Too old for online gaming, too young to die

Nach dem weißnichtmehrwievielten Anlauf habe ich jetzt endlich mal die Story von Red Dead Redemption 2 durchgespielt.

Ich hatte RDR2 schon auf der XBox One und habe das auch bis zur Mitte von Kapitel 3 („Clemens Point“) gespielt, aber dann kam Frühling und Sommer, und irgendwie hatte ich besseres zu tun.

Jetzt also noch ein Anlauf auf dem PC.

Ich habe nie den Anspruch, in Spielen wirklich jede Sidequest zu absolvieren, wollte aber auch nicht durch die Story hetzen, das wäre dem Spiel gegenüber nicht angemessen. Daher habe ich meistens die weißen Markierungen (Sidequest) gespielt, bis erstmal keine mehr übrig war, um mich dann mal wieder an eine gelbe Markierung (Story) zu begeben. Wenn unterwegs durch Zufall eine Begegnung mit NPCs stattfand, habe ich die jeweilige Sidequest auch verfolgt. Aber eben nicht alle, ich wollte ja auch mal fertig werden.

Was mit Arthur Morgan passieren würde, wusste ich bereits, das lässt sich ja kaum vermeiden, wenn man auch nur manchmal auf YouTube unterwegs ist.

Ich hatte erst 75% des gesamten Spiels erschlossen, aber nachdem ich nun alle Storymissionen erledigt hatte und der halbstündige Abspann vorbei war, sank meine Motivation, noch weiter in der Spielwelt herumzureiten, schlagartig auf Null.

Ich kann also mit ziemlicher Sicherheit für mich feststellen, dass für mich an einem Computerspiel die Story den allergrößten Anreiz bildet, es zu spielen. Keine Story – kein Interesse.

Was mich zum nächsten Spiel bringt, das ich in letzter Zeit ausprobiert habe, einfach, weil es in aller Munde war: Arc Raiders.

Bevor ich lange aushole und versuche, die Faszination zu beschreiben, die das Spiel auf viele ausübt, verweise ich gerne auf Steffen, der das in seinem Blog kaffeeringe.de schon ganz wunderbar gemacht hat.

Tatsächlich war sein Artikel einer der Gründe, mich doch mal mit Online-Gaming zu beschäftigen, ein Genre, das ich bisher eher gemieden habe. Irgendwie hatte sich in meinem Hinterkopf dieses Bild von pubertierenden Teenies festgesetzt, die sich gegenseitig über den Haufen ballern und dabei mit ihren brüchigen Stimmchen in ihr Headset brüllen, dass sie des anderen Mutter penetrieren.

Arc Raiders sollte anders sein, hieß es.

Ich kaufte das Spiel also, spielte ein paar Runden, aber ach, ich werde mit dieser Art von Spielen einfach nicht warm. Es besteht immer die Möglichkeit, in dieser Runde erschossen zu werden (und sei es von den ziemlich fiesen KI-Gegnern), und das alles ist mir einfach zu aufregend.

Eine nennenswerte Story bietet ein Online-Extraction-Shooter logischerweise auch nicht, außer „Repariere mal so eine Antenne, ist wichtig“ kommt da natürlich nicht viel, immerhin ist man ja mit lauter anderen Spielern an der Oberfläche.

Ich will Arc Raiders gar nicht schlechtreden, das ist wirklich gut gemacht, und auch ich hatte bereits Erlebnisse, bei denen ich im Kampf gegen die Maschinen anderen helfen konnte, die sich hinterher bei mir bedankten.

Aber ich bin nach jeder Runde so aufgeregt, dass ich erstmal eine Weile Pause machen muss. Ich verstehe gar nicht, wie andere das über Stunden Runde um Runde aushalten. Vielleicht fehlt mir da auch einfach der kompetitive Ansatz, denn ich habe gar nicht den Anspruch, diese ganzen Bewegungsabläufe zu trainieren, um besser zu werden. Mich stresst das eher.

Stress aber habe ich im Alltag schon genug, ich spiele, um mich zu entspannen.

Jetzt muss ich mal schauen, welches Spiel ich als nächstes angehe, ich habe ja noch einen ganzen Stapel davon in meiner Steam-Bibliothek.

Der erste Teil von Red Dead Redemption wird’s wohl nicht werden, den habe ich nochmal angespielt, aber der ist mir im Vergleich zum Vorgänger dann doch etwas zu altbacken.

Ich habe blöderweise die Angewohnheit, irgendwann mal angespielte Titel nicht fortzusetzen, sondern von vorne zu beginnen, weil ich mir weder die kurz angerissene Story noch die Button- bzw. Tastenbelegungen merke. Ghost of Tsushima hatte ich ja auch angespielt, aber das war mir dann auch zu repetitiv, man reitet irgendwo hin, da sind dann Gegner, dann drückt man alle Buttons, die der Controller hat, in beliebiger Reihenfolge, und wenn alle tot sind, reitet man weiter. Sieht schön aus, aber: Meh.

Egal, irgendwas werde ich schon finden. Tipps werden gerne entgegengenommen.

Seit wann ist da ein Schalter?

Nachdem ich nun auf meinem Desktop Windows komplett deinstalliert habe, wollte ich nochmal versuchen, meinen Dokumentenscanner, einen Fujitsu ScanSnap iX500 unter Linux zum Laufen zu kriegen.

Der wurde zwar vom System immer erkannt, nur ansteuern ließ er sich nicht.

Also habe ich mal Perplexity auf das Problem angesetzt.

Das war sich sehr sicher (und hatte auch Quellen dafür), dass der Scanner problemlos unter Linux unterstützt würde. Nun denn.

Mit „scanimage -L“ und „sane-find-scanner“ konnte ich zumindest noch mal verifizieren, dass der Scanner erkannt wird.

Perplexity hat mich dann Schritt für Schritt der Lösung näher gebracht. Welche Fehlermeldungen werden ausgegeben? Welche USB-Rechte hat der User? Funktioniert es als root? (Spoiler: Nein)

Dann nochmal „scanimage“ mit anderen Parametern, was kommt dabei heraus? Bitte mal Versionen vergleichen. Jetzt nochmal mit DEBUG-Switch. Jetzt bitte mal die letzten 20 Zeilen der Ausgabe posten.

Das habe ich alles artig gemacht. (Natürlich habe ich mir die Parameter vorher angesehen, ob die auch nichts kaputtmachen, ich bin ja nicht blöd.)

Und dann:

„Der Log zeigt klar, warum der Scan scheitert: Das fujitsu‑Backend bekommt vom iX500 einen „Medium error: WiFi control error“ gemeldet und bricht deshalb mit „Error during device I/O“ ab.

In der ScanSnap‑Konfiguration das WLAN abschalten bzw. auf „nur USB“ stellen; es gibt laut Hersteller eine eigene Wi‑Fi‑Setup/Reset‑Funktion dafür. [Link]“

Ich bin also dem Link gefolgt. In der Doku von Fujitsu steht zur WLAN-Einrichtung:

„… the Wi-Fi switch at the back of ScanSnap.“

Äh, was? Da ist ein Schalter? Seit wann das denn?

Tatsächlich. Da ist ein Schalter. Auf der Rückseite vom Scanner.

Wi-Fi-Schalter mit zwei Zuständen: OFF und ON, der Schalter steht auf ON

Wi-Fi ausgeschaltet, und siehe da:

Der Scanner funktioniert auch unter Linux.

 

Spotify-Kunde, zähneknirschend

Ich habe in den vergangenen Wochen (wieder einmal) verschiedene Musik-Streamingdienste ausprobiert und bin letzten Endes doch wieder bei Spotify gelandet.

Grundsätzlich verstehe ich ja die Kritikpunkte an Spotify, als da wären:

  • die mangelhafte Vergütung der Künstler
  • die Investitionsaktivitäten des CEOs
  • die KI-generierten, nicht als solche gekennzeichneten Stücke im Katalog
  • die Gebührenerhöhung
  • die Werbung für faschistoide US-Behörden

Vielleicht habe ich auch noch was vergessen. Bevor wir aber die Punkte mal der Reihe nach durchgehen, will ich allerdings auch die positiven Merkmale aufführen, die für mich so schwerwiegend sind, dass ich mich zum Schluss vorerst doch wieder für Spotify entschieden habe:

  • deutlich besserer Empfehlungsalgorithmus
  • bessere Benutzeroberfläche
  • nativer Linux-Client
  • Gewohnheit

Positives

(+) Empfehlungsalgorithmus

Spotify schlägt mir, im Gegensatz zu anderen Diensten, selten Musik vor, mit der ich nichts anfangen kann, denn ich höre wahrscheinlich eher nischige Sachen. Gerade Dienste, die auf kuratierte Genre-Listen setzen wie Qobuz oder Apple Music, liegen bei mir einfach ständig daneben. Ja, ich höre (viel) Metal, aber nein, ich will weder Metallica, noch Slipknot geschweige denn Rammstein hören. Diese Mainstream-Bands interessieren mich einfach nicht. Tidal hingegen schlägt mir dauernd HipHop vor, die einzigen, die neben Spotify noch einigermaßen richtig liegen, sind Deezer.

Bei Spotify bekomme ich immer wieder auch mal sehr kleine, relativ unbekannte Bands vorgeschlagen, von denen manche mittlerweile zu meinen Lieblingsbands gehören. Russian Circles, Urne oder Wheel hätte ich wahrscheinlich ohne Spotify nie entdeckt. Das habe ich mit dieser Trefferquote bei keinem anderen Dienst bisher erlebt.

(+) Benutzeroberfläche

Bei Spotify kann ich durch meine gespeicherten Alben von Anfang bis Ende durchscrollen, ohne dass zwischendurch wieder ein Schwung nachgeladen werden muss. Das ist mir tatsächlich relativ wichtig, weil ich so einfach nach „Zuletzt gehört“ sortieren kann, um dann zum Beispiel ins untere Drittel zu scrollen und mal wieder ein Album hören kann, das ich länger nicht mehr gehört habe.

Insgesamt ist die Oberfläche für meine Begriffe deutlich responsiver und vor allem intuitiver bedienbar.

(+) Linux-Client

Ich höre gerne Musik, während ich an meinem privaten PC sitze, und der läuft nunmal mittlerweile unter Linux. Wenn ich zu Hause am Schreibtisch sitze, will ich nicht per App meine Musik starten müssen.

Wobei die PWAs bei den meisten Diensten auch ganz ok sind. Außer bei Qobuz, da lief irgendwie nichts so richtig rund.

Aber nur Spotify hat – soweit ich weiß- momentan einen eigenen, vollwertigen Linux-Client. Es gibt (inoffizielle) Ansätze für Deezer, aber die können kaum mehr als die PWA oder haben andere Unzulänglichkeiten.

(+) Gewohnheit

Der Rest der Familie benutzt ebenfalls Spotify, und ratet, wer dann dafür zuständig wäre, alle Playlisten und Favoriten auf einen anderen Dienst zu übertragen? Ja, dafür gibt es Hilfsmittel, aber dann muss ich wieder mit neuen Konten herumjonglieren, und eigentlich bin ich ganz froh, wenn ich in meiner Freizeit nicht auch noch dauernd Systemadmin spielen oder Überzeugungsarbeit leisten muss.

Negatives

(-) Mangelhafte Künstlervergütung

Andere Anbieter zahlen pro 1000 Streams mehr an die Künstler*innen aus, weiß ich, aber: Spotify hat mir schon wirklich viele, mir vorher unbekannte Künstler vorgeschlagen, die dadurch auf andere Weise von mir Geld bekommen haben.

Ich gehe häufig auf Live-Konzerte, ich kaufe dort und online Merch, ich bestelle Alben auf Vinyl, und ich kaufe gelegentlich auch Digitalalben über Bandcamp.

Im Schnitt gebe ich im Monat nochmal deutlich mehr für Musik aus, als ich für Spotify bezahle, und das sehr oft, weil ich überhaupt erst durch Spotify in Kontakt mit diesen Bands gekommen bin.

Und mal ehrlich: Das Lamento, dass die Künstler von den verkauften Tonträgern kaum etwas abbekommen, höre ich mir schon seit Erfindung der CD an.

Ich spiele selber auch in einer Band, ich verdiene damit nichts, sondern mache das, weil ich Bock drauf habe, live vor Leuten zu spielen und einen schönen Abend zu haben. Wenn es dir als Künstler keinen Spaß mehr macht, weil am Ende des Monats nicht die Kasse klingelt, mach halt was anderes.

(-) Der CEO investiert in ein Rüstungsunternehmen…

…, das in Deutschland sitzt und dessen Produkt die Verteidigung der Ukraine unterstützt. Damit kann ich leben.

(-) KI-generierte Stücke im Katalog ohne Kennzeichnung

Finde ich nicht gut, betrifft mich aber nicht. Ich habe es anderswo schon mal geschrieben:

„Wenn Spotify es schafft, Dir KI-generierte Musikstücke unterzujubeln, ohne dass Du es merkst, ist vielleicht nicht nur Dein Streaminganbieter, sondern auch Dein Musikgeschmack fragwürdig.“

Ich höre noch dazu praktisch niemals irgendwelche fremden Playlists, sondern nur komplette Alben von real existierenden Bands.

(-) Gebührenerhöhung

Ja, doof, alles wird teurer. Deezer wäre qualitativ (also vom Gesamtfunktionsumfang mit Empfehlungen und allem) gleichauf, ist aber im Familienabo noch teurer als Spotify.

Ginge es mir nur um den Preis, müsste ich zu YouTube- oder Amazon-Music wechseln, weil ich da eh schon zahlender Kunde bin. Aber das fühlt sich auch alles irgendwie falsch an, das wäre zumindest kein ethischer Gewinn.

(–) Werbung für ICE

Das ist richtig Kacke, zugegeben. Und das ärgert mich auch.

Die Post-Rock Band „Godspeed You! Black Emperor“ hat daraufhin ihren gesamten Katalog von Spotify zurückgezogen. Allerdings auch von allen anderen Streamingplattformen, vielleicht hatten sie das eh schon vor, und das war nur der Tropfen, der bei denen das Fass zum Überlaufen brachte. Ich habe mir dann vier Alben von ihnen bei Bandcamp nachgekauft.

Vielleicht müssten ein paar größere Acts nachziehen, damit es Spotify wehtut.

Fazit

Ich hätte gerne einen besseren, ethisch weniger fragwürdigen Musikstreamingdienst mit (für mich) gleicher Leistung zu ähnlichem Preis.

Den habe ich aber noch nicht gefunden. Ich bleibe auf der Suche. Aber für mich und mein Musikkonsumverhalten wäre der Verlust bei einem Weggang von Spotify zum jetzigen Zeitpunkt zu groß.

Und so bleibe ich vorerst Spotify-Kunde, zähneknirschend.

Auf Dienstreise

Die S5 nach Hannover ist nicht beheizt, und ich friere mir den Arsch ab, während ich online an unserem wöchentlichen Team-Meeting teilnehme.


Der ICE nach Berlin ist um eine halbe Stunde verspätet, so dass ich ca. 50 Minuten auf dem Bahnhof in Hannover herumlungern muss. Ich bestelle bei einem der Snackläden einen kleinen Kaffee und möchte mit Karte bezahlen, woraufhin der Verkäufer auf ein 1-2 Meter weiter platziertes Kartenterminal verweist, das neben einer digitalen Werbetafel befestigt ist.

Auf dem Kartenterminal tut sich nichts. Nach einer Weile schaue ich den Verkäufer fragend an. Es stellt sich heraus, dass die vermeintliche Werbetafel gar keine Werbetafel ist, sondern ein Bestellterminal mit Touch-Display. Ich soll also noch einmal schriftlich bestellen. Ich tue dem Verkäufer den Gefallen und werde vom Display durch den Bezahlprozess geleitet. Wie praktisch. Gut, er hätte auch einfach einen Betrag in die Kasse tippen können, den ich dann per Karte entrichte, denn bestellt hatte ich ja schon.

Bei McDonald’s verstehe ich das Prinzip ja, dass man an einem Terminal seine Bestellung aufgibt und irgendwo abholt. Aber an einem Kaffeetresen, bei dem der Ausführende direkt hinter dem Terminal steht, ist das schon albern.


Der ICE hat eine andere Wagennummerierung und ich lasse mir von einem Herren in Bahnuniform nochmal bestätigen, dass damit die Platzreservierung hinfällig ist. „Es sei denn, Sie haben eine Mail bekommen.“

Ich schaue in meine Mailbox: Tatsächlich, meine Reservierung wurde auf einen anderen Wagen umgebucht, gut, dass ich nochmal gefragt hatte.

Aber so voll ist der Zug ohnehin nicht.


Neben mir im Zug sitzt ein junger Mann, der auf seinem Macbook eine Präsentation schnitzt. Dazu nimmt er fancy designte Standardfolien und füllt sie mit Allgemeinplätzen, die ihm ChatGPT auswirft. Die ganze Präsentation strotzt nur so vor Phrasen. Es geht um „nachhaltigen Success“, „Customer Empowerment“ und „data-driven Leverage im Business Workflow“. Was er da konkret präsentiert, bleibt mir verborgen, aber das weiß er vermutlich selber nicht so genau. Mir tun nur die Leute leid, die sich das dann hinterher anhören müssen.


Ein paar Reihen weiter sitzt mir schräg gegenüber eine Frau, die etwas jünger als ich zu sein scheint und die alles daran setzt, als „alternativ“ wahrgenommen zu werden. Ihre Frisur ist rundum kurz, an den Seiten und hinten ausrasiert und sieht aus, als hätte sie der Person, die ihr die Haare schneidet, als Vorlage ein Bild von Cletus Spuckler gegeben.


Beim Einchecken im Hotel werde ich gefragt, ob ich ein Zimmer mit Dusche oder eins mit Badewanne haben möchte. Anscheinend bin ich jetzt in dem Alter, wo man sowas gefragt wird. Ich entscheide mich für die Dusche.


Berlin ist ja nun wirklich keine besonders schöne Stadt, aber Marzahn im November ist nochmal eine Klasse für sich.

In der Straßenbahn gibt es alle Viertelstunde eine Durchsage: „Berlin ist hart aber herzlich. Bitte gehen Sie respektvoll miteinander um.“ Die Berliner werden wissen, warum es solche Ansagen braucht. Wahrscheinlich gehen die Fahrgäste sonst mit Knüppeln aufeinander los.


Auf der Rückfahrt müssen in Hannover alle Mitreisenden in den ICE auf dem gegenüberliegenden Gleis wechseln, weil unserer defekt ist – es gebe im gesamten Zug nur noch 3 funktionierende Toiletten. Da ich in Hannover ohnehin umsteigen muss, stört mich das nicht weiter.

Da wir aber zudem etwas Verspätung haben, schaffe ich es nicht mehr aufs Bahnhofsklo, bevor ich in die S-Bahn Richtung Heimat einsteige.


Die S-Bahn nach Hameln hält nach ein paar Stationen an und fährt nicht mehr weiter. Warum, wird nicht verraten. Es steigt eine Grundschulklasse ein, die so laut ist, dass ich trotz Noise Canceling den Podcast ausschalten muss. In diesem Zug wiederum sind alle Toiletten außer Betrieb. Es werden erst 5, dann 10, dann 25 und schließlich 35 Minuten Verspätung angezeigt. Ich erreiche dennoch rechtzeitig den Schulbus zu mir nach Hause. Die Schüler*innen sind zahlreich, machen aber zum Glück nicht sonderlich Lärm.

Ich bin trotzdem froh, wieder zu Hause zu sein.

Warum ich auf der Autobahn 110 km/h fahre

Heute habe ich auf Instagram ein kurzes Video gesehen, das Jens Scholz geteilt hat. Darin erklärt jemand auf einer Bühne, warum es bei hohen Geschwindigkeiten keinen Zeitvorteil mehr bringt, wenn man noch schneller fährt.

Weil ich dieses Reel (wie so oft) nicht wiederfinde und sich viele bereits von Instagram verabschiedet haben, habe ich die Rechnung einfach nochmal zum In-Ruhe-Nachvollziehen aufgestellt.

Nehmen wir mal an, wir wollen mit dem Auto etwa 200 km am Stück fahren. Das ist aus folgenden Gründen für mich eine absolut realistische Strecke.

Mein Auto, ein vollelektrischer Opel Corsa e, hat eine Reichweite von ca. 350 km, also wenn man ihn von 100% Ladung auf 0% herunterfahren würde. Das macht aber niemand.

Auf 100% lädt man möglichst nicht, um den Akku zu schonen, und auf 0% fährt niemand ein E-Auto herunter, weil man es dann abschleppen müsste.1

Meine Wallbox (bzw. der HomeAssistant) beendet die Ladung des Akkus bei ca. 85%, was einer Reichweite von 297,5 km entspricht, und ich habe meine Navi-App so eingestellt, dass sie mir spätestens bei 25% Restladung einen Ladestopp empfiehlt, womit ich noch ca. 87,5 km weiterfahren könnte. Beides voneinander abgezogen  komme ich auf maximal ca. 210 km, die ich am Stück von Ladesäule zu Ladesäule fahre. Der Einfachheit halber gehen wir mal von 200 km aus.

Und jetzt die Rechnung. So viele Minuten braucht man für diese Strecke bei folgenden Durchschnittsgeschwindigkeiten:

100 km/h ist mir auf der Autobahn zu langsam, dann müsste ich ständig zwischen rechter und mittlerer Spur wechseln, weil ich zu schnell für LKW bin, aber zu langsam für den nachfolgenden Verkehr auf der Mittelspur. Außerdem: Irgendeinen Vorteil muss es ja haben, wenn ich schon Autobahn und nicht Bundesstraße fahre.

110 km/h ist also bei meiner Fahrweise etwa der Sweetspot.

Würde ich 120 fahren, käme ich gerade mal 9 Minuten früher an, würde aber deutlich mehr verbrauchen, so dass ich gezwungen wäre, früher an die Ladesäule zu fahren. Bei 150 km/h ist bei meinem Auto eh Feierabend, dann wird abgeregelt, schneller geht es nur noch im freien Fall.

Was man aber deutlich sieht: Die Zeitvorteile werden um jede zusätzliche 10 km/h immer geringer, je höher die bereits erreichte Geschwindigkeit ist.

Um zum Beispiel die gerade genannten 9 Minuten Zeitvorteil herauszuholen, wenn ich bereits 150 km/h fahre (80 Minuten), müsste ich dann schon 170 km/h (also 20 km/h schneller) fahren, um auf 71 Minuten zu kommen.

Und das alles zum Preis von massiv höherem Verbrauch und deutlich höherem Unfallrisiko, hinzu kommt der Stress, den man sich selbst macht und die daraus resultierende Müdigkeit am Ende der Fahrt.

Hier das Ganze nochmal als Diagramm:

Auch hier wird nochmal schön deutlich, dass der Verlauf des Zeitvorteils pro 10 km/h höherer Durchschnittsgeschwindigkeit immer flacher wird.

Und darum stelle ich meist nach einigen Kilometern Autobahn den Tempomaten auf 110 km/h und lasse ihn dort.

  1. Im Gegensatz zu einem E-Bike bzw. Pedelec, mit dem man auch mit leerem Akku weiterfahren kann, weshalb ich diese Reichweitenvergleiche bei Fahrrädern erst recht nicht verstehe. Aber das ist ein anderes Thema. []