Lars Reineke

Bücher

Irgendwie habe ich mal wieder Lust, zu bloggen, und die zuletzt gelesenen Bücher gehen ja immer, wenn einem sonst kein zündendes Thema einfallen will.

Mit Erschrecken musste ich allerdings feststellen, dass ich deutlich weniger als sonst üblich gelesen habe, was vielleicht an verschiedenen anderen Tätigkeiten lag, denen ich mich zuletzt gewidmet habe.

Aber eins nach dem anderen.

“Bergland” von Jarka Kubsova

Die Geschichte eines in den österreichischen Alpen gelegenen Bauernhofes, erzählt in unterschiedlichen Zeitebenen. An einigen Stellen sehr traurig, alles in allem aber doch ganz versöhnlich. Hat mir ganz gut gefallen.

“Verbrannte Wörter: Wo wir noch reden wie die Nazis – und wo nicht” von Matthias Heine

Bei manchen Begriffen war ich durchaus überrascht, dass sie gar nicht aus der Nazizeit stammen, von mir aber immer dort verortet wurden.

“Babel-17” von Samuel R. Delany

Das Buch handelt von einer Sprache, die das Denken verändert, sobald man sie spricht. Hat mich leider nicht sonderlich beeindruckt.

“Ein Sommer in Niendorf” von Heinz Strunk

Puh. Auf Strunk lasse ich ja normalerweise nichts kommen, aber das hier ist eines seiner schwächeren Bücher. Vielleicht auch Geschmackssache, aber dieser Roman wirkte auf mich eher uninspiriert.

“An Occurrence at Owl Creek Bridge” von Ambrose Bierce

Eine Kurzgeschichte, die wir damals im Englischunterricht gelesen haben und die mir irgendwie wieder vor die Nase kam. Auch heute noch sehr beeindruckend.

“Das große Spiel (Ender’s Game)” von Orson Scott Card

Das Buch hätte man vermutlich auch auf zwei Drittel der Seiten zusammenkürzen können, und insbesondere der Locke-und-Demosthenes-Teil war mir dann doch zu unglaubwürdig. Ich hatte den Eindruck, dass der Autor sich nicht zwischen Gesellschaftskritik und Military Science Fiction entscheiden konnte. Nichtsdestotrotz ganz unterhaltsam.

Unbrave

Vom u.a. Brave-Browser und deren Suchmaschine bin ich wieder abgerückt.

Der Browser ist zugegebenermaßen sehr schnell, aber dieser ganze Kryptowährungsquatsch, der da drin verbacken ist, geht mir fürchterlich auf die Nerven.

Sachen gucken

Ich war in der vergangenen Woche krank zu Hause und hatte Gelegenheit, ein bisschen Fernsehen zu gucken.

Die Wannseekonferenz

Puh, harter Stoff. Auf der Wannseekonferenz am 20. Januar 1942 wurde der organisatorische Ablauf der Massenvernichtung der europäischen Juden besprochen und beschlossen. Der Holocaust war da bereits im Gange, hatte aber noch nicht dieses industrielle Ausmaß erreicht.

Der Fernsehfilm stellt die Konferenz anhand des damals gefertigten Protokolls nach, und danach ist man erstmal völlig fassungslos, mit welcher Kälte die Teilnehmer diesen ganzen Wahnsinn diskutieren, wie man eben ein logistisches Problem diskutiert: Wie lässt sich der Transport effizient organisieren, wie viele Kapazitäten haben die im Aufbau befindlichen Vernichtungslager, etc.

Unbedingt anschauen, “Die Wannseekonferenz” ist noch bis Ende Januar in der ZDF Mediathek verfügbar.

Made To Measure

Lässt sich eine Persönlichkeit komplett abbilden, indem man einfach nur deren Suchbegriffe bei Google zusammenfügt? In diesem Experiment wird der Lebensweg einer jungen Frau nachgezeichnet und Schlüsselszenen durch eine Schauspielerin nachgestellt, die von der darzustellenden Person nur das Suchprofil bei Google kennt. Sehr beeindruckend.

Es gibt einmal eine Version nur zum Anschauen in der rbb-Mediathek und eine etwas längere auf der Projektwebseite, die mit Interaktion funktioniert und hinterher eine Auswertung der eigenen Person anhand des Sehverhaltens zurück liefert.

Danach habe ich erstmal den Browser und die Standardsuchmaschine gewechselt. (Brave Browser und Brave Search)

The Billion Dollar Code

Diese Miniserie handelt von Terravision, einem Kunstprojekt, bei dem man bereits Anfang der 90er übergangslos auf jeden beliebigen Punkt der Erde zoomen konnte. Google wurde beschuldigt, den dafür verwendeten Algorithmus für Google Earth kopiert und damit das dafür erteilte Patent verletzt zu haben. Die Serie fasst mehrere am Projekt beteiligte Personen zu zwei Hauptcharakteren zusammen, ist sehr schön gemacht und vor allem für Zuschauer*innen wie mich interessant, die damals mit dabei waren, als das Internet irgendwann in den 90ern begann, in der Bevölkerung anzukommen. (“Bin ich schon drin?”)

Kann man sich aber auch gut einfach so zur Unterhaltung anschauen. Zu finden auf Netflix. Ein kurzes Making Of mit Interviews der Originalpersonen gibt es eben dort und ist auch ganz sehenswert.

The Redeem Team

Handelt von der US-amerikanischen Basketballmannschaft, die bei den Olympischen Spielen 2008 versucht, Gold zu holen, nachdem sie 4 Jahre zuvor eine herbe Niederlage einstecken mussten.

Ich stehe auf Basketball, darum hat’s mir gefallen, ist wahrscheinlich Voraussetzung. Ebenfalls bei Netflix.

Eat The Rich – The GameStop Saga

Die Doku beschreibt ein Ereignis, das sich Anfang 2021 abgespielt hat. Nachdem die Einzelhandelskette GameStop in der Zeit zuvor immer schlechtere Ergebnisse einfuhr, wurden Hedgefonds auf die Aktie aufmerksam und wetteten darauf, dass sie weiter fallen würde.

Wenn man sich eine ganz normale Aktie kauft und hofft, dass sie steigen wird, kann sie schlimmstenfalls auf Null fallen. Hedgefonds leihen sich jedoch Aktien und verkaufen sie weiter, in der Hoffnung, dass sie diese später zu einem niedrigen Preis zurückkaufen und zurückgeben können. (Das ist wahrscheinlich stark vereinfacht ausgedrückt.)

Hedgefonds machen also Gewinn dadurch, dass Unternehmen pleite gehen, Menschen arbeitslos werden und ihre Existenz verlieren. Das macht sie nicht sonderlich beliebt.

So kam es, dass sich in einem Reddit-Bereich Kleinanleger zusammen taten und wie blöde GameStop-Aktien gekauft haben, so dass deren Kurs immer weiter stieg und die Hedgefonds extreme Verluste einstecken mussten.

Die Miniserie auf Netflix ist ganz spaßig anzuschauen, allerdings für Nicht-Muttersprachler recht anstrengend, weil sehr schnell gesprochen und zugleich lauter englischsprachige (Text-)Screenshots eingeblendet werden. Und gleichzeitig deutsche Untertitel und englische Schlagzeilen zu lesen, fiel mir dann doch etwas schwer, so dass ich immer mal zurückspringen musste.

War aber dennoch ganz unterhaltsam.

Woran du merkst, dass du alt geworden bist

  • Du machst Geräusche beim Hinsetzen und Aufstehen.
  • Du brauchst mehr Zeit für deine Mundhygiene als für die Haare.
  • Du bist für Jugendliche völlig unsichtbar und könntest sie stundenlang unbemerkt beobachten – wenn das nicht so creepy wäre.
  • Du benutzt Wörter wie „creepy“.
  • Du hast in deinen Jackentaschen die Für-alle-Fälle-Kondome durch Für-alle-Fälle-Ibuprofen-Blister ersetzt.
  • Es gibt jemanden, den du „Mein Kardiologe“ nennst, und du beginnst Erzählungen damit.
  • Fußballspieler sind nicht mehr rumpelige Männer mit seltsamen Frisuren und Schnauzbart, sondern irgendwelche volltätowierte Bengel.
  • Du bist auf Konzerten nicht nur der Älteste, sondern auch doppelt so alt wie der Zweitälteste.
  • Dein Hausarzt hat eine Voice-Mailbox für Rezepte, deren Rufnummer du auswendig kennst.
  • Du nennst das immer noch „auf Band sprechen“.
  • Wenn du bei Netflix-Serien den Faden verlierst, „spulst du etwas zurück“. Das kommt immer häufiger vor.
  • Du hast eigentlich immer Schnaps da.

„Die Ärzte“ live in Minden

Wir waren in Minden auf dem Ärzte-Konzert. Ich bin nicht der allergrößte Ärzte-Fan, aber live habe ich die noch nie gesehen, und meine Frau wollte gerne hin.

Ich hatte als 14-jähriger „Das ist nicht die ganze Wahrheit“ auf Original-Kassette, meine Schwester hatte „Im Schatten der Ärzte“ auf Schallplatte, und viel mehr kannte ich damals von denen auch nicht näher.

Ihre Musik ist also eigentlich nicht so meins, die Haltung hingegen um so mehr. Ich mag deren Selbstironie, und wenn sie sich politisch äußern, kann ich das in aller Regel unterschreiben.

Umso ärgerlicher war die Anreise zum Konzertgelände. Nach Minden kommt man von uns aus nur sehr schlecht mit dem Zug, zurück schon mal gar nicht, also kamen wir (wie gefühlt alle anderen 40.000 Gäste auch) notgedrungen mit dem Auto und standen erstmal eine dreiviertel Stunde im Stau. Das gleiche wiederholte sich bei der Abreise. Warum der Veranstalter es nicht hinbekommt, einen Park-and-Ride-Service zu organisieren, anstatt alle 6000 Autos auf einen Parkplatz zu lotsen – man weiß es nicht. Was allein bei An- und Abreise für CO2 in die Luft geblasen wurde, will ich gar nicht wissen.

Das Konzert selbst war ganz ok. Die erste Vorband kannte ich nicht, wurde aber immerhin von Bela B. persönlich angesagt. Danach kamen New Model Army, die ich früher gerne gehört habe. Mein Freund S., der ebenfalls mit seiner Lebensgefährtin dabei war (die uns alle zusammen gefahren hat) meinte dazu: „Manchmal ist es vielleicht besser, sich an die Jugendzeit nur zu erinnern.“ Recht hat er.

Die Ärzte lieferten ihre anscheinend übliche Show ab, machten zwischendurch Witze, spielten viele Klassiker, die ich auch kannte und einiges vom neueren Material.

Was mir aber am meisten auffiel, war der Unterschied zwischen einem solchen Mainstream-Publikum und dem auf Metal- oder Hardcore-Konzerten. Kurz zusammengefasst: Je härter die Musik, desto rücksichtsvoller sind die Zuschauer*innen.

Hier stellten sich Leute direkt vor einen, obwohl sie damit wissentlich die Sicht anderer behinderten, drängelten sich beim Biertresen vor oder filmten minutenlang ganze Songs.

Von Metal-Konzerten kenne ich sowas nicht, zumindest nicht so gehäuft.

Und weil ich dann irgendwann durch die Menge ein letztes Mal aufs Dixi-Klo musste, habe ich mir noch ein Bier auf die Faust geholt, bin dann einfach etwas früher vom Gelände gegangen, und wir haben uns am Auto getroffen.

Alles in allem war‘s ein ganz gutes Konzert, aber zu solchen Mainstream-Massenveranstaltungen gehe ich so schnell nicht nochmal, da sind mir die kleinen Clubkonzerte mit ordentlich Geballer deutlich lieber.

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