Auto fahren in Frankreich
Im Frankreichurlaub sind wir relativ viel Auto gefahren, auf französischen Straßen insgesamt ca. 1500 Kilometer, leider mit einem Verbrenner. Wir haben im Rheinland unser E-Auto abgestellt, sind in den Peugeot 2008 meiner Schwiegermutter umgestiegen und mit diesem Wagen weitergefahren.
Das hätte ich eigentlich gerne vermieden und wäre lieber elektrisch unterwegs gewesen, aber letzten Endes sprachen doch zu viele Gründe für diese Lösung. Unser E-Auto hat nur eine Reichweite von knapp über 300 Kilometern, und da wir ja doch einige Städtetouren vorhatten, hätten wir sonst zu viel Zeit an der Ladesäule verloren. Hinzu kam, dass wir keinerlei Erfahrung mit dem Ladesystem in Frankreich hatten, und es hieß, dass das dort angeblich mit den unterschiedlichen Anbietern noch unübersichtlicher sei als hierzulande. Man bräuchte wohl mehr oder weniger für jede Ladesäule eine andere App, und das war uns dann doch zu heikel.

Grundsätzlich kann man sagen, dass das Autofahren in Frankreich extrem entspannt verläuft. Auf der Autobahn gilt 130 km/h, bei Regen 110 km/h, und daran halten sich auch alle. Ich habe auf der ganzen Fahrt nicht einmal erlebt, dass jemand mit Lichthupe hinter uns gedrängelt hätte.
Was die Franzosen allerdings machen, was aber gar nicht als Drängelei missverstanden werden darf: Sie fahren auf der linken Spur mit eingeschaltetem linken Blinker. Das machen sie mit gebührendem Abstand und teilweise minutenlang. Damit zeigen sie allerdings nur an, dass sie mit dem Überholvorgang noch nicht fertig sind, und dass sie erstmal nicht vorhaben, wieder auf die Spur rechts daneben zu wechseln. Wenn man das erstmal weiß, gewöhnt man sich schnell daran.
Das funktioniert natürlich auch nur auf Autobahnen außerhalb Deutschlands, wo man nicht einen Nagel im Kopf hat und wie hier glaubt, dass es irgendwie okay wäre, mit seinem Audi oder BMW mit 200 km/h hinter einem gerade überholenden Kleinwagen mit 2 Meter Abstand, Blinker links und Lichthupe hinterherzufahren und somit dessen Fahrer und dessen Familie zu maßregeln, dass sie sich gefälligst auf eine der rechten Spuren zu verpissen haben. Ach, ich rege mich schon wieder auf, wollte ich ja gar nicht.
Auf den Autobahnen wird die Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit regelmäßig mit stationären Radarmessgeräten kontrolliert, deren Einsatz aber immer mit großen Hinweisschildern angekündigt wird, auf denen ein auf der Seite liegendes WLAN-Symbol zu sehen ist.
Die Mautstraßen hatte ich bereits vorher schonmal erwähnt, und im Grunde genommen ist das ein absolut vernünftiges Konzept. Sollen diejenigen, die Autobahn fahren wollen, das Ganze auch mitfinanzieren. Das mit dem Ticket ziehen und später mit Girokarte zu bezahlen ist natürlich lästig, aber die einheimischen Vielfahrer können sich einen Transponder ans Gefährt basteln und fahren dann einfach so durch die Mautstellen durch. Geht alles, muss man nur wollen und nicht Mitglied einer durch und durch korrupten Partei sein, die der Autoindustrie in den Arsch kriecht.
Ebenfalls bemerkenswert: Auf den 1500 Kilometern Autobahn und Nationalstraßen sind wir nicht einer einzigen Baustelle begegnet, und trotzdem waren alle Straßen völlig in Schuss. Meiner kurzen Internetrecherche zufolge liegt das daran, dass die Franzosen lieber mal einen Streckenabschnitt für einen überschaubaren Zeitraum komplett sperren, anstatt ihn wochen- oder monatelang mit einer Spurreduzierung zu belegen. So bekommt man als Gelegenheitsfahrer wie wir gar keine Baustellen und dadurch verursachte Staus mit, was natürlich auch im Interesse der privaten Mautstreckenbetreiber liegt. In Deutschland gibt es Baustellen, die gefühlt existieren, seit ich Anfang der 90er-Jahre meinen Führerschein gemacht habe.
Staus gibt es in Frankreich allerdings zu Stoßzeiten auch, so wie gestern, als in NRW die Ferien begonnen haben und uns alle entgegenkamen. Da ballt es sich dann schon mal vor den Mautstationen, aber bei weitem nicht so extrem wie zum Beispiel in Deutschland zu Pfingsten auf der A7. Noch ein Tipp: Manche Autobahnraststätten sind für beide Fahrtrichtungen vorgesehen, es ist also möglich, dass es sich in solchen Situationen dann dort staut, obwohl man auf der eigenen Strecke bisher freie Fahrt hatte. Es kann daher gegebenenfalls hilfreich sein, darauf zu achten, ob sich vor der Raststätte eine Autobahnüberführung befindet, auf der sich der Verkehr Richtung Raststätte staut.
Ansonsten ähnelt das Autofahren in Frankreich ziemlich dem in Holland, nur mit weniger dedizierten Radwegen. Außerorts gilt 80-90, je nach Ausbau, innerorts in Städten 50 und in den meisten Dörfern 30 km/h. Kreuzungen sind größtenteils als Kreisverkehr organisiert, und wenn nicht, sind sie durch Aufpflasterungen und Berliner Kissen so verkehrsberuhigt, dass man da tunlichst in Schrittgeschwindigekeit drüber fährt.






