Lars Reineke

Ich codete vibe

Wahrscheinlich bin ich damit etwas spät dran, aber ich habe mich jetzt auch mal an ein kleines Vibecoding-Projekt gesetzt.

In aller Regel entsteht so ein Vorhaben mit einem persönlichen Ärgernis, das es zu beheben gilt, so auch hier.

Der Auftrag

In unserem Drei-Personen-Haushalt versuchen wir, die häuslichen Tätigkeiten einigermaßen gerecht aufzuteilen, heißt: Jeder ist mal dran. Wenn eine Aufgabe erledigt ist, wandert sie zur nächsten Person. Dabei gibt es Aufgaben, die nicht von jeder Person ausgeführt werden können oder sollen, wie zum Beispiel die Reinigung der Kaffeemaschine. Unsere Tochter trinkt nur sehr selten Kaffee, deshalb muss sie sich daran nicht beteiligen.

Ungefähr so ähnlich war auch der Prompt, den ich Codex von ChatGPT vorgesetzt habe, nachdem ich es auf meinem Rechner installiert hatte: Bildschirmfoto_20260825_051522

Und damit ging's auch schon los.

Die Umsetzung

Codex erstellte mir einen ersten Entwurf, der bereits funktionierte, aber ziemlich scheiße aussah. (Ich habe keinen Screenshot mehr davon, seid froh.) Daraufhin sagte ich Codex, es solle das ganze im Stil von Homeassistant aussehen lassen, und schon passten Farbgebung und Schriftart, das ganze sah direkt ziemlich aufgeräumt aus.

Und so hangelte ich mich von Prompt zu Prompt. Mach dies, mach das, erweitere diese Funktion, der Button soll jenes können.

Nach jeder Iteration kopierte ich die geänderten Dateien auf meinen Webserver, um die Ergebnisse zu betrachten. Das geht natürlich auch viel eleganter, z.B. mit lokaler Entwicklungsumgebung, Webserver, Datenbank und vielleicht sogar Git, aber das wollte ich bewusst nicht, weil ich meine lokale Installation möglichst minimalistisch halten möchte.

Zwischendurch habe ich auch mal keine Anweisungen gegeben, sondern z.B. nur gefragt: Welche Möglichkeiten gäbe es, die Oberfläche kompakter zu gestalten? Woraufhin mir Codex sinnvolle Vorschläge unterbreitete.

Das Ergebnis

Bildschirmfoto_20260825_045229 Auswählen, wer man ist

IMG_6487 Aufgabenübersicht

IMG_6488 Aktuelle Aufgaben des Vaters

IMG_6489 In der kompakteren Ansicht

IMG_6490 Man kann Aufgaben, die man gerade nicht bearbeiten kann, weitergeben

IMG_6491 Oder natürlich direkt erledigen

IMG_6492 Man kann andere per WhatsApp an Aufgaben erinnern (nicht, dass das oft nötig wäre, hust)

IMG_6493 Und nachsehen, wer die Aufgabe wann zuletzt erledigt hat

Bildschirmfoto_20260825_045804 Außerdem gibt es noch eine eingeschränkte Ansicht für Displays, die z.B. im Wohnzimmer hängen

Man kann Aufgaben anlegen, einzelnen Personen zuweisen, löschen und einstellen, wann sie fällig sein sollen. Die Ansicht lässt sich von kompakt auf normal hin- und herschalten, außerdem kann man nach zugewiesener Person filtern.

Ändert man auf einem Gerät etwas, wird die Änderung innerhalb kurzer Zeit auch auf den anderen Geräten nachvollzogen.

Hat man jemanden per WhatsApp erinnert, dann bekommt man bei einer erneuten Erinnerung am selben Tag einen entsprechenden Hinweis (damit z.B. nicht Mutter und Vater unabhängig von einander das Kind nerven). Außerdem kann man nur an fällige und überfällige Aufgaben erinnern.

Das Fazit

Bisher haben wir die Aufgaben mit einer App verwaltet. Die hatte einen ähnlichen Funktionsumfang und konnte außerdem noch Haushaltsfinanzen verwalten, eine Funktion, die wir nie genutzt haben. Die App selbst war eher sperrig, einige Funktionen (ich glaube, die Historie) kosteten Geld, knapp 30 Euro im Jahr, was ich schon ziemlich happig finde. Außerdem nervte sie alle zwei Wochen damit, man solle sie im App Store bewerten, was ich auch regelmäßig machte und ihr ob ihrer Bewertungsbettelei einen Stern gab.

Meine App macht das gleiche und noch ein bisschen mehr.

Würde ich Vibecoding für professionelle Projekte einsetzen? Niemals. Aber ich bin auch kein Anwendungsentwickler, der im Zweifel die Qualität des Codes beurteilen könnte. Ich habe zwar auch mal - mehr oder weniger autodidaktisch - für meinen Arbeitgeber Webanwendungen erstellt, aber das ist Ewigkeiten her, und den Anschluss habe ich schon lange verloren.

Aber mal ganz ehrlich: Das Ergebnis, was ChatGPT da vorgelegt hat, kann sich sehen lassen, für meine Ansprüche reicht es allemal, und ich hätte das mit meinen rudimentären PHP-Kenntnissen nicht so hinbekommen.

Und der Scheiß macht wirklich Spaß, das muss man auch mal sagen.

Habe ich ein etwas schlechtes Gewissen, weil ich weiß, dass Vibecoding professionellen Entwicklern die Arbeitsplätze streitig macht? Absolut. Würde ich es wieder tun? Auf jeden Fall. Aber ich will damit auch kein Geld verdienen.

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