Lars Reineke

Woran du merkst, dass du alt geworden bist

  • Du machst Geräusche beim Hinsetzen und Aufstehen.
  • Du brauchst mehr Zeit für deine Mundhygiene als für die Haare.
  • Du bist für Jugendliche völlig unsichtbar und könntest sie stundenlang unbemerkt beobachten – wenn das nicht so creepy wäre.
  • Du benutzt Wörter wie „creepy“.
  • Du hast in deinen Jackentaschen die Für-alle-Fälle-Kondome durch Für-alle-Fälle-Ibuprofen-Blister ersetzt.
  • Es gibt jemanden, den du „Mein Kardiologe“ nennst, und du beginnst Erzählungen damit.
  • Fußballspieler sind nicht mehr rumpelige Männer mit seltsamen Frisuren und Schnauzbart, sondern irgendwelche volltätowierte Bengel.
  • Du bist auf Konzerten nicht nur der Älteste, sondern auch doppelt so alt wie der Zweitälteste.
  • Dein Hausarzt hat eine Voice-Mailbox für Rezepte, deren Rufnummer du auswendig kennst.
  • Du nennst das immer noch „auf Band sprechen“.
  • Wenn du bei Netflix-Serien den Faden verlierst, „spulst du etwas zurück“. Das kommt immer häufiger vor.
  • Du hast eigentlich immer Schnaps da.

„Die Ärzte“ live in Minden

Wir waren in Minden auf dem Ärzte-Konzert. Ich bin nicht der allergrößte Ärzte-Fan, aber live habe ich die noch nie gesehen, und meine Frau wollte gerne hin.

Ich hatte als 14-jähriger „Das ist nicht die ganze Wahrheit“ auf Original-Kassette, meine Schwester hatte „Im Schatten der Ärzte“ auf Schallplatte, und viel mehr kannte ich damals von denen auch nicht näher.

Ihre Musik ist also eigentlich nicht so meins, die Haltung hingegen um so mehr. Ich mag deren Selbstironie, und wenn sie sich politisch äußern, kann ich das in aller Regel unterschreiben.

Umso ärgerlicher war die Anreise zum Konzertgelände. Nach Minden kommt man von uns aus nur sehr schlecht mit dem Zug, zurück schon mal gar nicht, also kamen wir (wie gefühlt alle anderen 40.000 Gäste auch) notgedrungen mit dem Auto und standen erstmal eine dreiviertel Stunde im Stau. Das gleiche wiederholte sich bei der Abreise. Warum der Veranstalter es nicht hinbekommt, einen Park-and-Ride-Service zu organisieren, anstatt alle 6000 Autos auf einen Parkplatz zu lotsen – man weiß es nicht. Was allein bei An- und Abreise für CO2 in die Luft geblasen wurde, will ich gar nicht wissen.

Das Konzert selbst war ganz ok. Die erste Vorband kannte ich nicht, wurde aber immerhin von Bela B. persönlich angesagt. Danach kamen New Model Army, die ich früher gerne gehört habe. Mein Freund S., der ebenfalls mit seiner Lebensgefährtin dabei war (die uns alle zusammen gefahren hat) meinte dazu: „Manchmal ist es vielleicht besser, sich an die Jugendzeit nur zu erinnern.“ Recht hat er.

Die Ärzte lieferten ihre anscheinend übliche Show ab, machten zwischendurch Witze, spielten viele Klassiker, die ich auch kannte und einiges vom neueren Material.

Was mir aber am meisten auffiel, war der Unterschied zwischen einem solchen Mainstream-Publikum und dem auf Metal- oder Hardcore-Konzerten. Kurz zusammengefasst: Je härter die Musik, desto rücksichtsvoller sind die Zuschauer*innen.

Hier stellten sich Leute direkt vor einen, obwohl sie damit wissentlich die Sicht anderer behinderten, drängelten sich beim Biertresen vor oder filmten minutenlang ganze Songs.

Von Metal-Konzerten kenne ich sowas nicht, zumindest nicht so gehäuft.

Und weil ich dann irgendwann durch die Menge ein letztes Mal aufs Dixi-Klo musste, habe ich mir noch ein Bier auf die Faust geholt, bin dann einfach etwas früher vom Gelände gegangen, und wir haben uns am Auto getroffen.

Alles in allem war‘s ein ganz gutes Konzert, aber zu solchen Mainstream-Massenveranstaltungen gehe ich so schnell nicht nochmal, da sind mir die kleinen Clubkonzerte mit ordentlich Geballer deutlich lieber.

Neue Hard- (und Soft-)ware

Ich habe mir eine Tastatur für mein iPad gekauft. Nicht, dass ich nicht täglich genügend Gelegenheiten hätte, vor einer Tastatur zu sitzen, aber genau darum geht es: Ich sitze jeden Arbeitstag vorm Rechner, und wenn dann private Mails eintrudeln, habe ich einfach nicht mehr die Energie, die an einem vollwertigen PC zu beantworten und dabei am Schreibtisch zu sitzen.

Sowas würde ich lieber im Freizeitmodus machen, sprich: Auf dem Fernsehsessel lungernd, mit ´ner Katze zwischen den Füßen. Dafür ist das iPad ideal, allerdings kann ich auf der virtuellen Tastatur nicht besonders gut längere Texte schreiben. (Auf dem iPhone schon mal gar nicht.)

Und diese Lücke füllt die Tastatur fürs iPad. Ich habe die günstigere von Logitech gewählt, das Original von Apple war mir viel zu teuer. Mit der Haptik komme ich erstaunlich gut zurecht, bedenkt man, dass ich normalerweise an einer IBM Model M sitze.

Jetzt macht auch der iA Writer Sinn, den ich für Windows lange benutze, der fürs iPad aber immer noch 49,99 € kostet, eine Ausgabe, die ich bisher gescheut habe. Wenn ich mir das schönrechne, kann ich einfach behaupten, ich hätte für Tastatur + iA Writer weniger bezahlt, als ich für eine Original-Apple-Tastatur ausgegeben hätte.

Und weil der iA Writer seit kurzem direkt Entwürfe in WordPress speichern kann, ist das (mal wieder) eine gute Gelegenheit, mein Blog zu reaktivieren.

So sei es.

18. April 2022 – abends

Am Mittwoch bin ich zum ersten Mal in diesem Jahr aufs Rennrad gestiegen und habe meine 25km-Feierabendrunde gedreht.

Mein Fitnesslevel bewegt sich derzeit zwar auf “Ich passe gerade noch in die Fahrradhose”-Niveau, aber das wird schon, mein Schnitt lag bei ca. 23 km/h, und auch vom Puls war’s soweit ok.


Am Freitag haben wir nach zweijähriger Coronapause endlich mal wieder Freunde zu unserem traditionellen Karfreitagsgrillen eingeladen.

Schön war’s, allerdings ist mir aufgefallen, wie schwer es mir fällt, den Worten meines Gesprächspartners zuzuhören, wenn zeitgleich am Tisch zwei weitere Unterhaltungen stattfinden. In der Kneipe ist mir das relativ egal, mit den anderen am Tresen habe ich meist nicht viel zu tun, aber am eigenen Esstisch kenne ich alle, und vielleicht unterhält man sich nebenan ja über Dinge, die mich auch interessieren. Schließlich hat man sich eine Weile nicht gesehen, und da will ich natürlich nichts verpassen.

Also wechselt meine Aufmerksamkeit ständig von einem Redner zum nächsten, und selbst möchte ich vielleicht auch mal was sagen, das will ja ebenfalls überlegt sein.

Kann sein, dass ich das einfach wieder üben muss. Aber egal, schön war’s trotzdem.


Am nächsten Tag waren wir nach dem Frühstück beim Oster-Friedensmarsch, an dem mir besonders gefallen hat, dass da zwar alle dasselbe Ziel “Frieden” verfolgten, aber durchaus hörbar war, dass es unterschiedliche Ansichten gab und gibt, wie dieses Ziel zu erreichen sei.

So waren erwartungsgemäß Teilnehmer*innen vor Ort, die sich komplett dem Pazifismus verschrieben haben. Es gab aber auch viele, die – so wie ich auch – die Meinung vertraten, dass man der Ukraine nicht nur mit warmen Worten beistehen muss, sondern dass man ihr auch die Möglichkeit geben muss, sich gegen die ja ohnehin schon ausgeübte Waffengewalt zu verteidigen.

Der Versuch des örtlichen Querdenker-Vorturners, die Veranstaltung für sich zu vereinnahmen, wurde mit Hilfe der Polizei sowie deutlicher Gegenrede recht effektiv unterbunden, und mehr muss man zu dieser Person auch nicht sagen.

Nachmittags bin ich dann nochmal rauf aufs Rennrad, diesmal weseraufwärts Richtung Emmerthal. Die Strecke ist etwas kürzer, dafür hatte ich aber auch ganz gut Gegenwind.


Am Sonntag haben wir dann eine Familienradtour gemacht. Wir haben den ganzen Proviant und was noch so mitmusste in mein Lastenrad gepackt, und wieder ging’s Richtung Emmerthal und darüber hinaus. Zwischendurch haben wir immer mal eine Pause (in erster Linie fürs Kind) eingelegt und gepicknickt.

Dabei habe ich allerdings offenbar aufgrund der doch noch recht niedrigen Lufttemperatur die UV-Strahlung unterschätzt und mir an dem Tag ordentlich das Gesicht verbrannt, so dass ich dann Abends reichlich kühlende Creme drauf schmieren musste.

Für den Abend war ich mit Markus zum Homekneiping verabredet, das letzte war auch schon wieder eine ganze Weile her, und wir hatten uns einiges zu erzählen. Mein Jitsi-Server zickte etwas rum, so dass wir auf einen öffentlichen ausweichen mussten. Ich hatte dann bereits überlegt, ob ich den eigenen Server erstmal einstampfe, aber morgens lief wieder alles.


Am Ostermontag haben wir eine Weserrundfahrt gemacht. Naja, hoch und wieder runter ist jetzt nicht unbedingt “rund”, aber das Prinzip sollte klar sein.

Und so bin ich den dritten Tag in Folge nach Emmerthal gefahren, diesmal auf einem Schiff der “Flotte Weser”. Einfach nur rumsitzen, gucken, mal ein Bier bestellen und dann wieder gucken.

Eigentlich kenne ich ja schon nahezu jeden Stein an der Weser, aber vom Schiff aus sieht man ihn dann wieder von der anderen Seite, und das ist genau die richtige Balance zwischen Langeweile und Attraktion, dass sich diese zwei Stunden fast wie Urlaub angefühlt haben.

12. April 2022 – abends

Man kommt ja zu nichts. Hier geht’s mittlerweile zu wie in meinem Postfach, in dem ich vor jeder Beantwortung einer Mail eigentlich erstmal “Sorry für die späte Antwort” schreiben muss.

Was gibt’s seit Jahresanfang zu berichten? Hm.

Frau und Kind hatten Corona, gleichzeitig, trotz Impfung. Ich nicht, obwohl wir wegen “jetzt ist auch egal” währenddessen keine Isolationsmaßnahmen getroffen hatten. Mein Test blieb einfach die ganze Zeit negativ, sogar mit PCR und allem. Nicht, dass ich den Eindruck hätte, was verpasst zu haben, mir soll’s recht sein.

Die Familie hat die Infektion gut überstanden, ich habe drei Wochen später eine handelsübliche Erkältung bekommen, mit Nebenhöhlenentzündung und allem Scheiß.


Ich habe jetzt wieder einen Plattenspieler. Eigentlich habe ich sogar schon länger einen relativ alten aus zweiter (dritter?) Hand, aber da hätte die Nadel getauscht werden müssen. Eigentlich kein Ding, aber ich hatte den erst im Wohnzimmer stehen, da musste er aus Platzgründen weg nach oben, hier (oben) hatte ich allerdings meine Stereoanlage nicht mehr aufgebaut, ich konnte ihn also nur mit einem – extra beschafften – Vorverstärker nur an einer Soundbar anschließen. Das klang aber komplett daneben, denn der Vorverstärker rauschte wie verrückt.

Also überlegte ich mir: Nadel + besserer Vorverstärker = neuer Plattenspieler. Ich bestellte also einen okayen Plattenspieler von Dual mit schaltbarem Vorverstärker, und Bluetooth hat der auch.

Dann stellte sich heraus: Die Soundbar klang ebenfalls mies, vor allem bei Musik, also habe ich meine gesamte Stereoanlage inklusive CD-Player wieder hier oben aufgebaut, und als ich schon mal dabei war, habe ich auch gleich meine ganzen CDs wieder einsortiert, die seit 2013 im Keller lagerten.

Jetzt habe ich hier wieder eine richtige Lese- und Musikecke, und das freut mich sehr.


Gelesen habe ich seitdem:

“Der Wüstenplanet” von Frank Herbert – Ich berichtete ja bereits davon. Nach dem ersten Romanteil habe ich aber erstmal Pause gemacht und hebe mir die ganzen Fortsetzungen für später auf. Nach wie vor aber ein wegweisender Science-Fiction-Roman.

“Der Astronaut” von Andy Weir – Wem “Der Marsianer” gefallen hat, der dürfte auch hier seinen Spaß haben. Sehr nerdig, sehr wissenschaftlich, vollgepackt mit lauter “Was wäre wenn?”-Ideen.

“Artemis” von Andy Weir – Das hat mir nicht besonders gefallen. Die Story ist – bis auf das Setting – ziemlich beliebig: Protagonistin übernimmt gefährlichen Auftrag und legt sich unfreiwillig mit mächtiger Organisation an. Richtig doof war aber, dass Weir anscheinend nicht allzu viele Frauen im Lektorat hatte. Das ist schon eine sehr männliche Sicht, aus der er da die Gedanken und Beweggründe der Protagonistin beschreibt.

“Die Raststätte” von Florian Werner – Unterhaltsame Reportage über Autobahnraststätten, bzw. ein prototypisches Exemplar: Garbsen Nord. Weil diese Raststätte relativ nah gelegen ist, war ich da übrigens noch nie. Warum auch? Wenn man losfährt, braucht man keine, und so kurz vor zu Hause kann man auch noch bis zu Hause warten. Vom Buch ist bei mir nicht besonders viel haften geblieben.

“Nochmal Deutschboden” von Moritz von Uslar – Die ursprüngliche Reportage “Deutschboden” fand ich super, das hier empfand ich dann doch als Aufguss.

“Hagen von Tronje” von Wolfgang Hohlbein – Im Februar haben wir mit der ganzen Homekneiping-Baggage Markus in Duisburg besucht, und da stand das im Regal. Einer aus der Runde fand es gut, weil “es die Figur Hagen mal von ganz anderer Seite zeige”, also habe ich es mir von Markus ausgeliehen. Ich muss allerdings gestehen, dass ich die Nibelungensage nie gelesen habe und daher nicht mal die “eine Seite” von Hagen von Tronje kannte. Ich habe es daher wie einen Historienroman mit leichten Fantasy-Anleihen gelesen, und dafür war’s ganz ok. (Nicht so mein Genre eigentlich.)

“Junge mit schwarzem Hahn” von Stefanie vor Schulte – Wenn ich nicht eines abends leicht angetrunken das Abo der Büchergilde Gutenberg abgeschlossen hätte, hätte ich dieses Buch wohl niemals gelesen. So war ich eigentlich ganz froh drum. Es ist ein Märchen für Erwachsene, das etwa zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges spielt. Das Lesen hat mir Spaß gemacht, aber 20 Euro sind eigentlich zu viel für ein doch recht kurzes Buch.

“Die Leuchtturmwärter” von Emma Stonex – Das nächste Buch der Büchergilde wurde bereits kurz darauf geliefert, das stand aber ohnehin schon auf meiner Leseliste. Ich fand’s allerdings nicht so wahnsinnig spannend. Der Klappentext versprach Mystery, sowas kam zwar auch im Roman vor, hatte aber nur wenig Einfluss auf die Auflösung, und so blieb’s ein ziemlich langweiliges Drama mit banaler Dreiecksbeziehung. Enttäuschend.

“Es ist immer so schön mit dir” von Heinz Strunk – Der namenlose Protagonist führt ein relativ ereignisloses Leben, bis er einer jungen, bildhübschen Frau begegnet und dafür seine bisherige Beziehung aufgibt, um sich stattdessen in diese zu stürzen. Die “Neue” ist aber ziemlich schwierig und hält ihn immer wieder auf Distanz. Es ist, wie einem Autounfall in Zeitlupe zuzusehen. Man will ihm die ganze Zeit “Komm da weg” zubrüllen, während er eine falsche Entscheidung nach der anderen trifft. Was nicht heißen soll, dass er an der ganzen Misere unschuldig wäre. Das Buch: In seiner ganzen Schrecklichkeit großartig zu lesen.

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