Links! (20.10.2014 bis 27.10.2014)

Linktipps vom 20.10.2014 bis 27.10.2014:

  • Krautreporter

    "Ich verstehe nicht, warum sich mit der „Tagesschau“ ein Nachrichtenformat hält, das formelhafte Nachrichten („Keine Einigung im Tarifstreit“) mit formelhaften Bildern (Menschen steigen aus Autos aus) versieht"

  • ◊ NINIA LAGRANDE ◊: BEWERBUNGSGESPRÄCH

    "Er erzählt, dass er am Wochenende an einem Tischtennis-Turnier teilnehmen wird. Persönlichkeitsebene mit der Bewerberin und so. Ich antworte: „Ich nicht.“ Dann lässt er mich allein."

  • Ping! | Frau Haessy schreibt.

    Das ist der angenehme Nebeneffekt des Motorradfahrens: Da kann man mich antexten, bis die Finger bluten, da höre ich nichts. Selbst wenn, kann ich ohnehin erst bei der nächsten Kaffeepause nachschauen, und stelle jedes Mal fest: So wichtig war's nicht.

Letzte Ausfahrt

Das dürfte in diesem Jahr die letzte große Motorradtour gewesen sein. (Obwohl – das habe ich neulich auch schon gesagt.) 

Meine (fast) neue Suzuki V-Strom 650 ist ziemlich bequem, aber nach 350 km ist dann auch mal gut. Schön war’s, schade, dass die Saison jetzt wohl erstmal vorbei ist.

Siegfried Lenz

Siegfried Lenz ist tot.

Von ihm habe ich bislang nur “Deutschstunde” gelesen, in dem der Erzähler Siggi Jepsen als Strafarbeit einen Aufsatz mit dem Thema “Die Freuden der Pflicht” schreiben muss und davon erzählt, wie sein Vater, der Dorfpolizist, das Malverbot durchsetzt, das die Nazis gegen einen Freund der Familie ausgesprochen haben.

Ich war 17 oder 18 Jahre alt, als ich es gelesen habe, und es ist das bisher einzige Buch, das ich abends begonnen habe und nicht mehr weglegen konnte, bis ich nach etwa drei Kannen schwarzem Tee morgens auf der letzten Seite angekommen war.

Links! (03.10.2014 bis 07.10.2014)

Linktipps vom 03.10.2014 bis 07.10.2014:

Sechsundfünfzigvierundvierzig

Wie die meisten mitbekommen haben werden, bin ich in diesem Jahr ca. 20 Kilogramm leichter geworden, unter anderem durch Diät, aber auch dadurch, dass ich mittlerweile regelmäßig Sport treibe.

So laufe ich derzeit pro Woche an zwei bis drei Tagen ingesamt zwischen 10 und 15 Kilometer. Am Anfang habe ich das – auf indirekte Empfehlung von Patricia – noch mit der App “Zombies, Run!” gemacht, habe mich dann ein bisschen reingenerdet und bin mit Runtastic gelaufen, und seit ein paar Wochen trainiere ich mit einem Garmin Forerunner. So ziemlich zeitgleich fiel der Entschluss, mal wieder bei einem offiziellen 10-Kilometer-Lauf mitzumachen.

Mein letzter liegt mittlerweile vier Jahre zurück, und damals habe ich ihn in anderthalb Stunden beendet. Das sollte diesmal besser werden.

Vom Zeitpunkt lag der 10km-Lauf in Bremen günstig, also habe ich kurzerhand ein Hotelzimmer für uns gebucht und mich registriert.

Bereits im Training habe ich (mit kurzen Pausen an roten Ampeln) 10 Kilometer in 1:07:00 Stunden geschafft, also habe ich bei der Anmeldung als angepeilte Zielzeit einfach mal 1:05 Stunden angegeben.

Foto 05.10.14 08 47 31Wir sind bereits am Samstag angereist, haben uns ein wenig die Stadt angesehen, ich habe meine Unterlagen abgeholt, und wir sind in einem ziemlich überteuerten Maredo-Restaurant essen gegangen. Eiweiß soll ja für Läufer wichtig sein.

Gestern Morgen wurde es dann ernst. Die Schuhe samt Zeitnahmetransponder geschnürt, Laufsachen an und ab in die Straßenbahn, die uns praktisch direkt an der Startsammelzone absetzte.

Noch kurz einen Treffpunkt ausgemacht – das iPhone habe ich diesmal nicht mitgenommen – und dann habe ich mich auch schon auf meine Startposition begeben.

Foto 05.10.14 08 49 40Anders als noch vor vier Jahren gab es keine vorgegebene Einteilung, wo man sich in etwa einreihen sollte. Praktischerweise war aber bei allen Läufern die Zielzeit neben die Startnummer gedruckt, so dass ich mich bei ungefähr gleichschnellen Teilnehmern einsortierte.

Vorgenommen hatte ich mir, zeitlich unter einer Stunde zu bleiben, also stellte ich meine Uhr so ein, dass ich gegen einen virtuellen Gegner laufen würde, der exakt 60 Minuten für die Strecke brauchen würde. So lange ich also vor diesem “Gegner” bleibe, ist alles im Lack.

Um 9:35 Uhr fiel der offizielle Startschuss, dann bildete sich der übliche Stau, so dass ich mehr als zwei Minuten später die Startlinie überquerte.

Und dann habe ich erstmal ordentlich Gas gegeben. Vor mir waren lauter Läufer, die zum Teil einen ganz seltsamen Laufstil pflegten. Die schlackerten mit den Füßen, als wären sie noch nie gelaufen und sahen beim besten Willen nicht so aus, als würden sie die Strecke in einer Stunde schaffen. Wahrscheinlich so wie ich vor vier Jahren. Also musste ich an denen erstmal vorbei, schon allein, um etwas mehr Platz für mich zu haben.

Meine Uhr zeigte nach kurzer Zeit an, dass ich ca. 30 Sekunden vor meinem virtuellen Konkurrenten sei, so dass ich diesen recht komfortablen Vorsprung schon mal in der Tasche haben würde, solange ich unter einer Pace von 6:00 min/km bleibe. Praktischerweise fing meine Uhr immer an zu nörgeln, wenn ich langsamer als eben diese 6 min/km wurde, was aber eigentlich immer nur dann der Fall war, wenn andere Läufer mir den Weg versperrten. An einigen Stellen wurde die Strecke ziemlich eng, so dass ich immer wieder mal zu kleinen Überholmanövern ansetzen musste, die natürlich etwas den Laufrhythmus durcheinander brachten und die Herzfrequenz kurz ansteigen ließen.

Eine etwas korpulentere Läuferin sah so aus, als würde sie bei jedem Schritt mit den Schultern unsichtbare Gegner umstoßen müssen, das war gar nicht so leicht, die zu umrunden. Nicht, weil sie so dick war, sondern weil sie dabei so ausladende Bewegungen machte.

Ansonsten waren die Laufbedingungen perfekt. Am Vortag war noch Regen angekündigt, stattdessen herrschten angenehme 12 Grad – ideale Lauftemperatur – kaum Wind und strahlender Sonnenschein.

Zwischendurch habe ich hin und wieder meinen Puls abgelesen: Irgendwas um die 160, also etwa dort, wo ich beim Intervalltraining auch immer mal landete. Das Training mit dem Plan von Garmin hat sich wirklich ausgezahlt. Trotz relativ hohem Puls fühlte ich mich kaum an meiner Belastungsgrenze. Ich bin kein Experte, was Sportmedizin angeht, aber ich glaube, genau so soll das beim Wettkampf auch sein.

Nach einer langen Geradeausstrecke am Weserufer ging es dann einmal durchs Weserstadion und wieder zurück. Kurze Zeit später sah man schon ein Schild für die Marathonläufer, das mit “39 km” beschriftet war. Also noch etwa 3 Kilometer, die Schlussstrecke war für alle Läufer die gleiche – ob 10 km, Halbmarathon oder Marathon.

Foto 05.10.14 10 44 24Die Uhr zeigte mittlerweile einen Vorsprung von 2:30 Minuten an, Herzfrequenz um die 170 bpm. Ich hatte also noch reichlich Zeit, um die Stunde zu unterbieten, trank kurz einen Becher Wasser, der an der Strecke gereicht wurde, drückte mir einen nassen Schwamm in den Nacken und erhöhte nochmal das Tempo.

Auf der Zielgeraden nahm ich ein letztes Mal alle Reserven zusammen und ließ mich von Musik und Sprecher anfeuern. Puls 179, scheißegal, nur noch ein paar Meter, die Zieleinlaufuhr zeigte 58 Minuten an. Ich wusste aber, dass ich ja erst 2 Minuten später gestartet war, die Zeit von 1:00:00 Stunde hatte ich also locker im Sack, außerdem hatte ich noch meine Uhr am Handgelenk, die mir ca. 56 Minuten anzeigte.

Dann durchs Ziel, nicht mehr nach links oder rechts gucken, Faust in die Luft, geschafft, geschafft, geschafft.

Und so bin ich dann tatsächlich die zehn Kilometer in 56 Minuten und 44 Sekunden (netto) gelaufen. 36 (in Worten: sechsunddreißig) Minuten schneller als noch vor vier Jahren.

Mal gucken, vielleicht (aber nur vielleicht) mache ich nächstes Jahr einen Halbmarathon mit. Hannover würde sich ja anbieten. Noch 194 Tage zum Trainieren.

Und hier könnt ihr euch noch meinen Zieleinlauf anschauen. Der, der da bei 59:17 durch’s Ziel läuft, bin ich.

 

 

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