Jetzt mit 5% weniger

2014-04-16 16_55_25-Health MateVor 6 Wochen habe ich mich bei Weight Watchers angemeldet, nachdem die Abende, an denen ich mal eben so ‘ne Tüte Chips eingeatmet hatte, immer häufiger wurden.

Der Anreiz war eigentlich schon vorher da, mal wieder mein Gewicht zu reduzieren. Der Mangel an Bewegungsdrang und die fehlende Kondition gingen mir bereits eine ganze Weile auf die Nerven, und als ich dann hörte, dass einerseits Holgi mit Weight Watchers erfolgreich abnimmt und ich unabhängig davon erfuhr, dass die beste Freundin meiner Frau damit ebenfalls einiges an Gewicht reduzieren konnte, haben wir – also meine Frau und ich – beschlossen, das auch mal zu versuchen.

Auf diese Selbsthilfegruppentreffen hatte allerdings keiner von uns beiden Lust, also haben wir uns für die Onlinevariante angemeldet.

Das Prinzip ist bei allen ernstzunehmenden Diätprogrammen gleich: Du musst weniger zu dir nehmen als du täglich an Kalorien verbrennst, dann nimmst du ab. Punkt. Eine andere Methode gibt es nicht. Die Unterschiede liegen wie immer im Detail. Vor einigen Jahren habe ich schonmal eine Kalorienzählvariante ausprobiert, aber das wurde mir schließlich zu mühselig, weil man dabei letztlich jedes einzelne Nahrungmittel auf das Gramm genau abwiegen müsste, was man maximal eine Woche durchhält. Irgendwann geht man dann dazu über, jede einzelne Aktivität – Spazieren gehen, Joggen, Radfahren – direkt wieder in Kalorien umzurechnen, die man im Laufe des restlichen Tages gleich wieder verfrisst.

Dazu kommt das Problem, dass man bei Überziehung seines Tageskontingents irgendwie darauf reagieren muss. Nur wie? Am nächsten Tag die 300 kCal wegzuhungern, die man am Vortag wegen 2 Gläsern Bier überzogen hat, ist auch keine Lösung, wenn man ohnehin schon auf reduzierter Kalorienzufuhr fährt.

Weight Watchers ist da etwas flexibler. Zum einen zählt man keine Kalorien, sondern Punkte, was erheblich ungenauer, dafür aber auch bei weitem nicht so spießig und daher wesentlich angemessener ist, wenn man das alles irgendwie in den Tagesablauf einbauen will. Je nach Körpergröße, Gewicht und Geschlecht hat man also ein Tageskontingent an zu verfressenden Punkten. Zusätzlich – und da kommt die Flexibilität ins Spiel – hat man ein Wochenkontingent, das man beliebig, jedoch nur wochenweise, einsetzen kann. Man kann also täglich etwas mehr essen, oder man spart sich ein paar Punkte für den Grillabend am Wochenende auf, ganz wie man möchte.

Viele Lebensmittel haben gar keine Punkte, was den Vorteil hat, dass man zwischendurch jederzeit eine Banane oder ein paar Gewürzgurken essen kann, wenn man Hunger bekommt und nicht bis zur nächsten Mahlzeit warten möchte.

Außerdem kann man durch besagte Aktivitäten Punkte sammeln, die aber erst dann verbraucht werden, wenn die Wochenextrapunkte vollständig aufgezehrt sind. So kommt man nicht in Versuchung, die Punkte, die man durch eine Joggingrunde verdient hat, direkt wieder in einen Grillteller vom Griechen umzusetzen. Zum Zweck des Punktesammelns habe ich uns dann noch Schrittzähler von Weight Watchers gekauft, an denen man gleich ablesen kann, wie viele Punkte man sich hinzuverdient hat. Einer davon ist mir allerdings in angetrunkenem Zustand vom Gürtel gerutscht und ins Klo gefallen. Note to self: Die Dinger sind nicht wasserfest.

Ansonsten funktioniert das ganze ziemlich gut, zumindest hatte ich in den sechs Wochen zu keiner Zeit ein so unstillbares Hungergefühl, dass ich die Diät hätte abbrechen wollen.

Ganz billig ist der Spaß nicht, die ersten drei Monate kosten ca. 50 Euro, dafür hat man aber per App und Weboberfläche Zugriff auf eine sehr umfangreiche Nahrungsmittel- und Rezeptdatenbank. Danach kostet es etwa 17 Euro pro Monat.

Mein erstes Abnahmeziel wurde mir vorgeschlagen und betrug 5% Reduktion, bei meinem Startgewicht von 113,3 Kilogramm also ca. 5,7 kg weniger. Das habe ich nach sechs Wochen nun erreicht. Damit habe ich seit etwa zehn Jahren zum ersten Mal wieder einen BMI von unter 30, bin also ganz offiziell nicht mehr fettleibig, sondern habe nur noch Übergewicht. Mein nächstes Ziel lautet 100 kg, die ich rein rechnerisch bei gleichbleibender Gewichtsreduktion in etwa 2-3 Monaten erreichen müsste.

Sieht man davon bereits etwas? Schwer zu sagen.

Ich selbst merke die fehlenden 6 Kilo allerdings deutlich. Wenn ihr schonmal – vielleicht in der Schule – Kugelstoßen ausprobiert habt: So eine Kugel für Männer wiegt ca. 7,3 kg, die für Frauen 4 kg. Stellt euch also vor, ihr müsstet eine Kugel in dieser Größenordnung den ganzen Tag mit euch herumtragen. Egal wohin, Treppe hoch und runter, schnell, langsam, ihr habt immer diese Kugel dabei. Wenn man die plötzlich zu Hause lassen kann, merkt man das.

Ich habe jetzt bereits den Eindruck, nicht mehr so schwerfällig zu sein, insbesondere Fußwege machen mir überhaupt nichts mehr aus. Die Hosen, die ich mir vor kurzem gekauft habe, werden bereits etwas flatterig, außerdem muss ich meinen Gürtel jetzt um ein Loch kleiner stellen.

Es wird sich zeigen, wie es die nächsten Wochen weitergeht, insbesondere bin ich gespannt darauf, wie ich die Umstellung in den Gewicht-halten-Modus hinbekomme, wenn es soweit ist. Bis hierhin bin ich allerdings sehr zufrieden.

Die Scheißkatze ist wieder da

friedaJeden Morgen hasse ich diese Katze. Denn sie scheißt. Ok, das machen alle Katzen, aber diese scheißt nicht ins Klo. Oder zumindest nur in Ausnahmefällen.

Vor sechs Jahren haben wir sie aus dem Tierheim geholt. Wir suchten eine Katze, die sich voraussichtlich gut mit unserem damaligen Kater vertragen würde und die nicht unbedingt nach draußen gehen muss, weil wir da noch in der 4. Etage wohnten.

So kamen wir zu Frieda. Oder sie zu uns. Im Tierheim hatte sie sich nur an den Futternapf getraut, wenn die anderen Katzen schon fertig waren, dann fraß sie kurz und zog sich wieder auf ihren Dachbalken zurück. Sie war wohl in einem Messiehaushalt aufgewachsen und wurde dort entsprechend vernachlässigt. Seitdem hatte sie eine Macke.

Bei uns taute sie dann langsam auf und kam tatsächlich ganz gut mit dem Kater zurecht. Scheu und zurückhaltend blieb sie aber immer. Außerdem wurde sie fett, aber das ist wohl eher unsere Schuld. Dass sie, nachdem sie Kacken war, im Katzenklo ihre Haufen nicht verscharrte, wie es andere Katzen tun, hätte uns misstrauisch machen sollen, aber letzen Endes war es ja auch egal.

Dann fing sie irgendwann an, einfach so in den Flur zu kacken. Das war dann eher nicht so egal, vor allem nicht, als meine Frau schwanger und ich wegen der Toxoplasmosegefahr 9 Monate lang Katzenscheißebeauftragter war. Aber man gewöhnt sich ja an alles.

Nach unsererem Umzug durfte sie dann auch nach draußen, wo sie sich aber höchstens gerade so weit entfernte, dass sie uns zumindest noch in den Garten kacken konnte. Was sie auch tat. Meistens. In aller Regel kam sie abends nach Hause, um uns dann nachts wieder in den Flur zu kacken.

Und so hasste ich die Katze jeden Morgen, wenn ich im Halbdunkel zum Klo schlurfte und mit meinem Telefon vor mir herleuchtete, um nicht barfuß irgendwo rein zu treten.

Am Montag blieb sie zum ersten Mal länger weg und kam nicht mehr zurück. Und da ist uns dann erstmal aufgefallen, wie sehr wir uns an dieses viel zu fette, scheißende Vieh gewöhnt haben.

Am Mittwoch wollten wir im Tierheim anrufen, aber da kam sie morgens kurz vorbei, lief jedoch gleich wieder weg, als ich sie ins Haus lassen wollte. Als sie dann gestern immer noch nicht zurück war, haben wir dann doch beim Tierheim gefragt.

2014-04-03 19.15.40Die haben uns dann eine Falle ausgeliehen. Gute Idee, auf die wir eigentlich auch selber mal hätten kommen können.

Und so betätigte ich mich gestern als Trapper und Fallensteller.

Ja, ich weiß, dass das eigentlich beides dasselbe ist, aber als ich noch ein Kind war, wurde das, soweit ich mich erinnern kann, bei “Der Mann in den Bergen” immer zusammen genannt. Wie bei “Nepper, Schlepper, Bauernfänger”, was ja letztlich auch alles das gleiche bedeutet.

Die Falle stellten wir über Nacht auf und plazierten in der Nähe ein Babyphon, damit wir alarmiert werden und die Katze (oder was auch immer wir für ein Tier fangen würden) nicht die ganze Nacht eingesperrt bleiben müsste.

Ich rechnete damit, dass wir ab jetzt jeden Morgen drei Waschbären und zwei Marder befreien müssten, aber das erste Tier, das doof genug war, in die Falle zu gehen, war: Frieda.

Und wenn sie nicht nochmal nächtelang abhaut, kann ich jetzt wieder jeden Morgen mit der Taschenlampe zum Klo, um nicht in Scheiße reinzulatschen.

Aber aus irgendeinem Grund ist es mir das wert.

Privatspielplätze

Was ist das eigentlich für eine seltsame Entwicklung in Kleinstädten und Vororten, dass Eltern ihren Kindern mittlerweile komplette Privatspielplätze für den Garten zusammenkaufen?

Der nächste öffentliche Abenteuerspielplatz ist fünf Minuten Fußweg entfernt, aber in den Gärten stehen heutzutage mindestens ein Sandkasten, eine Rutsche, eine Schaukel, ein Trampolin und ein Holzhaus auf Stelzen mit Klettergerüst.

Wie geht das weiter? Autoscooter für Einzelkinder mit eigenem Angestellten, der die Plastikchips einsammelt und die leerstehenden Autos wieder einparkt? Holzachterbahn mit Todesspirale und Looping in der Vorortsiedlung? Ein eigenes Delfinarium? Pools mit Wasserrutsche und Dreimeterbrett im Vorgarten?

Zugegeben, wir haben unserer Tochter auch schon den einen oder anderen Krempel gekauft, der dann vielleicht zweimal genutzt wurde. Was soll’s, abgehakt unter “Fehlkauf” und in aller Regel weiterverschenkt.

Aber wäre es nicht besser, wir Eltern würden alle mal wieder auf den Boden herunterkommen und das Geld lieber für öffentliche Spielgeräte ausgeben, damit sich alle Kinder – auch die von weniger reichen Eltern – auf Spielplätzen austoben können? 

Das ganze hätte dann auch gleich den Nebeneffekt, dass der Nachwuchs lernt, Rutsche, Schaukel, Trampolin und Sandkasten mit anderen, ja sogar fremden(!), Kindern zu teilen. Ich stelle mir das zumindest recht sinnvoll vor, dass das Kind an das Konzept “Es gibt noch andere Menschen außer mir” herangeführt wird, bevor die allgemeine Schulpflicht einsetzt.

Aber wahrscheinlich ist das wieder mal nur so ein sozialistischer Gedanke von mir.

Wer eskaliert hier eigentlich

Schauen wir uns doch mal die Chronologie der Ereignisse an.

Der Anlass

13. Februar: Anne Helm demonstriert in Dresden mit freiem Oberkörper, ein Boulevardblatt veröffentlicht eine Serie von Artikeln darüber, so dass Anne schließlich massiv bedroht wird.

Die Reaktionen

18. Februar: Der Twitter-Hashtag #keinHandschlag taucht zum ersten Mal auf, worunter verschiedene Parteimitglieder, darunter auch Mandatsträger und Vorstände ankündigen, keinen Europawahlkampf zu führen, solange Anne Helm Kandidatin bleibt.

19. Februar: Diverse Landesverbandsvorstände distanzieren sich von Anne, vermischen dabei dann auch gleich mal Debatten über Feminismus und Antifa.

21. Februar: Administratoren schalten für einen Tag Parteiserver ab und nennen diese Form der Sabotage #Orgastreik.

23. Februar: Der Landesverband Niedersachsen berät in nichtöffentlicher Sitzung einen Antrag über die Empfehlung von Ordnungsmaßnahmen in der Sache, der Stream bleibt aus, Hunderte von grundsätzlich stimmberechtigten Mitgliedern, die nicht zur LMV anreisen konnten, dürfen nicht erfahren, was dort besprochen wurde.

25. Februar: Anne bittet um Entschuldigung und beschreibt den Verlauf der Aktion in Dresden.

ab 27. Februar: Don Alphonso, konservativer Blogger, behauptet in mehreren Artikeln, Annes Darstellung der Ereignisse könne so nicht stimmen. Nachdem Michael Seemann diese Anschuldigung in einem langen Artikel seziert, löscht Don Alphonso einige Artikel und Passagen wieder.

02. März: Verschiedene Vorstände “einigen” sich auf eine gemeinsame Erklärung. Weil die aber mehreren weiteren Landesvorständen nicht reicht, hängen sie noch eine eigene Erklärung an und unterzeichnen sie im Namen der Landesverbände, Zitat:

Die bisherigen Reaktionen auf das Verhalten von einigen Mitgliedern der Piratenpartei in der Öffentlichkeit sind ungenügend. Wir fordern klare und sichtbare Maßnahmen gegen diese Mitglieder zu ergreifen, die gegen unsere Werte verstoßen haben.

03. März: Der Bundesvorstand beschließt mehrheitlich, Anne die Themenbeauftragung “Asyl & Migration” zu entziehen.

14. März: Die Piratenpartei wird zur Europawahl zugelassen, Anne Helm bleibt auf Platz 5 der Liste.

16. März: Mehrere Mitglieder des Bundesvorstands treten zurück, um den BuVo absichtlich handlungsunfähig zu machen, Unterstützer twittern #reclaimyournetzpartei

Fazit

Ich habe bestimmt einige Dinge vergessen, aber bislang sieht der Verlauf für mich so aus, dass hier ständig von einer Seite Öl ins Feuer gegossen wird, solange sich die Partei nicht so verhält wie von einigen Mitgliedern gewünscht. 

Man könnte das auch Nötigung nennen.

Danke, Berlin

Mir wurde angeboten, ein Grußwort von mir auf der an diesem Wochenende stattfindenden Mitgliederversammlung der Piraten des Berliner Landesverbandes zu verlesen.

Aber um ehrlich zu sein, liegt mir sowas nicht, darum mache ich es möglichst kurz: Ich habe am Montag den Bundesvorstand darum gebeten, vom LV Niedersachsen in den LV Berlin wechseln zu dürfen.

Ich war vom Umgang des niedersächsischen Landesverbands mit dem #Bombergate entsetzt. 

Nicht nur, dass man sich per (meines Erachtens überflüssigem) Statement eilfertig bemüht hatte, sich von Anne Helm so weit wie nur irgend möglich zu distanzieren, ohne auch nur ein Wort der Solidarität zu verlieren. 

Man hat sich noch dazu auf der LMV in Norden nicht entblödet, in nichtöffentlicher Sitzung stundenlang über einen Antrag zu diskutieren, der offenbar Ordnungsmaßnahmen gegen missliebige Mitglieder fremder Gliederungen empfahl.

Wenn es soweit schon gekommen ist, dass Mitgliederversammlungen zu geheimen Femegerichten umfunktioniert werden, ohne dass eine Mehrzahl der anwesenden Piraten lautstark dagegen aufbegehrt, will ich mit diesem Landesverband nichts mehr zu tun haben. Da stinkt der Fisch nicht vom Kopf her, da stinkt der ganze Fisch.

Warum Berlin?

Ich kann mich noch gut an den Landesparteitag 2010 in Osnabrück erinnern, der von einigen Berliner Piraten besucht wurde. Sie saßen direkt hinter mir und gingen mir mit ihrer Besserwisserei gewaltig auf den Sack. 

Heute muss ich zugeben, dass ich den Landesverband Berlin für den modernsten und visionärsten LV in der gesamten Piratenpartei halte.

Meinem Antrag wurde mittlerweile stattgegeben, und die Berliner haben mich herzlich bei sich aufgenommen. 

Dafür bedanke ich mich sehr und wünsche dem Berliner LV zunächst mal eine erfolgreiche Landesmitgliederversammlung an diesem Wochenende.

Dem neu gewählten niedersächsischen Landesvorstand wünsche ich gutes Gelingen und hoffe, dass ihr meinen alten LV zum Positiven verändern könnt. Aber in nächster Zeit gehen wir erstmal getrennte Wege.