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Spikereifen

Foto: schwalbe.com

Foto: schwalbe.com

Bevor die Außentemperatur in diesem Jahr erstmals auf unter 0° Celsius sank, habe ich mein Crossrad auf Wintermodus umgerüstet, sprich: Spike-Reifen aufgezogen.

Bestellt hatte ich die Schwalbe Marathon Winter bereits vor ein paar Wochen, habe aber jetzt zum ersten Mal die Gelegenheit gehabt, die Dinger auszuprobieren, und ich muss sagen: Ziemlich geiles Fahrgefühl.

Gerade in den wenig befahrenen Kurven in Wohngebieten bilden sich nachts fies glitzernde Flächen, die ich bisher nur mit äußerster Vorsicht überfahren habe, über die man aber mit den Spikes problemlos drüberrauschen kann.

Auf Asphalt machen die Reifen durchaus einigen Lärm, aber die Gelegenheiten, in denen man völlig unbeeindruckt und nahezug lautlos über zugefrorene Wasserpfützen rollt, entschädigen dafür alle Mal.

Und noch ein kleines Detail: Wenn der Scheinwerfer im richtigen Winkel über die Reifenoberfläche leuchtet, erzeugen die Spikes beim Fahren interessante Effekte, die die Älteren unter uns an die Geschwindigkeitskorrektur eines Plattenspielers erinnern werden.

Für Fahrradenthusiasten, die auch im Winter nicht aufs Rad verzichten wollen: Klare Kaufempfehlung.

Links! (02.12.2016)

Linktipps vom 26.01.2016 bis 02.12.2016:

#Safetypin

Schon am ersten Tag nach der US-Wahl gingen die Tweets und Facebook-Posts ein.

Beschreibungen, wie Trump-Anhänger in den USA auf offener Straße Moslems beleidigen, Latinos „Build the Wall!“ zurufen, Schwule verprügeln, Autos von Schwarzen beschmieren, Hakenkreuze an Wände sprayen. Kurz: Ihren Hass an allem auslassen, was nicht weiß, christlich und hetero ist.

Und gleichzeitig Berichte von Protesten, von wildfremden Menschen, die sich gegenseitig trösten, sich Mut zusprechen und in den Arm nehmen.

Ich dachte:

Man bräuchte ein universelles Erkennungszeichen für diejenigen, die vielleicht selbst von all dem Hass (noch) nicht betroffen sind, aber auf der Seite derer stehen, die darunter zu leiden haben. Als grundsätzliches Zeichen der Solidarität, aber auch im Alltag, um zu zeigen: Vor mir brauchst du keine Angst zu haben.

Andere hatten diesen Gedanken bereits vor mir, nämlich kurz nach dem Brexit-Vote, als genau das, was wir derzeit in den Vereinigten Staaten sehen, in Großbritannien begann.

Sie hefteten sich eine Sicherheitsnadel an, um zu sagen:

Mir ist egal, ob du eine dunkle Hautfarbe hast, ob du Moslem bist oder Jude. Mich kümmert nicht, ob du schwul, lesbisch oder transgender bist. Ob du eine Behinderung hast, ob du Flüchtling bist, was auch immer: Ich werde dir helfen, wenn andere dich bedrohen.

Ich hatte damals bereits davon gelesen, die Geschichte aber offenbar wieder vergessen. Doch gestern sah ich, dass Sir Patrick Stewart sein Zeichen der Solidarität twitterte, und auch in den USA scheint diese Idee jetzt Fuß zu fassen.

Da dachte ich, warum nicht auch hier? Ist ja nicht so, dass wir in Deutschland nicht auch ständig Übergriffe, vor allem auf Flüchtlinge, zu verzeichnen hätten.

Es ist ein einfaches Mittel, um Solidarität zu bekunden und erfüllt noch einen Zweck: Wer davon noch nichts gehört hat und an Durchschnittstypen wie mir eine Sicherheitsnadel sieht, fragt vielleicht, was das zu bedeuten hat. Und schon hat man die Gelegenheit, darüber ins Gespräch zu kommen.

Denn dass wir mehr Menschen außerhalb unserer Peergroup erreichen müssen, wenn wir ein Wahlergebnis wie in den USA verhindern wollen, steht ja wohl außer Frage. (Außerdem hat man dann immer eine praktische Sicherheitsnadel dabei.)

Darum: #safetypin

safetypin

Apps zur Meditation – Teil 2:
1 Giant Mind

Als ich gestern in Teil 1 „Headspace“ vorgestellt hatte, habe ich ja bereits erwähnt, dass die Subscription bei dieser App nicht ganz günstig ist. Darum will ich euch heute eine kostenlose Alternative zeigen, die zwar nicht ganz so umfangreich, meines Erachtens aber mindestens ebenso gut geeignet ist, um damit das Meditieren zu erlernen.

Die Rede ist von

1 Giant Mind

Was ist das also für 1 giant mind am been? (Entschuldigung, der musste sein.)

1gm1 1 Giant Mind ist eine Meditations-App, die vom Australier Jonni Pollard, einem Meditationslehrer, erschaffen wurde. Nach eigenen Angaben handelt es sich bei 1 Giant Mind um eine non-profit organization, die es sich zum Ziel gesetzt hat, anderen Menschen das Meditieren beizubringen, um „die negativen Auswirkungen von Stress zu reduzieren und die Gesundheit zu fördern“. Möglicherweise dient die App dabei im Wesentlichen als Werbeplattform für Jonni Pollards Beratungs- und Lehrtätigkeit, ich weiß es nicht. Um die App zu nutzen, kann man sich per Facebook authentifizieren, die Datensammelwut hält sich dabei durchaus in Grenzen, so will die App lediglich auf Name, Wohnort und Mailadresse zugreifen (und z.B. nicht wissen, mit wem ihr alles befreundet seid).

Die App bietet drei Grundfunktionen. Zunächst startet man mit einem 12-teiligen Einführungsprogramm, bei dem man jeden Tag ca. 15 Minuten angeleitet das Meditieren erlernt. Begleitet werden die Übungen von Jonni Pollard selbst, der sehr sympathisch rüberkommt und alles gut verständlich und ohne Ausflüge in die Esoterik erklärt. Positiv dabei: Die App erinnert den Benutzer vor jeder Meditation, Kopfhörer zu verwenden und den „Bitte-nicht-stören“-Modus einzuschalten. Eine Kleinigkeit, aber sehr hilfreich.

1gm2Die Meditation selbst läuft etwas anders ab als bei Headspace. Auch hier wird zwar zunächst ein paar Mal tief durchgeatmet, dann kurz gecheckt, ob auch alles entspannt ist: Kiefer, Stirn, Schultern. Im Gegensatz zu Headspace wird aber jede Meditation mit einem leichten „Pling“ einer Klangschale eingeleitet und während der gesamten Zeit erklingt im Hintergrund ein sphärischer Ambience-Sound. Der ist aber sehr unaufdringlich und durchaus hilfreich beim Absinken in die Meditation.

Doch auch bei der Meditationstechnik geht 1 Giant Mind einen anderen Weg. Der Fokus liegt hier nicht auf dem Atem sondern auf einem Mantra, das man möglichst ohne Anstrengung („effortless“) im Geist wiederholen soll. Ich war zunächst skeptisch, musste dann aber sehr bald feststellen, dass das (zumindest nach meiner Wahrnehmung) eine sehr effektive Methode ist, wieder zurück zur Meditation zu finden, sobald man bemerkt hat, dass die eigenen Gedanken wieder abgeschweift sind.

Besonders gelungen: Nach jeder Sitzung wird dem Anwender eine Liste von Erfahrungen angeboten, die man möglicherweise während der Meditation erlebt hat. Zum Beispiel „Ich war ständig abgelenkt“, „Ich habe vergessen, an das Mantra zu denken“, „Ich bin eingeschlafen“ oder „Ich hatte seltsame Bilder im Kopf“. Wählt man eine dieser Erfahrungen aus, erklärt einem Jonni Pollard in einem kurzen Video, was es damit auf sich hat, dass diese Erfahrungen und Erlebnisse völlig normal sind und wie man damit umgehen kann. Für mich persönlich waren dabei Erkenntnisse wie „Es gibt keine gute oder schlechte Meditationssitzung“ und „Das Abschweifen in Gedanken ist absolut erwünscht und gehört dazu“ sehr wertvoll.

Alle 2 – 3 Tage erhält man zusätzliche Informationen, die wiederum die Funktionsweise der Meditation näher erläutern. Hat man die 12 Tage absolviert, kann man die 30-Tage-Challenge beginnen, bei der man versuchen soll, das Gelernte 30 Tage lang jeden Tag in einer Meditation zu einer Gewohnheit werden zu lassen. Auch hier gibt es im Wochenrhythmus neue Inhalte, zuvor erhält man noch den Freischaltcode zu einem etwa halbstündigen Video, in dem Jonni in einem Interview auf die drei häufigsten und wichtigsten Fragen eingeht.

1gm3Wer möchte, kann nach den 12 Einführungstagen auch zusätzlich den Meditationstimer verwenden, der dann ebenfalls freigeschaltet ist. Sowohl bei der 30-day-challenge als auch im Timer hat man nun die Auswahl zwischen Jonni und einer weiblichen Stimme (Laura Poole), die die Übungen ein- und ausleitet, außerdem kann man den Hintergrundsound wechseln und die Dauer der Sitzung einstellen.

Einziger Kritikpunkt ist die zuweilen recht lange Zeit, die die 12 Einführungssitzungen zum Download benötigen, so ist es bei mir auch zwei, drei Mal zum Abbruch beim Herunterladen gekommen. Nach einem zweiten Versuch hat es dann aber immer geklappt, nach den 12 Tagen sind ohnehin keine Downloads mehr nötig.

Fazit

Nicht nur für ein kostenloses Angebot ist die App wirklich gelungen. Die Erläuterungen sind sehr gut verständlich und vor allem absolut logisch und nachvollziehbar, denn auch 1 Giant Mind verzichtet völlig auf Esoterik.

Ok, die Fotos der meditierenden Testimonials sind irgendwann etwas kitschig und erinnern so ein Bisschen an C&A-Werbung aus den 90ern, mit viel Lagerfeuer, Veranda-Mädchen und Surfertypen, aber vielleicht sehen die in Australien ja wirklich alle so aus, wer weiß das schon so genau.

Die App dient einem einzigen Zweck: Man kann damit das Meditieren lernen. Wem das ausreicht und wer nicht noch zielgerichtete Techniken benötigt, um Gelassenheit, Stressabbau oder ähnliches anzugehen, wird damit völlig zufrieden sein.

Ich selbst bin mir noch nicht sicher, ob ich mein Headspace-Abo zugunsten von 1 Giant Mind aufgeben werde, zur Zeit verwende ich eine App morgens und eine abends.

Natürlich besteht bei einem Gratisangebot immer die Möglichkeit, dass es schon morgen kostenpflichtig oder ganz eingestellt wird, aber so lange die App zur Verfügung steht, kann ich sie jedem Meditationsinteressierten uneingeschränkt empfehlen.

Apps zur Meditation – Teil 1: Headspace

Vor und nach Rats- oder Ausschusssitzungen konnte ich oft nachts nicht gut einschlafen, weil meine Gedanken immer darum kreisten. Wobei „kreisen“ in der Tat wörtlich zu nehmen ist, denn vor den Sitzungen malte ich mir immer wieder aus, wie ich meine Redebeiträge gestalten würde – und anstatt die Ideen einfach aufzuschreiben und sie somit nicht ständig wiederholen zu müssen, ging ich sie wieder und wieder durch.

Nach den Sitzungen war es nicht anders, denn da überlegte ich mir oft noch stundenlang, was hätte besser laufen können und was wohl in den nächsten Tagen davon in der Presse berichtet werden würde.

Würde, würde, hätte, hätte. Ich schlief also schlecht, weil ich die ganze Zeit bei Ereignissen in der Zukunft oder in der Vergangenheit war.

Irgendwann erwähnte Holger Klein bei WRINT, dass es ihm ähnlich ginge und er das gut durch Meditation in den Griff bekäme.

Hm, Meditation, das war doch diese Nummer, bei der kahlrasierte Männer in orangen Gewändern im Schneidersitz zwischen Räucherstäbchenschwaden auf dem Boden sitzen und vor sich hin murmelnd versuchen, nicht zu denken, oder? Etwas für gelangweilte Hausfrauen, die – wenn sie nicht gerade meditieren – Yogakurse belegen und in Impfgegnerforen gegen die Pharmaindustrie wettern.

Nun, nicht unbedingt.

Meditation geht auch ohne Esoterik, und dank technologischem Fortschritt kann das mittlerweile jeder lernen, der sich 10 – 20 Minuten am Tag Zeit dafür nehmen kann. Es gibt nämlich verschiedene Apps dafür. Ein paar davon möchte ich hier nach und nach vorstellen.

Headspace

Die bekannteste Meditations-App dürfte Headspace sein, die von dem Engländer Andy Puddicombe ins Leben gerufen wurde. Andy war buddhistischer Mönch, ausgebildeter Zirkusartist und verbrachte einige Jahre in Klöstern, um dort das Meditieren zu lernen. Er stellte irgendwann fest, dass Meditation auch ohne religiösen Überbau funktioniert und adaptierte verschiedene Techniken, damit sie auch in der westlichen Welt akzeptiert werden würden.

headspaceDie App ist so aufgebaut, dass Andy zunächst in 10 mal 10 Minuten Schritt für Schritt (auf englisch) in geführten Meditationen erklärt, wie das ganze überhaupt funktioniert. Dabei folgt jede – möglichst täglich durchzuführende – Meditation einem bestimmten Muster. Erst ein paar Mal tief durchatmen, Geräusche und Umgebung wahrnehmen (aber sich nicht darauf konzentrieren), den eigenen Körper von Kopf bis Fuß abscannen und schließlich auf den eigenen Atem fokussieren, was den Hauptteil der Meditation ausmacht. Nach etwa 10 Minuten folgt dann wieder der langsame Übergang in den Alltag.

Andy Puddicombes Stimme ist angenehm, gut verständlich und führt den Anwender ohne esoterischen Schnickschnack durch die Übungen. Die App ist zunächst kostenlos, entscheidet man sich nach den 10 Einführungsmeditationen dazu, das ganze fortzusetzen, wird allerdings eine Subscription fällig. Die gibt es gestaffelt in verschiedenen Intervallen, von monatlich (9,95 €), über 1- und 2-jährig bis hin zu einer lebenslangen Nutzungsmöglichkeit, die jedoch mit knapp 400 € zu Buche schlägt.

Man sollte nach Abschluss der Subscription zunächst noch die beiden Basismeditationsserien á 10 Übungen durchgehen, um die Technik sicher zu beherrschen. Dann aber hat man Zugriff auf eine recht große Auswahl themenbasierter Meditationsreihen, alle von Andy geführt. Die über 20 Themen berühren Geduld und Großzügigkeit, aber auch Ausgeglichenheit und bessere Konzentration und sollen helfen, Stress und Angst abzubauen. Ab und an kommen Themenbereiche und Erweiterungen hinzu. Einige Reihen sind in 10 Übungen unterteilt, bei anderen sind es bis zu 30.

Dabei kommen verschiedene Meditationstechniken zum Einsatz, unter anderem die Fokussierung auf den Atem, die Visualisierung und das „Noting“, also das Gewahrwerden von bestimmten Gedankenmustern.

Des weiteren gibt es einzelne geführte und ungeführte Meditationen zu bestimmten Lebenssituationen wie Flugangst, aber auch Anleitungen zur Meditation auf dem Weg zur Arbeit, zum Einschlafen und ähnliches.

Begleitet und erläutert wird das Ganze mit Hilfe von kurzen Zeichentrickfilmen, die anhand von Metaphern verdeutlichen, wie unser Gehirn so tickt und wie wir es trainieren können, mit verschiedenen Herausforderungen besser umzugehen.

Man kann sich außerdem mit „Buddies“ zusammentun und sich so gegenseitig zum Meditieren motivieren. Hat man eine bestimmte Anzahl von Tagen ununterbrochen jeden Tag meditiert, erhält man einen Gutschein für einen Monat, den man wiederum verschenken kann.

Fazit

Headspace ist nicht ganz billig, aber durchaus sein Geld wert. Es eignet sich vor allem für völlige Neueinsteiger, die sich zum ersten Mal mit Meditation beschäftigen und keine Lust auf das ganze Chakren-Energie-Klangschalen-Gedöns haben. Die 10 Minuten lassen sich zumindest für mich gut in den Alltag einbauen.

Ich empfehle jedoch eine Abo-Dauer von maximal einem Jahr, weil sich doch vieles wiederholt und man sich irgendwann fragt: Kommt da noch was, und brauche ich zum Meditieren eigentlich eine solche App oder reicht nicht auch ein Timer?

Das hat bei mir dazu geführt, dass ich mich kürzlich noch mit ein paar Alternativen zu Headspace befasst habe, die ich in den kommenden Tagen vorstellen möchte. Darunter sind unter anderem die kostenlose und bemerkenswert gute App „1 Giant Mind“, eine deutsche Variante namens „7Mind“ und ein paar weitere wie „Buddhify“, „Stop, Breathe and Think“ und „Insight Timer“.

Ob ich durch die regelmäßige Meditation gelassener geworden bin, können vermutlich meine Freunde und Familienangehörige besser beurteilen als ich, persönlich habe ich aber schon den subjektiven Eindruck, besser mit Situationen umzugehen zu können, die früher dazu geführt haben, dass ich mich übertrieben (und oft grundlos) aufrege. Und besser einschlafen kann ich mittlerweile auch. Aber ich muss ja jetzt auch zu keinen Ratssitzungen mehr.