Lars Reineke

13. April 2021 – nachmittags

Heute Morgen habe ich das Buch “Das Seidenraupenzimmer” von Sayaka Murata zu Ende gelesen. Es hat nur etwa 250 Seiten, also war ich damit innerhalb von zwei Tagen durch. Wenn ich das Buch in so wenigen Worten wie möglich zusammenfassen müsste, wäre es wohl “What. The. Fuck.”

Es kommen darin Kindesmissbrauch, Vergewaltigung, Inzest, Mord und Kannibalismus vor. Und selbst jenen, die das tolerieren können, würde ich diesen Roman nicht uneingeschränkt empfehlen. Ich weiß immer noch nicht, ob ich ein Kunstwerk oder kompletten Trash gelesen habe. Entsprechend uneins sind sich die Rezensenten auf Goodreads.


Ich war heute beim Lokalradio und habe in meiner Funktion als ehrenamtlicher Fahrradbeauftragter der Stadt ein bisschen was über die derzeitige Radfahrsituation vor Ort erzählt. Es war ein sehr entspanntes Interview, obwohl der eine oder andere Entscheidungsträger nicht so gut dabei weggekommen ist. Aber muss auch mal sein.

Gesendet wird der ganze Spaß am Sonntagvormittag, von 10 bis 11 Uhr.


Nach Feierabend war ich Joggen, obwohl seit ein paar Tagen mein Bein schmerzt. Ich schiebe das aber auf meinen verdrehten Rücken und die daraus hervorgehende Schonhaltung. Da hilft ja bekanntlich nur Bewegung, Bewegung, Bewegung. Also habe ich mich dann doch aufgerafft und wurde bei 8°C damit belohnt, die letzten 500 Meter auch noch durch Regen laufen zu müssen. Jetzt tut mir mein Rücken erst recht weh.

Aber wie mein Kumpel immer sagt: “Man darf sich von seinem Körper nicht alles gefallen lassen.”


Zum Abendessen gab es Senfeier mit Kartoffeln, dazu für alle außer mir Spargel, weil ich den nicht mag. Um sicherzugehen, habe ich nach Jahren mal wieder ein Stück davon probiert, stellt sich raus: Ich find’s immer noch widerlich.

Wenn ich daran denke, was in Deutschland jedes Jahr für ein Bohei um diesen scheiß Spargel gemacht wird, mit Tausenden von extra angekarrten Arbeitskräften, die das Zeug auch noch in einer elenden Schinderei ernten müssen, frage ich mich wirklich, ob man diese Ressourcen nicht sinnvoller nutzen könnte. Als Erzieher*innen zum Beispiel oder in der Pflege.

Auf Vorrat

Wir hatten hier neulich zwei Tage hintereinander eine 7-Tage-Inzidenz von gerade mal so über 100, und ein weiterer Tag hätte bedeutet, dass wieder verschiedene Lockerungen hätten zurückgenommen werden müssen.

Aber nein, Glück gehabt, es fügte sich, dass wir am dritten Tag wieder knapp unter der 100er-Grenze vorbeischrammten, die Geschäfte durften weiterhin Termine für Ladenbesuche vergeben (statt vorbestellte Waren nur herausreichen zu dürfen), und auch die Kontaktregeln blieben so, wie sie auch immer gerade waren, so genau weiß das ja derzeit keiner.

Da kam mir der Gedanke, ob wohl manche Einwohnermeldeämter ein paar Anmeldungen von Bürger*innen in der Hinterhand haben, vielleicht ein paar Neugeborene oder kürzlich erst Zugezogene, die sie dann, wenn’s nicht mehr reicht, einfach aus der Schublade holen und schnell noch nachmelden, damit die Gesamtzahl der Einwohner*innen gerade wieder hoch genug ist und die Inzidenz unter die magische Grenze rutscht.

Neubürger*innen auf Vorrat, sozusagen.

Aber das wäre ja schon fast eine Verschwörungstheorie, und an sowas beteilige ich mich grundsätzlich nicht.

Doch kein Tidal

Nach ein paar Wochen Tidal-Nutzung habe ich mich nun doch entschieden, weiterhin bei Spotify zu bleiben.

Die Empfehlungen waren tatsächlich mal was Anderes, und ich habe einige mir zuvor unbekannte Künstler entdeckt, aber das war – zumindest aus meiner Sicht – der einzige Vorteil, den ich durch Tidal hatte, und das allein rechtfertigt für mich nicht ein Abo eines weiteren Musikstreamingdienstes.

Immer wieder führte die Suche zu namensgleichen Künstlern, was vorkommen kann. Aber wenn ich dann den richtigen Künstler ausgewählt habe, möchte ich nicht auch die Alben des anderen Künstlers sehen, für den ich mich überhaupt nicht interessiere.

Ich mach mal ein Beispiel: Ich höre gerne die kalifornische Hardcore-Band “Terror”. Suche ich danach bei Spotify, finde ich als Top-Treffer eben diese Band, klicke ich auf “Künstler”, sehe ich, dass es offenbar auch einen HipHop-Künstler gibt, der sich so nennt. Nun gut, ist ja ok, denn wenn ich auf den Hardcore-Treffer klicke, werden mir bei Spotify nur Alben der Hardcore-Band angezeigt.

Tidal listet aber unter dem Hardcore-Treffer auch die HipHop-Alben auf, die mich überhaupt nicht interessieren.

Einige Alben anderer Künstler wiederum hatte Tidal zum Beispiel einfach gar nicht, Spotify aber schon.

Überhaupt war diese HipHop-Lastigkeit bei Tidal fürchterlich nervig. Klicke ich bei Tidal auf “Entdecken” und scrolle zu “Für Dich empfohlene Künstler”, listet mir Tidal stoisch Kendrick Lamar, Beyonce, Kanye West und Jay-Z auf, obwohl ich auf Tidal vermutlich keine 2 Minuten R&B oder HipHop gehört habe.

Meine Ohren hören ehrlich gesagt auch keinen besonderen Unterschied in der Soundqualität zwischen beiden Streamingdiensten. Glückwunsch, wenn es anderen Leuten anders geht.

Also gehe ich wieder zurück zu Spotify, und wenn ich mal ein paar neue Vorschläge haben möchte, suche ich mir eine ähnliche Künstler*in oder Band und schaue nach, ob die in irgendeiner kuratierten Playlist auftaucht. Und die Playlist höre ich dann.

2. April 2021 – mittags

Ich war Joggen. Ich bin noch lange nicht bei meiner alten Form angekommen, als ich für einen Kilometer weniger als 6 Minuten brauchte, und ich weiß auch gar nicht, ob ich das überhaupt will, aber es wird langsam.

Momentan wiege ich so um die 100 Kilogramm, was etwas zu schwer ist. Aber dafür laufe ich nicht, ich laufe, um einigermaßen fit zu sein.

Früher bin ich immer mit Kopfhörern gelaufen, aber das mache ich nicht mehr. Meistens laufe ich ohnehin mit meiner Frau zusammen, manchmal ist noch eine Freundin von uns dabei, aber heute war ich alleine unterwegs.


Als wir das letzte Mal am Dienstag mit der Freundin laufen waren, haben wir uns hinterher noch kurz auf dem Bürgersteig unterhalten, als ich aus dem Augenwinkel eine ältere Frau im Hauseingang gegenüber zusammenbrechen sah.

Sie muss wohl entweder gestolpert sein oder das Gleichgewicht verloren haben, jedenfalls ist sie mit Schmackes zu Boden gegangen und auf ihr Knie gefallen.

Wir sind sofort zu ihr rübergelaufen und haben uns um sie gekümmert. Ich habe von uns noch zwei Masken und einen Becher Wasser geholt, aber den hat sie abgelehnt. Wir haben sie bis zu ihrer Wohnung begleitet, und dann war sie auch schon wieder ganz gut beieinander.

Gestern kam sie kurz zu uns rüber und hat für die Tochter einen Schokoladenhasen vorbei gebracht.

Ampler Stout

Im September habe ich mir mein erstes Pedelec gekauft, ein Ampler Stout aus Estland, wie ich an anderer Stelle ja schon mal erwähnt habe. Testberichte gibt es darüber bereits einige im Netz zu finden, und weil anderswo bereits jede Menge zur Technik des Rades geschrieben wurde, will ich hier nur meine persönlichen Eindrücke wiedergeben.

Bestellung und Lieferung

Kurz nach der Bestellung erhält man ein paar Mails von Ampler, in denen schon mal vorab beschrieben ist, wie man das Rad auspackt, aufbaut und zum ersten Mal in Betrieb nimmt. Das erhöht die Vorfreude, und tatsächlich sind es nur wenige Handgriffe, bis das Rad fahrbereit ist.

Lenker gerade stellen, Pedale dranschrauben, Reflektoren dranklicken, fertig. Das Werkzeug dazu ist mitgeliefert, alles zusammen kommt per Spedition in einem sehr stabilen Karton. Den habe ich zunächst ein paar Wochen aufbewahrt, man weiß ja nie. Irgendwann habe ich ihn dann aber doch entsorgt, wofür ich ihn allerdings mit einem Teppichmesser zerschneiden musste: Falten kann man das Ding nicht.

Fahreindruck

Ohne Motorunterstützung hat man ein eher schwerfälliges City-Rad, mit eingeschaltetem Motor hingegen macht das Rad unglaublichen Spaß.

Weil man kein Display und keine Lenkerbedienelemente hat, vergisst man nach kurzer Zeit, dass man elektrisch unterstützt wird. Der Motor liefert abhängig vom Pedaldruck seine Leistung ab und das nahezu lautlos.

Es fühlt sich einfach wie ganz normales Radfahren an, bei dem alles, was nervt, eliminiert wurde: Gegenwind und Hügel.

Ich fahre meist mit etwas reduzierter Unterstützung, trotzdem bin ich innerhalb kürzester Zeit mit 25 km/h unterwegs, und dann gleitet man nur so dahin.

Die Rahmenhöhe ist für meine Körpergröße absolut perfekt, ich hatte praktisch noch nie ein Rad, bei dem ich auf Anhieb so komfortabel auch auf längeren Strecken sitzen konnte. Die dicken Reifen federn Unebenheiten ganz gut weg, wer es bequem mag, belässt es bei einem Reifendruck von 4 Bar. Das geht dann zwar etwas auf die Reichweite, aber das hängt natürlich vom persönlichen Fahrverhalten ab.

Für wirklich steile Anstiege oder unwegsames Gelände ist das Rad nicht wirklich geeignet, aber so eine innerstädtische 10%-Steigung, wie man sie bei uns im Weserbergland öfter mal vorfindet, steckt das Stout mit seiner 10-Gang-Schaltung locker weg.

Optik

Der Akku ist vollkommen im Unterrohr versteckt, der Hecknabenmotor fällt auf den ersten Blick kaum auf. Und die Farbe ist ja wohl der Hammer.

Das dicke, schwarze Teil am Sitzrohr ist nicht etwa der Akku, sondern das Fahrradschloss.

Alles in allem finde ich das Fahrrad sehr schick, weil es nicht so klobig daherkommt, wie die üblichen Rentner-Pedelecs, aber auch nicht so spacig wie ein VanMoof.

Die in der Sattelstütze verbauten Rücklichter sind erstaunlich gut sichtbar.

Schwer zu übersehen: Die Rücklichter in der Sattelstütze

Lediglich die Fahrradklingel sieht irgendwie komisch aus, die steht seltsam vom Lenker ab und ist außerdem viel zu leise, daher habe ich sie umgehend gegen eine Rockbros getauscht, die ausgezeichnet zum Fahrrad passt.

Elektronik und App

Nach ein paar Fahrten fühlt sich die Motorunterstützung manchmal etwas unausgewogen an, in diesem Fall kann man eine Sensorkalibrierung durchführen, die man per Smartphone-App auslöst.

Die App, die bei manchen Leuten Probleme zu machen scheint, hat bei mir immer reibungslos funktioniert, auch die Navigation und Aufzeichnung der Fahrten. Aber im Grunde genommen benutze ich mittlerweile die App fast nie, weil die Bedienung mit dem einen zentralen Knopf oberhalb des Tretlagers komplett intuitiv ist.

Voll aufgeladen wird ein grüner Ring angezeigt, der bei zunehmender Akkuentleerung von oben nach unten erst orange und dann immer “röter” wird. So lässt sich auf einen Blick erkennen, wie viel Ladung noch vorhanden ist. Ein- und Ausschalten des Motors ist eh klar, hält man den Knopf 3 Sekunden, schaltet sich die Beleuchtung ein oder aus. Hält man noch etwas länger, schaltet die Elektronik die Unterstützungsstufe um.

Ich habe keine Lust, ständig am Lenker auf ein Display zu gucken, um irgendeinen Schätzwert abzulesen, der mir sagt, wie weit ich noch fahren kann und dann womöglich noch die Unterstützung auf “Eco” oder sowas zu schalten. Das ist ein bisschen wie Bücher lesen auf einem Tablet oder auf einem E-Book-Reader. Beim Tablet wird man immer mal abgelenkt, beim Kindle o.ä. kann man sich aufs Lesen konzentrieren. Mit dem Ampler Stout fährt man einfach nur entspannt Fahrrad.

Die Reichweite liegt bei frühlingshaften Temperaturen und meinem Gewicht bei ca. 60 Kilometer. Ich habe es erst einmal geschafft, den Akku fast leer zu fahren, ansonsten lade ich ihn meist nach 2-3 Fahrten wieder auf. Dafür habe ich mir eine Steckdose mit Countdown-Timer besorgt, damit das Ladegerät nicht dauerhaft über Nacht eingeschaltet bleibt.

Wartung und Reparatur

Das Rad besteht (bis auf Motor und Elektronik) aus Standardkomponenten, die jede Fahrradwerkstatt warten und reparieren können sollte. Außerdem gibt es in einigen größeren Städten Partnerwerkstätten, die man aufsuchen kann, wenn wirklich mal was Gravierendes nicht in Ordnung ist.

Bei einer Fahrt habe ich mir einen senkrecht stehenden Glassplitter voll in den Hinterreifen gefahren, den Schlauchwechsel habe ich selbst vorgenommen, das war völlig problemlos. Man musste nur das Motorkabel lösen, ansonsten war alles genauso wie bei jedem anderen Rad mit Kettenschaltung auch.

Community

Bemerkenswert ist die Facebook-Community rund um die Ampler-Räder. Gerade Deutschland ist offenbar einer der größeren Absatzmärkte für Ampler, und so haben sich auf Facebook auf der Firmenseite bereits viele Fahrradbesitzer eingetragen und unterstützen sich nicht nur gegenseitig, sondern auch Mitarbeiter*innen von Ampler lesen stets mit und geben wertvolle Tipps.

Fazit

Ich hatte seit meiner Jugendzeit noch nie ein Fahrrad, das mir einen solchen Spaß gemacht hat wie das Ampler Stout, und ich fahre immer noch gerne einfach abends eine Runde durch die Stadt und freue mich darüber, wie leichtgängig das alles ist.

Ich kann daher eine klare Kauf- bzw. Leasing-Empfehlung aussprechen, denn das Ampler Stout gibt es auch als Dienstrad bei verschiedenen Leasingpartnern.

Letzten Endes habe ich ja damals mein Motorrad gegen dieses Rad eingetauscht. Und obwohl ich manchmal schon wieder gewisse Lust aufs Moppedfahren hätte: Bereut habe ich den Tausch bisher nicht.

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