Lars Reineke

Sachen gucken

Ich war in der vergangenen Woche krank zu Hause und hatte Gelegenheit, ein bisschen Fernsehen zu gucken.

Die Wannseekonferenz

Puh, harter Stoff. Auf der Wannseekonferenz am 20. Januar 1942 wurde der organisatorische Ablauf der Massenvernichtung der europäischen Juden besprochen und beschlossen. Der Holocaust war da bereits im Gange, hatte aber noch nicht dieses industrielle Ausmaß erreicht.

Der Fernsehfilm stellt die Konferenz anhand des damals gefertigten Protokolls nach, und danach ist man erstmal völlig fassungslos, mit welcher Kälte die Teilnehmer diesen ganzen Wahnsinn diskutieren, wie man eben ein logistisches Problem diskutiert: Wie lässt sich der Transport effizient organisieren, wie viele Kapazitäten haben die im Aufbau befindlichen Vernichtungslager, etc.

Unbedingt anschauen, “Die Wannseekonferenz” ist noch bis Ende Januar in der ZDF Mediathek verfügbar.

Made To Measure

Lässt sich eine Persönlichkeit komplett abbilden, indem man einfach nur deren Suchbegriffe bei Google zusammenfügt? In diesem Experiment wird der Lebensweg einer jungen Frau nachgezeichnet und Schlüsselszenen durch eine Schauspielerin nachgestellt, die von der darzustellenden Person nur das Suchprofil bei Google kennt. Sehr beeindruckend.

Es gibt einmal eine Version nur zum Anschauen in der rbb-Mediathek und eine etwas längere auf der Projektwebseite, die mit Interaktion funktioniert und hinterher eine Auswertung der eigenen Person anhand des Sehverhaltens zurück liefert.

Danach habe ich erstmal den Browser und die Standardsuchmaschine gewechselt. (Brave Browser und Brave Search)

The Billion Dollar Code

Diese Miniserie handelt von Terravision, einem Kunstprojekt, bei dem man bereits Anfang der 90er übergangslos auf jeden beliebigen Punkt der Erde zoomen konnte. Google wurde beschuldigt, den dafür verwendeten Algorithmus für Google Earth kopiert und damit das dafür erteilte Patent verletzt zu haben. Die Serie fasst mehrere am Projekt beteiligte Personen zu zwei Hauptcharakteren zusammen, ist sehr schön gemacht und vor allem für Zuschauer*innen wie mich interessant, die damals mit dabei waren, als das Internet irgendwann in den 90ern begann, in der Bevölkerung anzukommen. (“Bin ich schon drin?”)

Kann man sich aber auch gut einfach so zur Unterhaltung anschauen. Zu finden auf Netflix. Ein kurzes Making Of mit Interviews der Originalpersonen gibt es eben dort und ist auch ganz sehenswert.

The Redeem Team

Handelt von der US-amerikanischen Basketballmannschaft, die bei den Olympischen Spielen 2008 versucht, Gold zu holen, nachdem sie 4 Jahre zuvor eine herbe Niederlage einstecken mussten.

Ich stehe auf Basketball, darum hat’s mir gefallen, ist wahrscheinlich Voraussetzung. Ebenfalls bei Netflix.

Eat The Rich – The GameStop Saga

Die Doku beschreibt ein Ereignis, das sich Anfang 2021 abgespielt hat. Nachdem die Einzelhandelskette GameStop in der Zeit zuvor immer schlechtere Ergebnisse einfuhr, wurden Hedgefonds auf die Aktie aufmerksam und wetteten darauf, dass sie weiter fallen würde.

Wenn man sich eine ganz normale Aktie kauft und hofft, dass sie steigen wird, kann sie schlimmstenfalls auf Null fallen. Hedgefonds leihen sich jedoch Aktien und verkaufen sie weiter, in der Hoffnung, dass sie diese später zu einem niedrigen Preis zurückkaufen und zurückgeben können. (Das ist wahrscheinlich stark vereinfacht ausgedrückt.)

Hedgefonds machen also Gewinn dadurch, dass Unternehmen pleite gehen, Menschen arbeitslos werden und ihre Existenz verlieren. Das macht sie nicht sonderlich beliebt.

So kam es, dass sich in einem Reddit-Bereich Kleinanleger zusammen taten und wie blöde GameStop-Aktien gekauft haben, so dass deren Kurs immer weiter stieg und die Hedgefonds extreme Verluste einstecken mussten.

Die Miniserie auf Netflix ist ganz spaßig anzuschauen, allerdings für Nicht-Muttersprachler recht anstrengend, weil sehr schnell gesprochen und zugleich lauter englischsprachige (Text-)Screenshots eingeblendet werden. Und gleichzeitig deutsche Untertitel und englische Schlagzeilen zu lesen, fiel mir dann doch etwas schwer, so dass ich immer mal zurückspringen musste.

War aber dennoch ganz unterhaltsam.

Woran du merkst, dass du alt geworden bist

  • Du machst Geräusche beim Hinsetzen und Aufstehen.
  • Du brauchst mehr Zeit für deine Mundhygiene als für die Haare.
  • Du bist für Jugendliche völlig unsichtbar und könntest sie stundenlang unbemerkt beobachten – wenn das nicht so creepy wäre.
  • Du benutzt Wörter wie „creepy“.
  • Du hast in deinen Jackentaschen die Für-alle-Fälle-Kondome durch Für-alle-Fälle-Ibuprofen-Blister ersetzt.
  • Es gibt jemanden, den du „Mein Kardiologe“ nennst, und du beginnst Erzählungen damit.
  • Fußballspieler sind nicht mehr rumpelige Männer mit seltsamen Frisuren und Schnauzbart, sondern irgendwelche volltätowierte Bengel.
  • Du bist auf Konzerten nicht nur der Älteste, sondern auch doppelt so alt wie der Zweitälteste.
  • Dein Hausarzt hat eine Voice-Mailbox für Rezepte, deren Rufnummer du auswendig kennst.
  • Du nennst das immer noch „auf Band sprechen“.
  • Wenn du bei Netflix-Serien den Faden verlierst, „spulst du etwas zurück“. Das kommt immer häufiger vor.
  • Du hast eigentlich immer Schnaps da.

„Die Ärzte“ live in Minden

Wir waren in Minden auf dem Ärzte-Konzert. Ich bin nicht der allergrößte Ärzte-Fan, aber live habe ich die noch nie gesehen, und meine Frau wollte gerne hin.

Ich hatte als 14-jähriger „Das ist nicht die ganze Wahrheit“ auf Original-Kassette, meine Schwester hatte „Im Schatten der Ärzte“ auf Schallplatte, und viel mehr kannte ich damals von denen auch nicht näher.

Ihre Musik ist also eigentlich nicht so meins, die Haltung hingegen um so mehr. Ich mag deren Selbstironie, und wenn sie sich politisch äußern, kann ich das in aller Regel unterschreiben.

Umso ärgerlicher war die Anreise zum Konzertgelände. Nach Minden kommt man von uns aus nur sehr schlecht mit dem Zug, zurück schon mal gar nicht, also kamen wir (wie gefühlt alle anderen 40.000 Gäste auch) notgedrungen mit dem Auto und standen erstmal eine dreiviertel Stunde im Stau. Das gleiche wiederholte sich bei der Abreise. Warum der Veranstalter es nicht hinbekommt, einen Park-and-Ride-Service zu organisieren, anstatt alle 6000 Autos auf einen Parkplatz zu lotsen – man weiß es nicht. Was allein bei An- und Abreise für CO2 in die Luft geblasen wurde, will ich gar nicht wissen.

Das Konzert selbst war ganz ok. Die erste Vorband kannte ich nicht, wurde aber immerhin von Bela B. persönlich angesagt. Danach kamen New Model Army, die ich früher gerne gehört habe. Mein Freund S., der ebenfalls mit seiner Lebensgefährtin dabei war (die uns alle zusammen gefahren hat) meinte dazu: „Manchmal ist es vielleicht besser, sich an die Jugendzeit nur zu erinnern.“ Recht hat er.

Die Ärzte lieferten ihre anscheinend übliche Show ab, machten zwischendurch Witze, spielten viele Klassiker, die ich auch kannte und einiges vom neueren Material.

Was mir aber am meisten auffiel, war der Unterschied zwischen einem solchen Mainstream-Publikum und dem auf Metal- oder Hardcore-Konzerten. Kurz zusammengefasst: Je härter die Musik, desto rücksichtsvoller sind die Zuschauer*innen.

Hier stellten sich Leute direkt vor einen, obwohl sie damit wissentlich die Sicht anderer behinderten, drängelten sich beim Biertresen vor oder filmten minutenlang ganze Songs.

Von Metal-Konzerten kenne ich sowas nicht, zumindest nicht so gehäuft.

Und weil ich dann irgendwann durch die Menge ein letztes Mal aufs Dixi-Klo musste, habe ich mir noch ein Bier auf die Faust geholt, bin dann einfach etwas früher vom Gelände gegangen, und wir haben uns am Auto getroffen.

Alles in allem war‘s ein ganz gutes Konzert, aber zu solchen Mainstream-Massenveranstaltungen gehe ich so schnell nicht nochmal, da sind mir die kleinen Clubkonzerte mit ordentlich Geballer deutlich lieber.

Neue Hard- (und Soft-)ware

Ich habe mir eine Tastatur für mein iPad gekauft. Nicht, dass ich nicht täglich genügend Gelegenheiten hätte, vor einer Tastatur zu sitzen, aber genau darum geht es: Ich sitze jeden Arbeitstag vorm Rechner, und wenn dann private Mails eintrudeln, habe ich einfach nicht mehr die Energie, die an einem vollwertigen PC zu beantworten und dabei am Schreibtisch zu sitzen.

Sowas würde ich lieber im Freizeitmodus machen, sprich: Auf dem Fernsehsessel lungernd, mit ´ner Katze zwischen den Füßen. Dafür ist das iPad ideal, allerdings kann ich auf der virtuellen Tastatur nicht besonders gut längere Texte schreiben. (Auf dem iPhone schon mal gar nicht.)

Und diese Lücke füllt die Tastatur fürs iPad. Ich habe die günstigere von Logitech gewählt, das Original von Apple war mir viel zu teuer. Mit der Haptik komme ich erstaunlich gut zurecht, bedenkt man, dass ich normalerweise an einer IBM Model M sitze.

Jetzt macht auch der iA Writer Sinn, den ich für Windows lange benutze, der fürs iPad aber immer noch 49,99 € kostet, eine Ausgabe, die ich bisher gescheut habe. Wenn ich mir das schönrechne, kann ich einfach behaupten, ich hätte für Tastatur + iA Writer weniger bezahlt, als ich für eine Original-Apple-Tastatur ausgegeben hätte.

Und weil der iA Writer seit kurzem direkt Entwürfe in WordPress speichern kann, ist das (mal wieder) eine gute Gelegenheit, mein Blog zu reaktivieren.

So sei es.

18. April 2022 – abends

Am Mittwoch bin ich zum ersten Mal in diesem Jahr aufs Rennrad gestiegen und habe meine 25km-Feierabendrunde gedreht.

Mein Fitnesslevel bewegt sich derzeit zwar auf “Ich passe gerade noch in die Fahrradhose”-Niveau, aber das wird schon, mein Schnitt lag bei ca. 23 km/h, und auch vom Puls war’s soweit ok.


Am Freitag haben wir nach zweijähriger Coronapause endlich mal wieder Freunde zu unserem traditionellen Karfreitagsgrillen eingeladen.

Schön war’s, allerdings ist mir aufgefallen, wie schwer es mir fällt, den Worten meines Gesprächspartners zuzuhören, wenn zeitgleich am Tisch zwei weitere Unterhaltungen stattfinden. In der Kneipe ist mir das relativ egal, mit den anderen am Tresen habe ich meist nicht viel zu tun, aber am eigenen Esstisch kenne ich alle, und vielleicht unterhält man sich nebenan ja über Dinge, die mich auch interessieren. Schließlich hat man sich eine Weile nicht gesehen, und da will ich natürlich nichts verpassen.

Also wechselt meine Aufmerksamkeit ständig von einem Redner zum nächsten, und selbst möchte ich vielleicht auch mal was sagen, das will ja ebenfalls überlegt sein.

Kann sein, dass ich das einfach wieder üben muss. Aber egal, schön war’s trotzdem.


Am nächsten Tag waren wir nach dem Frühstück beim Oster-Friedensmarsch, an dem mir besonders gefallen hat, dass da zwar alle dasselbe Ziel “Frieden” verfolgten, aber durchaus hörbar war, dass es unterschiedliche Ansichten gab und gibt, wie dieses Ziel zu erreichen sei.

So waren erwartungsgemäß Teilnehmer*innen vor Ort, die sich komplett dem Pazifismus verschrieben haben. Es gab aber auch viele, die – so wie ich auch – die Meinung vertraten, dass man der Ukraine nicht nur mit warmen Worten beistehen muss, sondern dass man ihr auch die Möglichkeit geben muss, sich gegen die ja ohnehin schon ausgeübte Waffengewalt zu verteidigen.

Der Versuch des örtlichen Querdenker-Vorturners, die Veranstaltung für sich zu vereinnahmen, wurde mit Hilfe der Polizei sowie deutlicher Gegenrede recht effektiv unterbunden, und mehr muss man zu dieser Person auch nicht sagen.

Nachmittags bin ich dann nochmal rauf aufs Rennrad, diesmal weseraufwärts Richtung Emmerthal. Die Strecke ist etwas kürzer, dafür hatte ich aber auch ganz gut Gegenwind.


Am Sonntag haben wir dann eine Familienradtour gemacht. Wir haben den ganzen Proviant und was noch so mitmusste in mein Lastenrad gepackt, und wieder ging’s Richtung Emmerthal und darüber hinaus. Zwischendurch haben wir immer mal eine Pause (in erster Linie fürs Kind) eingelegt und gepicknickt.

Dabei habe ich allerdings offenbar aufgrund der doch noch recht niedrigen Lufttemperatur die UV-Strahlung unterschätzt und mir an dem Tag ordentlich das Gesicht verbrannt, so dass ich dann Abends reichlich kühlende Creme drauf schmieren musste.

Für den Abend war ich mit Markus zum Homekneiping verabredet, das letzte war auch schon wieder eine ganze Weile her, und wir hatten uns einiges zu erzählen. Mein Jitsi-Server zickte etwas rum, so dass wir auf einen öffentlichen ausweichen mussten. Ich hatte dann bereits überlegt, ob ich den eigenen Server erstmal einstampfe, aber morgens lief wieder alles.


Am Ostermontag haben wir eine Weserrundfahrt gemacht. Naja, hoch und wieder runter ist jetzt nicht unbedingt “rund”, aber das Prinzip sollte klar sein.

Und so bin ich den dritten Tag in Folge nach Emmerthal gefahren, diesmal auf einem Schiff der “Flotte Weser”. Einfach nur rumsitzen, gucken, mal ein Bier bestellen und dann wieder gucken.

Eigentlich kenne ich ja schon nahezu jeden Stein an der Weser, aber vom Schiff aus sieht man ihn dann wieder von der anderen Seite, und das ist genau die richtige Balance zwischen Langeweile und Attraktion, dass sich diese zwei Stunden fast wie Urlaub angefühlt haben.

Nächste Seite »