Lars Reineke

27. März 2021 – nachmittags

Die US-Präsidentschaftswahl habe ich größtenteils auf nytimes.com verfolgt. Weil ich wissen wollte, wie es da so weitergeht, hatte ich mir für lumpige 2 Dollar im Monat (!) einen Vollzugang geklickt.

Ok, um ehrlich zu sein: Ich habe fast immer nur die Überschriften gelesen, selten mal einen ganzen Artikel. Daher habe ich das Abo jetzt genauso unbürokratisch gekündigt, wie ich es bestellt habe.

Aber ich fand das irre: 2 Dollar. Im Monat. Hierzulande kostet ein entsprechender Zugang das Zehnfache.

Wenn Spiegel, Zeit, Süddeutsche und wie sie alle heißen ihre digitalen Monatsabos für 2 Euro anbieten würden, ich würde sie alle abonnieren.


Gerade eben war ich bei der Packstation, eine Retoure einliefern. Dieser Touch-Screen reagiert so gut wie gar nicht mehr, und wenn, dann nur mit mehreren Sekunden Zeitverzögerung.

Man steht also davor, geht leicht in die Knie, um mit dem Ding auf Augenhöhe zu sein, damit man nicht aus der 1,90-Meter-Perspektive aus Versehen über oder unter den gewünschten Button tippt und fängt an, darauf herumzudrücken. Weil das Teil aber praktisch nie zeitnah reagiert, drückt man schließlich der Reihe nach mit allen Fingern, die einem zur Verfügung stehen, 5-8 mal auf den scheiß “Paket versenden”-Knopf, bis das Ding irgendwann mal die Eingabe akzeptiert.

Das war zu Vor-Pandemie-Zeiten nur ärgerlich, jetzt ist es einfach nur eklig, weil man sich natürlich die ganze Zeit fragt, wer da noch alles mit seinen speicheligen Fingern drauf rumgedrückt hat.

Das Ausdrucken des Einlieferungsbelegs funktioniert auch nicht mehr, stattdessen kann man sich den per Mail zusenden lassen. Die Vorstellung, meine Mailadresse auf diesem Display einzugeben, war dann aber nicht so reizvoll.

Stattdessen war ich ganz froh, immer eine kleine Flasche Desinfektionsgel dabei zu haben, und bin ohne Beleg wieder gefahren. Wird schon ankommen.

15. März 2021 – abends

Die Waschmaschine ist kaputt, sie pumpt das Wasser nicht mehr ab. Wir haben nachgerechnet, und wenn wir uns nicht völlig vertan haben, ist sie jetzt etwa 14 Jahre alt. Alt genug für eine Waschmaschine, wie wir finden.

Außerdem: Ist ja schön, wenn Geräte lange halten, aber mittlerweile haben sich die Anforderungen an Energieeffizienz ja schon ziemlich geändert, und dann noch jahrelang eine Energieschleuder zu betreiben, ist es ja irgendwie auch nicht. Man kann das bestimmt ganz toll ausrechnen, ob es sinnvoll ist, was Neues zu kaufen oder die alte Maschine nochmal reparieren zu lassen, aber unter uns: Neue Dinge sind auch ganz schön.

Also haben wir uns heute eine neue Waschmaschine ausgesucht, die hoffentlich am Wochenende geliefert wird.


Ich versuche derzeit, einen Bogen um Twitter zu machen. So ganz gelingt es mir noch nicht, aber die App ist schon mal nach ganz hinten auf die letzte Seite vom Smartphone gewandert.

Twitter macht mir momentan absolut zuverlässig schlechte Laune.  Da kann der Tag noch so erfolgreich sein, sobald ich da reingucke, sind alle nur am herumempören, das hält man nicht aus.


Heute sind meine neuen PC-Lautsprecher angekommen. Die alten Logitech Z3 waren einfach runter. Die Regler kratzten, der Anschluss war schon wackelig und machte komische Geräusche, und überhaupt war das alles so mumpfig geworden. Viel Bass, ja, aber irgendwie klang das alles matschig.

Also war ich mutig und habe etwas mehr ausgegeben. Teufel Concept C ist es geworden. Nach dem ersten Höreindruck war ich noch nicht so begeistert, aber dann habe ich die Satelliten etwas mehr auf Ohrenhöhe an die Wand gehängt, und holla, das ist mal richtig geil. Satter, kräftiger Bass, und trotzdem hört man alles fein säuberlich differenziert heraus.

Da macht dann auch gleich der Tidal-Account mehr Spaß, den ich zur Zeit ausprobiere. Spotify habe ich ja schon ewig, zwischendurch auch Deezer, aber was mir an Tidal besonders gut gefällt, ist eine Empfehlungsfunktion, bei der nicht nur “ähnliche Interpreten” sondern “ähnliche Alben” angezeigt werden. Das trifft meinen Geschmack häufig viel genauer, weil sich Musiker*innen im Laufe der Karriere ja auch mal stilistisch ändern.

Ich hatte bei Spotify in letzter Zeit den Eindruck, immer wieder dasselbe empfohlen zu bekommen, da wollte ich einfach etwas Abwechslung. Bisher bin ich ganz zufrieden.

6. März 2021 – nachmittags

Mein Ampler Stout macht mir immer noch so viel Spaß, dass ich damit nach wie vor fast jeden Abend noch eine Runde durch die Stadt drehe.

Hat etwas Ähnlichkeit mit Werner Höfer, oder?

Das führt allerdings dazu, dass bei der doch etwas höheren Geschwindigkeit, die man mit diesem Rad fahren kann, jeden Abend mindestens eine Fliege in meinem Auge landet. In der Abenddämmerung jedoch eine Sonnenbrille zu tragen, finde ich ziemlich affig, noch bescheuerter finde ich aber, auf einem eher urbanen Rad mit einer dieser Fahrradschutzbrillen herumzufahren.

Das mit den Fliegen im Auge konnte aber so nicht weitergehen, also habe ich kurzerhand bei Fielmann einen Termin vereinbart und habe mir eine ganz normale Brille mit Fensterglas gekauft.

Das ist jetzt nicht das hochwertigste Modell, und wenn ich eine für den ganzen Tag bräuchte, hätte ich vielleicht ein leichteres Gestellt gewählt, aber für meinen Zweck reicht’s.

1. März 2021 – abends

Mein Zahnarzt ist im vergangenen Jahr verstorben, nach kurzer, offenbar schwerer Krankheit. Wahrscheinlich irgendein Krebs, nehme ich an. Er war geschätzt knapp über 60, so genau wusste ich das nicht. Ich glaube, dass ich nur wenige Menschen kennengelernt habe, die freundlicher gewesen wären als dieser Zahnarzt.

Das hat jedenfalls alle, die ihn kannten, ziemlich getroffen, unter anderem, weil wir auch an seine ebenfalls äußerst netten Mitarbeiterinnen gedacht hatten, die sich nun plötzlich etwas neues suchen mussten.

Kurze Zeit später erreichte uns ein Brief von ihm, bzw. verschickt von seiner Ehefrau, in dem er seinen Patienten eine bestimmte Praxis empfahl, zu der wir zukünftig gehen sollten. Die Praxis kannte ich schon, weil ich mich dort bereits mal behandeln ließ, als er im Urlaub war. Ich war ganz zufrieden, also sind wir schließlich mit der ganzen Familie dorthin gewechselt.

Und siehe da: Neulich war eine Terminbestätigungsnachricht auf unserem Anrufbeantworter, es meldete sich seine frühere Mitarbeiterin von der Anmeldung – sie ist zu unserer neuen Praxis gewechselt. Später habe ich dann noch erfahren, dass auch die Prophylaxe-Assistentin nun dort arbeitet, das hat mich sehr gefreut.


Mit meinen Freunden treffe ich mich ja nun seit ca. Oktober wieder nur noch online, dafür hatte ich bereits vor einem Jahr, im ersten Lockdown, einen Jit.si-Videokonferenz-Server eingerichtet.

Mittlerweile haben wir den Teilnehmerkreis immer mehr erweitert, so dass man dort – wie in einer virtuellen Kneipe – tatsächlich neue Leute kennenlernen kann. Das finde ich schon sehr cool.

Manchmal ist das aber auch etwas anstrengend, immerhin haben manche immer noch keine nennenswerten Videokonferenz-Erfahrungen, und man muss den Neuen dann immer alles von vorne erklären: Hintergrundgeräusche aus, sich nicht zu zweit vorm Rechner unterhalten und so weiter.

Außerdem war der Server total offen, und ich hatte immer Sorge, dass der von irgendwelchen Irren gekapert werden könnte.

Als dann plötzlich am Wochenende jemand Neues in der Runde weitere (mir unbekannte) Freunde eingeladen hatte, die dann erstmal eingewiesen werden mussten, obwohl schon fünf oder sechs Teilnehmer online waren, reagierte ich etwas genervt und schickte dem Einladenden dummerweise noch nachts eine Nachricht, die ich dann am nächsten Tag erstmal abschwächen musste: Ich war darin viel zu grob.

Nichtsdestotrotz habe ich das dann zum Anlass genommen, den Server etwas zu sichern, indem nur noch einige registrierte User einen neuen Chatroom eröffnen können. Das wollte ich eh schon immer mal machen.

Außerdem habe ich mich nochmal bei Markus rückversichert, ob er das ähnlich sieht, und so habe ich alle bisher ungeschriebenen Regeln, die bei uns so gelten, einfach mal in geschriebene Regeln verwandelt und die zur Diskussion gestellt.

Und so wendete sich dann auch dort alles zum Guten, alle stimmten mir zu, dass wir weiterhin auf jeden Fall Neuzugänge willkommen heißen wollen, die „Ersteinweisung” aber ggf. zum Beispiel in einem separaten Raum stattfinden soll, wenn sich bereits im eigentlichen Raum angeregt unterhalten wird.


Ich habe mir ein Kettenreinigungsgerät von Park Tool gekauft, weil ich aus Faulheit meiner Rennradkette immer nur Öl hinzugefügt, aber die Kette nie richtig saubergemacht hatte. Das Tool habe ich heute mal ausprobiert. Holla, kam da ein Gammel raus.

Hier, schauen Sie mal

Gestern bekam ich eine Mail der Onleihe, dass ein von mir vor einigen Wochen vorbestelltes eBook jetzt verfügbar sei. Sehr schön, denke ich, logge mich ein und will es mir ausleihen, da meldet mir das System, dass mein Büchereiausweis abgelaufen sei, und ich solle mich an die örtliche Stadtbücherei wenden.

Mist, stimmt. Ich verlängere meinen Ausweis immer im November. Und weil nun ausgerechnet in diesem November die Stadtbücherei pandemiebedingt geschlossen hat, war es nun an mir, eine Mail zu schreiben. Was man denn da machen könne?

Kein Problem, antwortete mir umgehend eine freundliche Mitarbeiterin, ich müsse lediglich die Jahresgebühr da und dorthin überweisen, und dann solle ich ihr nochmal per Mail Bescheid geben, sie schaltet dann meinen Ausweis wieder frei.

Also überwies ich 20 Euro, machte davon noch einen Screenshot und hängte ihn an meine Mail an.

Nach einer Stunde fiel mir siedend heiß etwas ein. Ich schaute mir nochmal den von mir versendeten Screenshot an, und siehe da, mein Verdacht bestätigte sich:

Ich hatte aus Versehen im Screenshot den aktuellen Kontostand meines Girokontos mitgeschickt. o_O

Naja, keine Ahnung, ob das jetzt hilfreich war oder nicht, jedenfalls bekam ich kurz darauf die Rückmeldung, dass mein Ausweis jetzt wieder gültig sei. Mehr wollte ich ja gar nicht.

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