Konstruktion konnte ich dann allerdings eine weitere Poolbildung verhindern.
Amsterdam ist einerseits schon eine ziemlich coole Stadt, überall ist Leben, und an jeder Ecke sieht man Künstler und Musiker. Andererseits geht mir mittlerweile diese ganze Kifferkultur gehörig auf den Sack. Früher konzentrierten sich die Coffeeshops auf einzelne Stadtteile, heutzutage kann man wirklich nirgendwo in Amsterdam entlanggehen, ohne plötzlich in einer Cannabiswolke zu stehen.
Zudem hat man den Eindruck, dass jeder versucht, den anderen in seiner Breitness zu übertreffen, sich also möglichst so dicht zu rauchen, dass außer einem debilen Grinsen kaum noch Mimik übrigbleibt. Allen voran gehen dabei weiße Klischee-Rastafarians, die offenbar glauben, man müsse sich nur kleiden, reden, sich volldampfen und sich die Haare machen wie ein Jamaikaner, um als einigermaßen cool auf seine Umgebung zu wirken. Meinetwegen, sollen sie, ich find’s eher peinlich.
Nichtsdestotrotz gibt’s für Touris – wie mich – in Amsterdam viel zu sehen, und was Weltoffenheit angeht, davon können wir uns von unseren Nachbarn noch einiges abgucken.
Doof war am letzten Tag, dass ich beim Versuch, ein Touristenpaar zu passieren, einen Ausfallschritt auf die Straße machen musste, dabei den Bordstein übersehen habe und mit meinem gesamten Gewicht auf dem linken Knöchel umgeknickt bin. An die Eltern, die ihren Kindern wegen meines lauten “FUCK!” die Ohren zuhalten mussten: Sorry, aber das tat höllisch weh.
Ist aber offenbar nichts ernsthaft kaputtgegangen, der Knöchel wurde nicht blau und veränderte auch nicht Form und Größe, auftreten kann ich auch wieder einigermaßen normal, so dass ich es dabei belasse.
Alles in allem war’s aber ein sehr erholsamer Urlaub.
