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Verschiedenes zum Felgenfest

Gestern fand im Weserbergland wieder das sogenannte „Felgenfest“ statt, bei dem auf einer Strecke von Bodenwerder bis Rinteln (ca. 50 km) entlang der Weser die Landstraße autofrei und für Radfahrer und Inliner freigegeben ist.

Ich habe auch dieses Jahr wieder zwei Mal die Gelegenheit genutzt. Einmal gleich frühmorgens und noch vor der Streckensperrung mit dem Rennrad nach Rinteln, so dass ich auf dem Rückweg auf der Straße fahren konnte. Mittags sind wir dann in einer Gruppe zusammen nach Emmerthal und zurück gefahren.1

Einigermaßen unentspannt scheint die Gattung der Inlineskater zu sein, aber das ist nur eine anekdotische Beobachtung von mir. Am Ortseingang Tündern hielt meine Tochter an einer Fahrbahnverengung, und ich habe sie nicht schnell genug zur Weiterfahrt animieren können. Ist halt manchmal so, wenn man mit Vorschulkindern unterwegs ist.

Dort kam uns dann allerdings eine Gruppe Inlineskater entgegen, die – anstatt das Tempo an die Engstelle anzupassen – trillerpfeifend und ungebremst versucht hat, sich den Weg frei zu lärmen, woraufhin sie sich dann auch ein allseitiges „Ihr seid hier nicht alleine, ihr Schwachköpfe“ anhören durfte.

Ähnlich grenzdebil war ein anderes Inliner-Pärchen drauf. Wir machten kurze Pause abseits der Straße auf dem angrenzenden Radweg. Auf dem war jedoch eben dieses Inline-Pärchen unterwegs und bellte uns dann auch gleich ein „Platz machen!“ entgegen, was ich mit einem „Nö. Fahrt gefälligst langsamer.“ beantwortete.

Auf unsere Frage, wieso sie überhaupt auf dem Radweg unterwegs sind, wenn doch die mehrere Meter breite Straße extra für sie freigehalten ist, wussten sie dann auch folgerichtig keine Antwort.

Deutlich entspannter war die Polizei, die überall auf der Strecke die Kreuzungen gesichert hat. Alle freundlich und hilfsbereit, vor allem die Polizistinnen. Wenn ich daran denke, was für schlechtgelaunte Schnauzbartträger das früher oft bei der Polizei waren…

Niemand sollte jemals wieder den Song „Mustang Sally“ in der Commitments-Version covern. Wirklich niemand.

Es sollte grundsätzlich mehr autofreie Sonntage in allen möglichen Städten geben. Aber wenn die Stickoxid-Betrügereien der Autohersteller so weitergehen, ist das wahrscheinlich ohnehin nur noch eine Frage der Zeit, bis so etwas mehr Befürworter findet.

63.000 Teilnehmer waren es wieder. Soweit man blicken konnte: Sich miteinander unterhaltende, nebenher fahrende Radler mit überwiegend guter Laune, die stressfrei auf den Straßen unterwegs waren. Man stelle sich vor, diese 63.000 Menschen hätten alle mit dem Auto da langfahren wollen. Wahrscheinlich wäre der Verkehr komplett zusammengebrochen, und sie hätten sich alle gegenseitig die Pest an den Hals gewünscht.

Ansonsten: Wie immer eine gelungene Veranstaltung.

Links! (12.06.2017)

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    "Diese neuen Radfahrer können nicht warten, bis wir ihnen Kopenhagen herbeigezaubert haben. Wir vom ADFC Frankfurt kämpfen dafür, dass sich die Bedingungen für diese Radfahrer bessern, und zwar mit dem ganzen Instrumentarium an Führungsformen, jeweils an die lokale Situation angepasst."

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    "Wenn sie Geld für Fahrzeuge ausgeben, dann wird es um Mobilität und Bequemlichkeit gehen, aber dass ein Auto ein Statussymbol sein kann, ein Faszinosum, etwas, für das Leute sparen und für das sie sich sehr interessieren, das geht wohl gerade zu Ende."

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Links! (25.04.2017)

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Verknüpfungen

Ich habe das Glück, einen nicht besonders langen Arbeitsweg zu haben, aber hin und wieder muss ich auf Dienstreise, fahre auswärts auf Konzerte (und abends wieder zurück), oder es gibt andere Situationen, bei denen ich irgendwo unterwegs bin und gelegentlich gerne vor Ort ein Fahrrad dabei hätte.

Bling!

So reifte langsam aber sicher die Idee, mir ein Faltrad zuzulegen. Erstmal nur ein Einsteigermodell, aber auch keinen billigen Supermarktschrott. Ein Brompton war mir zu teuer, dafür wären die Einsätze dann wohl doch nicht häufig genug, aber die Modelle asiatischer Hersteller wie Tern oder Dahon sahen vielversprechend aus. Nachdem ich nun also schon ein paar Wochen sozusagen virtuell um ein solches Gefährt herumscharwenzelt bin, habe ich es vergangenen Mittwoch wahr gemacht und mir eines gekauft: Ein Tern Link C8.

Zunächst wollte ich es aber erstmal probefahren, nicht, dass ich dafür ein paar hundert Euro ausgebe und das Ganze hinterher aussieht wie ein Krusty-der-Clown-Stunt.

War aber gar nicht so schlimm. Klar, man muss ein paar Abstriche in der Ästhetik machen, aber beim Fahrgefühl gibt‘s nichts zu meckern, und mit der 8-Gang-Schaltung ist man ruckzuck auf der gleichen Endgeschwindigkeit, die auch ein durchschnittlicher Cityrad-Fahrer so zuwege bringt.

Das Rad ist ziemlich durchdacht, abgesehen davon, dass man aus mir unerfindlichen Gründen zwar einen Frontscheinwerfer mit Nabendynamo verbaut hat, sich bei der Rückleuchte aber für ein batteriebetriebenes Modell entschieden hat – obwohl am Scheinwerfer bereits alle Kontakte für die Verkabelung eines Rücklichtes vorhanden sind. Ich habe mir daher für 8 Euro noch ein vernünftiges Rück- inklusive Standlicht zugelegt und am Wochenende montiert.

Klischees wollen auch
bedient werden.

Im Zuge meiner Recherche rund um Falträder und ihre Anwendungszwecke bin ich nebenbei zufällig noch auf das Buch „Bicycle Diaries“ von David Byrne gestoßen.

Ja, genau dem David Byrne, der vor 30 Jahren bei Talking Head „Road to Nowhere“ sang, auf seinen Reisen schon damals immer ein Klapp- bzw. Faltrad dabei hatte und die Auftrittsorte eben damit erkundet und später in genau diesem Buch beschrieben hat. Das musste ich natürlich auch noch haben, zumal es für weniger als 2 Euro gebunden bei Amazon verkauft wird. (War wohl nicht so der Bestseller. Doch zum Buch vielleicht ein andermal.)

Wie sich nämlich herausstellt, ist so ein Faltrad hervorragend geeignet, Probleme zu lösen, die ich bisher eigentlich gar nicht hatte. Und das meine ich durchaus im sehr positiven Sinne.

Denn ich entschied mich – eingestimmt und ganz im Geiste von Mr. Byrne – am Sonntag dazu, das Rad mal einem Reisetest zu unterziehen und fuhr damit mehr oder weniger spontan zum Bahnhof. Ich setzte mich in die S-Bahn und fuhr nach Hannover, einerseits, weil dort die – retrospektiv betrachtet – recht lieblose Aktion „Lust aufs Rad“ stattfand, die sich als Vorwand entpuppte, einen verkaufsoffenen Sonntag abzuhalten und ansonsten nur ein paar Stände mit den üblichen Verdächtigen bot, die ein paar Flyer und ausgerechnet Fahrradhelme unters Volk brachten.

Andererseits aber wollte ich tatsächlich einfach mal die Gelegenheit nutzen, um mir Hannover vom Fahrrad aus anzusehen.

Dazu muss man wissen, dass ich zwar schon sehr häufig in Hannover, dort jedoch meistens per ÖPNV oder manchmal mit dem Auto unterwegs war. Gerade ersteres führt oft dazu, dass man im jeweiligen Stadtteil ankommt, als sei man direkt dort hingebeamt worden. Man steigt im Hauptbahnhof in die unterirdisch abfahrende Stadtbahn, und weil man selbst mit dem Vorankommen und der Navigation nichts zu tun hat, wartet man wie in einem Aufzug, bis die Zielhaltestelle aufgerufen wird, steigt aus und ist plötzlich einfach da.

Wie man dort hingekommen ist, welche Straßen man über- oder unterquert hat, welche Stadtteile durchfahren: Keine Ahnung.

Oft gibt es bei der Stadtbahn auch zwischen zwei eigentlich benachbarten Stadtteilen keine direkte Verbindung, so dass man von A nach B über zentrale Knotenpunkte fährt und die Nachbarschaft beider Stadtviertel gar nicht wahrnimmt.

Im Auto ist man wiederum ebenfalls von der Umwelt abgeschlossen und zudem noch damit beschäftigt, rechtzeitig Spuren auf innerstädtischen Hauptverkehrsadern zu wechseln, keine Ampelblitzer auszulösen, im Stau nicht zu dicht aufzufahren oder damit, einen Parkplatz zu suchen.

Mit dem Rad unterwegs, fing ich jedoch plötzlich an, die Zusammenhänge zwischen Stadtteilen zu kapieren. Ich ließ mich grob von einem Fahrradnavi leiten und machte mich einfach mal innerhalb Hannovers auf den Weg zu verschiedenen Orten, die ich in der Vergangenheit bereits besucht hatte.

Es war eine Offenbarung.

via OpenRouteService

Ständig bog ich um die Ecke und dachte plötzlich: „Hier war ich doch schon mal.“, „So hängt das also zusammen.“, „Das ist ja nur ein paar hundert Meter voneinander entfernt!“ oder „Ach, wenn man hier langfährt, kommt man direkt dorthin, wo ich sonst immer über diese eine Haltestelle gefahren bin.“

Assoziierte ich das „Link“ in der Modellbezeichnung des Faltrades bisher mit der eher technischen Verknüpfung oder Verbindung unterschiedlicher Verkehrsmittel, so erwies sich dieses kleine Gefährt als ideales Werkzeug, um die Verbindungen und Verknüpfungen verschiedener Stadtteile zu entdecken, die eine etwas größere Stadt wie Hannover ausmachen.

Wo immer ich etwas Interessantes sah, hielt ich kurz an, um es mir anzuschauen und vielleicht ein Foto zu machen. Macht das mal vom Auto aus.

Ich fuhr zu Konzertstätten, die ich kürzlich noch besucht hatte, radelte am früheren Wohnort eines Freundes vorbei, fuhr an kleinen Flüssen entlang, dann wiederum in die Gegend, wo ein anderer Freund früher mal lebte, darauf zum Maschsee und schließlich nicht zurück zum Hauptbahnhof, wo ich zuvor ausgestiegen war, sondern zu ein, zwei S-Bahn-Haltestellen weiter im Süden, einfach, weil ich Lust dazu hatte und so auch noch 2 Euro für die Rückfahrt sparte.

Zum ersten Mal begann ich, zumindest in ihrem Grundriss die Stadt zu verstehen, in der ich bisher mehr oder weniger nur zu einem flüchtigen Besuch war und mir wie ausgesetzt vorkam. Insgesamt legte ich fast 20 Kilometer in Hannover zurück, stand nie im Stau und habe gar nicht mitbekommen, wie lange ich unterwegs war, so viel Spaß hat das gemacht.

Eines ist schon mal sicher: Das war nicht die letzte Städtereise, die ich mit dem Faltrad unternehmen werde. Berlin, Hamburg und Bielefeld stehen wahrscheinlich als Nächstes auf dem Programm. Dann vielleicht Bremen, Braunschweig oder Göttingen. Und nach Hannover fahre ich bestimmt auch noch mal.