13. Juni 2020 – nachmittags: IBM Model M

Ich weiß, dass das bei mir religiöse Züge hat, aber ich kann auf keiner anderen Tastatur dauerhaft schreiben als auf einer IBM Model M.

Deswegen habe ich davon drei Stück. Eine steht im Büro, eine an meinem eigenen PC und die dritte, die ich mir vorgestern bei eBay besorgt habe, steht jetzt im HomeOffice an der Dockingstation für das Firmennotebook.

Ich weiß noch, wie bei uns im Unternehmen vor ein paar Jahren ein neues Softwaresystem eingeführt wurde und der etwa 30jährige Berater neben mir im Büro saß. Er schaute völlig entgeistert auf meine Tastatur, die wie alle IBM Model M beim Tippen einen Höllenlärm machte.

“Was ist das denn? Die hat ja nicht mal Windows-Tasten,” kommentierte er kopfschüttelnd. Die hatte ich tatsächlich auch nie vermisst, habe mir neulich aber mal eine Software namens “SharpKeys” installiert und die CapsLock-Taste als Windows-Taste umgebogen. CapsLock braucht eh kein Mensch.

Eine IBM Model M ist laut und schwer. Für Gamer ist sie wohl nicht zu empfehlen, weil der typische “Buckling Spring”-Mechanismus nicht so geeignet ist, schnelle sich wiederholende Tastendrücke hintereinander auszuführen.

Aber zum Schreiben von Texten gibt es nichts besseres.

10. Juni 2020 – nachmittags

Heute war ich zum ersten Mal seit drei Monaten wieder im Büro, zumindest halbtags, um dann gegen Mittag wieder ins HomeOffice umzuziehen. Routine ist anders. Man fasst alles (Kaffeemaschine, Wasserhähne etc.) nur mit spitzen Fingern an und wäscht sich gefühlt alle drei Minuten die Hände. Zwei Fenster hatte ich auf “Kipp”, und die Tür zu meinem Büro war halb offen.

Überhaupt nicht vermisst habe ich die Bekloppten, die morgens um die Zeit mit dem Auto zur Arbeit fahren. Da hat sich in den drei Monaten nichts, aber auch gar nichts geändert, einer musste unbedingt noch im Wohngebiet auf den letzten Metern überholen, obwohl ich mit dem Fahrrad schon ca. 25 km/h fuhr. Der nächste hätte Vorfahrt gehabt, also blieb ich stehen, dann bog er aber unvermittelt ab, natürlich ohne zu blinken.

Mittags nach Hause, um für die Tochter zu kochen, es gab Nudeln in meiner (und ihrer) Lieblingstomatensauce, wovon ich anderthalb Portionen gegessen habe, so dass ich hinterher todmüde war.

Noch ein wenig an dem technischen Problem geschraubt, das mich bereits am Vormittag beschäftigte und mich nach HomeOffice-Dienstschluss eine halbe Stunde aufs Ohr gelegt. Danach dann eine Runde spazieren und Podcast dabei gehört.

Ein richtiger Arbeitstag war das so noch nicht, dafür hätte nach dem Nachhauseweg auch wirklich Feierabend sein müssen, aber immerhin.


Markus verweist zu Recht auf die Albernheit des Buchtitels “Die Hosen der Toten”.

So richtig begeistert mich der auch nicht. Die Assoziation zur Düsseldorfer Schlager-Punkband wird man als Deutscher einfach nicht los.

Im Original heißt es “Dead Men’s Trousers”, was dann wahrscheinlich schon die 1:1-Übersetzung ist, aber ich werde das Gefühl nicht los, dass sich hinter dem Originaltitel noch eine versteckte Bedeutung verbirgt, die sich nur dem Muttersprachler offenbart. Und dass es möglicherweise besser gewesen wäre, der deutschen Ausgabe einen ganz anderen, vielleicht wortwitzigen Titel zu geben, so wie beim Vorgänger “The Blade Artist”, der im Deutschen “Kurzer Abstecher” heißt.

Vielleicht erschließt es sich mir noch, ich habe das Buch ja erst angefangen.


Heute war der dritte Tag hintereinander, an dem ich keine Ibuprofen wegen der Intercostalneuralgie nehmen musste. Vielleicht habe ich’s wirklich hinter mir. Gelegentlich –  bei dummen Bewegungen – merke ich sie noch ein wenig, aber es ist bei weitem nicht mehr so  schmerzhaft, wie noch vor zwei Wochen.

9. Juni 2020 – abends

Wenn ich mich nach Feierabend nicht aufs Fahrrad setze, gehe ich derzeit gerne nochmal eine Runde um den Block und höre dabei Podcasts, vor allem als Ausgleich zum durch das HomeOffice fehlenden Arbeitsweg. Nun wird es aber vor allem nachmittags und abends deutlich wärmer, und ich merke dann doch, dass ich unter den Noise-Cancelling-Over-Ear-Kopfhörern ziemlich schwitze. Auf so Kabelgefummel hatte ich aber irgendwie keine Lust, also habe ich mir Apple Airpods gekauft, allerdings die günstigere Variante ohne Unterdrückung von Umgebungsgeräuschen.

Früher fand ich die ja vor allem optisch ziemlich merkwürdig, aber mittlerweile sieht man die doch häufiger, und weil es die beim örtlichen Unterhaltungselektronikhändler gerade um einiges günstiger gab, habe ich mich dann schließlich dazu durchgerungen.

Ich bin eigentlich ganz zufrieden, für meine Ansprüche ist der Sound völlig ok, und auch das Handling funktioniert sehr gut. Ich merke aber deutlich, wie laut der Berufsverkehr an den Hauptstraßen ist, wenn man an ihnen entlang geht, unter den Over-Ear-Kopfhörern war mir das nie so bewusst. Zum Podcasthören ist das definitiv zu laut, da müsste ich sonst die Lautstärke voll aufreißen. Aber da mich meine Feierabendwege ohnehin meist in wenig befahrene Gegenden führen, ist das zu verschmerzen. Und ansonsten muss ich halt bei lauter Umgebung mal kurz auf Musik umschalten.


Gestern habe ich “Leviathan erwacht” zu Ende gelesen. Dabei handelt es sich um den ersten Teil einer Science-Fiction-Romanreihe, auf der die Serie “The Expanse” basiert. Die erste Staffel hatten wir uns vor einiger Zeit angesehen, aber da hatten wir gerade unseren Fernseher neu, und ich war damals viel mehr damit beschäftigt, die Bild- und Toneinstellungen zu optimieren, als der Serie zu folgen.

So dachte ich zum Beispiel, die Optik der Serie sei so seltsam Soap-Opera-mäßig, dabei lag das an der Tru-Motion-Grundeinstellung des Fernsehers, die für Bewegungsglättung sorgen soll, aber aussieht, als hätte jemand das mit seinem billigen CamCorder aufgenommen.

Aber zurück zum Buch: Mir hat es großen Spaß gemacht, leider bin ich in den letzten Wochen kaum zum Lesen gekommen, darum habe ich ungewöhnlich lange dafür gebraucht, was dem Buch eigentlich nicht gerecht wird. Durchquälen musste ich mich jedenfalls nicht. Man hat zwar doch immer wieder die Serienschauspieler vor dem geistigen Auge, aber die Serie folgt anscheinend nicht allzu genau der Romanhandlung, so dass das Buch trotzdem spannend blieb.

Es ist jetzt keine Weltliteratur, aber durchaus unterhaltsame, moderne Science Fiction. Kann ich empfehlen. Die Fortsetzungen werde ich bestimmt auch noch lesen, jetzt ist aber erstmal Irvine Welsh dran, dessen aktueller Roman “Die Hosen der Toten” wieder im Renton-Begbie-Milieu spielt.

Schrankwand!

Seit man am Wochenende nicht mehr weg gehen kann, treffen wir uns gelegentlich per Videokonferenz, das ist zwar nicht ganz das gleiche, aber wenigstens riechen die Klamotten hinterher nicht nach Zigarettenrauch.

Die Musikuntermalung hat zwischendurch mal gewechselt, zuerst hörten wir eine gemeinsame Spotify-Liste, bei der wir mehr oder minder gleichzeitig auf “Play” drückten, jeder vor seinem Rechner, dann hatten wir aber eine Zeit lang keine Lust, uns über die Musikauswahl Gedanken zu machen und machten Internetradio an. Da gibt es eine beachtliche Auswahl, die ja auch erstmal entdeckt werden will. Einziger Nachteil ist die hin und wieder eingespielte Werbung, aber das kommt nicht so oft vor, und die Unterbrechung ist auch eigentlich angenehm kurz.

Größter Vorteil ist allerdings: Alle hören das Gleiche, und man braucht keinen Account dafür.

Jedenfalls hörten wir eines Abends vor ein paar Wochen auf laut.fm irgendeinen Hardcore-Sender, bis zwischendurch wieder Werbung kam. Und zwar wurde für den Besuch eines Festivals geworben, wofür wir ja grundsätzlich schon die richtige Zielgruppe gewesen wären. Es handelte sich jedoch um ein Deutschrock-Festival 2019, zu dessen Besuch wir aufgefordert wurden. Ausgerechnet.

Den Ort des Geschehens habe ich vergessen, aber die Bands trugen alle Namen wie “Schrankwand”, “Kantholz” oder sonstwie brachial und sehr deutsch klingende Begriffe, die auch aus einem Baumarktprospekt hätten herrühren können. Einer entsetzlicher als der andere.

Die Werbung endet, mein Freund G. und ich gucken uns entgeistert per Webcam an, bis er schließlich sagt:

“Mann, da haben wir ja nochmal Glück gehabt, dass wir da nicht hingefahren sind.”

8. Juni 2020 – Geburtstag

Am Sonntag hatte ich Geburtstag und lud daher für Samstagnachmittag die paar wenigen Freunde ein, die ich in den letzten Wochen ohnehin bereits persönlich getroffen hatte, Kontaktbeschränkung und so.

Einfach nur so auf der Terrasse sitzen, dummes Zeug erzählen, was essen, trinken, ein bisschen Musik hören und schließlich in die Feuerschale gucken.

War alles sehr schön, nur den Ouzo hätten wir weglassen sollen, der hing mir den gesamten Sonntag lang in den Knochen. Teufelszeug. Entsprechend wenig habe ich an meinem eigenen Geburtstag unternommen, aber muss ja auch nicht immer sein.


Feine Idee in der taz:

Benzin muss kontingentiert werden

Jeder Bundesbürger bekommt pro Jahr 444 Liter zugeteilt, das muss erstmal reichen. Wenn er damit nicht klarkommt, muss er am Jahresende Sprit nachkaufen. Entsprechend teurer wird der dann, worüber sich diejenigen freuen werden, die am Jahresende noch welchen übrig haben, den sie selbst meistbietend verkaufen können.