Links! (18.03.2015)

Linktipps vom 27.01.2015 bis 18.03.2015:

Das ist Thomsen!

Immer, wenn ich im Straßenverkehr sehe, wie sich zwei Streifenwagen begegnen, muss ich an diese eine Szene aus “Das Boot” denken.

Die, in der die U96 bei schwerem Seegang auf ein anderes U-Boot trifft und der Kaleun mit großer Freude erkennt, dass es sich um das Boot seines Freundes Thomsen handelt, im Anschluss jedoch klar wird, dass diese Begegnung aus strategischer Sicht ein Problem ist: Die einzelnen Boote sind offenbar soweit ab von ihrer gewünschten Position, dass sich Lücken auftun, durch die der Feind hindurchschlüpfen kann.

Wenn also in meiner Nähe zwei Streifenwagen aneinander vorbei fahren, denke ich jedes Mal, dass jetzt irgendwoanders die Gelegenheit zum hemmungslosen Ohne-Licht-Fahren, Am-Steuer-Telefonieren und Radfahrer-Abdrängen besteht.

Aber möglicherweise habe ich auch einfach eine ganz falsche Vorstellung von Polizeiarbeit.

Krebs ist kein Fußballspiel

Benjamin Köhler, Mittelfeldspieler beim 1. FC Union Berlin, hat Krebs. Der Mann ist Vater und erst 34 Jahre alt. Krebs macht halt keine Unterschiede.

Am Wochenende hat seine Mannschaft das Spiel gegen Bochum kurz unterbrochen und versucht, ihm Mut zu machen, indem sie Transparente hochgehalten und Köhler-Trikots angezogen haben. Kämpfen solle er, nicht aufgeben, die Krankheit besiegen.

Aber wie kämpft man als Betroffener gegen Krebs? Geht das überhaupt? Kann man viel mehr tun, als sich in die Obhut möglichst kompetenter Ärzte begeben und hoffen, dass Chemotherapie und Bestrahlung anschlagen? Dass man bei einer Operation den Tumor vollständig entfernen kann?

Ich wünsche Benjamin Köhler, so wie allen anderen Krebspatienten auch, das Allerbeste, aber Krebs ist nicht immer etwas, das man mit Entschlossenheit oder Kampfgeist besiegen kann. Ein körperlich fitter und ansonsten gesunder Krebspatient hat vielleicht etwas bessere Heilungschancen als jemand, der noch dazu übergewichtig ist oder andere Grunderkrankungen mit sich herumschleppt, aber auch das ist eben keine Garantie.

Wenn eine Unterstützungsaktion wie die am Samstag hilft, dass jemand weniger Angst hat und sein Arbeitgeber, der Verein, ihm zumindest finanzielle Sorgen nimmt – nur zu.

Ich sehe nur die Gefahr, dass das ganze “Positiv denken!” und “Stark bleiben!” ins Gegenteil umschlägt und denjenigen zum Vorwurf gemacht wird, die einfach irgendwann an einem Punkt zu schwach oder zu müde sind, um noch eine Therapie auf sich zu nehmen. Noch eine OP. Noch eine Bestrahlung.

Es mag auch für jeden einzelnen persönliche Gründe geben, sich gegen all diese Maßnahmen zu entscheiden und vielleicht die Zeit, die einem selbst noch bleibt, ohne eine belastende Therapie zu verbringen. Ein Urteil darüber steht niemandem zu, nicht mal den engsten Freunden oder der Familie.

Und manchmal hat man einfach nur Pech. Nicht immer wirken die Medikamente, und manchmal kommt ein Tumor wieder. Dann darf es nicht heißen, derjenige habe “aufgegeben” oder “den Kampf verloren”.

Krebs ist nunmal kein Fußballspiel.

 

SB-Kasse

Nachdem ich meine Waren an der SB-Kasse in den Einpackbereich lege – ich nehme an, dort werden sie zur Kontrolle gewogen – drehe ich mich zum Geldzählautomaten, um den Einkauf zu bezahlen. Dort steht bereits jemand, vielleicht 17 oder 18 Jahre alt, mit einer kinn- und nackenlangen Playmobilfrisur.

Ich kann sowas nicht leiden. Also, nicht die Frisur – obwohl sie echt scheiße aussieht – sondern das Gedrängle. Es ist offensichtlich, dass ich noch nicht fertig bin, trotzdem dringt dieser Mensch in meinen Privatbereich ein. Würde ich jetzt mit Karte bezahlen wollen, würde ich ihn direkt anpöbeln, ob er vorhätte, für mich die Geheimzahl einzugeben. Will ich aber zu seinem Glück nicht, also sehe ich ihn nur fassungslos an, lege einen 5-Euro-Schein in den Automaten und entnehme mein Wechselgeld.

Das Einpacken der Waren in die Tüte dauert ein wenig, weil ich wie immer nicht diese scheiß Fisseltüte auseinanderpflückt bekomme, ohne beide Hände zu benutzen. Ich habe gerade den ersten Gegenstand hineingelegt, da sehe ich eine Bewegung im Augenwinkel, es piept einmal, und der Bildschirm zeigt an: “Bitte entnehmen sie erst die Waren aus dem Einpackbereich, bevor Sie mit dem Scannen beginnen.”

Playmobilfrisur hat schonmal mit dem Scannen angefangen. Während ich noch einpacke.

Er ist offensichtlich nicht nur zu blöd, meine Privatsphäre zu wahren, er ist auch zu ungeduldig, zu warten, bis die Kasse frei wird. Ich beschließe, ihn zu belehren, stelle sofort jegliche Tätigkeit ein und schaue ihn nur an. Nichts passiert. Seine Frisur lässt keine Blicke zur Seite zu, er nimmt mich gar nicht wahr.

Irgendwann merkt er jedoch, dass da was nicht stimmen kann, guckt vom Bildschirm – der immer noch dieselbe Fehlermeldung anzeigt – hoch und sieht zu mir.

Ich frage: “Haben Sie es sehr eilig?”

(Ich glaube, dass man gerade Minderjährige beim Kritisieren immer siezen sollte. Das beschämt sie nur noch mehr, weil sie dann merken, dass sie sich gerade so gar nicht dem Alter entsprechend verhalten, für das sie gerne gehalten werden wollen.)

Playmobilfrisur ist allerdings mit der Situation gerade komplett überfordert. Er murmelt nur “Hbcchhnnnchhgssehn”, was ich als “Hab ich nicht gesehen” interpretiere.

“DANN LASS DIR MAL DIE HAARE SCHNEIDEN, DU HIPPIE,” sage ich nicht, sondern denke ich (wirklich nur kurz, ehrlich) und antworte: “Habe ich wohl gemerkt.”

“Tschllljnngg.”

“Jaja, schon gut.”

Wechselgeld

Ich zähle praktisch niemals Wechselgeld nach, das ich bekomme. Egal, ob an der Supermarktkasse, beim Bäcker, beim Friseur oder im Elektronikhandel: Ich gehe eigentlich immer davon aus, dass der Betrag, den mir der oder die Angestellte zurückgibt, schon passen wird.

Große Scheine verwende ich ohnehin dank Kartenzahlung so gut wie nie, und bei den Beträgen unter zehn oder zwanzig Euro gehe ich einfach mal davon aus, dass sich das alles, selbst wenn sich mal jemand verzählen sollte, am Ende irgendwie schon wieder ausgleichen wird, indem ich mal hier zuwenig, mal da zuviel zurückbekomme.

Meine Abneigung, Wechselgeld nachzuzählen, liegt wahrscheinlich darin begründet, dass ich das fast als Beleidigung empfinde. Als wollte ich sagen: “Naja, so wie Sie aussehen, sind Sie entweder unehrlich oder zu doof, um Geld zu zählen, da rechne ich lieber nochmal nach.”

Aufgefallen ist mir das ganze gestern: Wir teilen uns mit den Nachbarn ein Stück Weg, für dessen Reinigung wir ein Unternehmen beauftragt haben. Der Rechnungsbetrag wird von meinem Konto abgebucht, auf das meine Nachbarn ihren Anteil jeweils überweisen. Alle, bis auf einen. Der klingelt jeden Monat an der Haustür, drückt uns einen Umschlag in die Hand und lässt sich das per Unterschrift bestätigen, warum auch immer. Wie viel Geld er aber in den Umschlag gesteckt hat, erfahre ich jedes Mal erst hinterher, weil ich nicht in seinem Beisein kontrollieren möchte, ob er das Geld auch auf den Cent genau abgezählt hat. Hinterher überprüfe ich es aber auch nie. Wird schon passen.

Wenn ich allerdings Bargeld vom Automaten hole, zähle ich immer genau nach, manchmal sogar mehrfach, obwohl die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Geldautomat verzählt, vermutlich viel geringer ist, als wenn ein Mensch das macht. Aber so ein Automat fühlt sich andererseits auch nicht so schnell beleidigt.