Lars Reineke

26. April 2021 - abends

Die Süddeutsche Zeitung hat ein Projekt im Vorfeld der Bundestagswahl gestartet, um herauszufinden, wie der Instagram-Algorithmus darauf Einfluss nimmt, welche politischen Inhalte den Benutzer*innen angezeigt werden.

Das funktioniert so, dass man sich im Browser ein Plugin installieren muss, um dann im Anschluss drei vorgegebenen politischen Instagram-Accounts zu folgen. Was das Plugin macht, habe ich nicht so ganz verstanden, zumal ich Instagram ohnehin fast ausschließlich auf dem Smartphone öffne.

Ich wollte da eigentlich mitmachen, aber dann hätte ich u.a. Christian Lindner und der FDP-Bundestagsfraktion folgen müssen, und das habe ich dann doch nicht über mich gebracht.


25. April 2021 - abends

Einen Kindergeburtstag gab es dann doch nicht, obwohl wir kurzzeitig dachten, dass das vielleicht doch irgendwie klappen könnte.

Da ja am Samstag die "Bundesnotbremse" in Kraft treten sollte, schauten wir nochmal genau in die Bestimmungen und hatten schon Hoffnung, denn die hätten "kontaktlosen Sport von bis zu 5 Kindern im Alter bis zu 14 Jahren" erlaubt. Man hätte die Kinder also draußen Inline Skates fahren lassen können, aber verhindern, dass die dann die Köpfe zusammenstecken, kann man ja nicht.

Und überhaupt: Unbeschwert wäre das auch nicht gewesen.

Also haben wir bei den Eltern von zwei Kindern angerufen und die Party erstmal verschoben, bis sich die Lage bessert. Stattdessen durfte nur die beste Freundin - und ohnehin die einzige, die bei uns ins Haus darf (und umgekehrt) - über Nacht bleiben, getestet haben wir uns sicherheitshalber auch noch alle. Am Samstag stellte sich dann noch raus, dass ohnehin erstmal noch die alte Verfügung galt, insofern haben wir die richtige Entscheidung getroffen.

Die beiden haben wir auf Inlinern auf Foto-Safari im Viertel geschickt, wir haben gegrillt, und später haben wir ihnen unser Wohnzimmer überlassen: Mit Disco-Lichtorgel, Bettenlager und Harry Potter 3, während wir uns zurückgezogen und die erste Folge "Chernobyl" gesehen haben und ich dann noch ein Weilchen Jitsi-Meeting betrieben habe.

Keine Ahnung, wann die eingeschlafen sind, aber darum ging's ja, dass sie das selbst bestimmen durften.

Ich glaube, so war's dann doch noch ein ganz schöner Geburtstag. Man muss halt das beste aus der Situation machen.


Am Sonntag dann erstmal ausgeschlafen, gemeinsam gefrühstückt und ansonsten nur rumgegammelt. Bei den Kindern war auch die Luft einigermaßen raus.

Ich habe mir die Folge "Chez Krömer" angesehen, bei der Torsten Sträter zu Gast war und die beiden über die Überwindung ihrer Depression gesprochen haben, und da musste ich doch zwischendurch ganz schön schlucken. Absolut sehenswert.


Müde, aber trotzdem

So, nun ist es wieder soweit, wir sind mehr als drei Tage über 100 und somit Hochinzidenzkommune. Damit gehen wieder verschiedene Verschärfungen einher, zum Beispiel gibt's kein Terminshopping mehr, man darf nur noch eine Person aus einem fremden Haushalt treffen, und Kinder zählen nicht nur bis 6 Jahren nicht dazu, sondern bis einschließlich 14 Jahren.

Ich verstehe das, ehrlich.

Wenn die Infektionszahlen steigen, muss man halt Gegenmaßnahmen einleiten. Ich bin bei allem dabei, nutze die Corona-Warn-App, halte Abstand, lasse mich impfen, treffe niemanden (außer vielleicht mal zum Spazierengehen), bin seit Monaten im HomeOffice, trage FFP2-Maske, wasche meine Hände, kaufe und benutze Selbsttests, teile Tweets von Lauterbach und Drosten, sogar von der Bundesregierung, alles.

Aber jetzt fällt zum zweiten Mal in Folge der Geburtstag unserer Tochter ins Wasser, und wir hatten schon extra alles so sicher wie möglich geplant: Nur drei Kinder, aus derselben Lerngruppe, alle machen vorher Selbsttests, und das Wenige, das stattfindet, findet draußen statt.

Versucht mal, einem Kind zu erklären, dass das nicht geht, wenn es mit dreimal so vielen Kindern jeden 2. Tag zusammen im Klassenraum sitzen muss.

Ich bin müde.


Wir haben gegrillt. Mein Vegetarismus ist mittlerweile erstmal zum Erliegen gekommen, es gibt allerdings bei weitem nicht mehr so häufig und beiläufig Fleisch wie früher, und wenn, dann teures. Ich weiß, dass das nicht reicht, um den Klimawandel aufzuhalten, aber naja, mehr ist bei mir im Moment nicht drin, Müdigkeit, wissenschon.

Wir haben uns zum Hochzeitstag nämlich einen Gasgrill geschenkt. Wenn man schon nirgendwohin kann, findet gesellschaftliches Leben maximal mit wenigen Freunden auf der Terrasse statt, und dann grillt man halt.

Ein Freund, den ich beim Online-Biertrinken kennengelernt habe, gab mir auf die Frage, was man mit dem Seitenbrenner vom Grill so anfangen kann, den Tipp, darin für Burger Zwiebeln zu dünsten, idealerweise mit viel Butter in einer Gusseisenpfanne. Die fehlte mir allerdings noch, also habe ich vorgestern eine bei Amazon bestellt.

Fünf Minuten, nachdem ich den Grill zum Vorheizen eingeschaltet hatte, klingelte der Lieferbote an der Tür und brachte die Pfanne. Das ist mal Timing.

Also gab es gestern Burger mit gedünsteten Zwiebeln, und das war sehr lecker. Beim nächsten Mal auch gerne wieder mit vegetarischen Burgerpatties, für's Gewissen.


Schwiegervater (über 70) ist seit Ostern geimpft, der hat sich aus den Restbeständen, die die Landesregierung Nordrhein-Westfalen wegen des AstraZeneca-Stopps an Senioren verteilt hat, erstmal mit viel Geduld und "an drei PCs in allen Browsern F5 drücken" die Impfe gesichert und den ersten Schuss gut vertragen. Schwiegermutter (auch über 70) hat 30 Minuten am Smartphone verbracht und jetzt auch einen Termin.

Ich wurde im März mit AstraZeneca geimpft, auch ohne größere Impfreaktion, nur auf der linken Seite konnte ich schlecht schlafen, deshalb war ich am Folgetag etwas müde und hatte leichten Kopfschmerz. Nach einer Grippostad war aber alles wieder im Lot. Meinen zweiten Termin habe ich noch nicht, ich weiß nicht mal, womit ich dann wohl geimpft werde, aber ich würde auch AstraZeneca nochmal nehmen.

Es geht also voran.

Nicht aufgeben.

Das wird schon irgendwie weitergehen.

Muss ja.


20. April 2021 - abends

Vor ein paar Monaten hatte ich mir ein Digitalabo der ZEIT zugelegt, nicht das erste Mal übrigens.

Nun ja, jetzt habe ich es wieder gekündigt. Der Grund war derselbe wie bei der New York Times: Ich habe zu wenige Texte gelesen, wobei ich die längeren Stücke noch am interessantesten fand, aber die tagesaktuellen Artikel unterschieden sich letztlich kaum von denen anderer Onlinemagazine, waren vielleicht eine Spur konservativer, und manche fand ich einfach nur blasiert.


Das ist mir aufgefallen, als die Amazon Prime Mini-Serie "Last One Laughing" besprochen wurde. Während ich bei Spiegel Online den Eindruck hatte, dass da jemand fair und unvoreingenommen selbst mit länger nicht mehr sichtbar gewesenen Comedians (z.B. Mirco Nontschew) umgegangen ist, war der ZEIT-Autor sichtlich bemüht, kein gutes Haar an der Sache zu lassen. Überhaupt sei der deutsche Humor ja bestenfalls minderwertig, das sei alles niveaulos, und so weiter.
Mit der Haltung bin ich dann an die Sendung gegangen und musste feststellen, dass das eine der lustigsten gewesen ist, die ich seit langem gesehen hatte.
Allein die Szene, in der Max Giermann neben Torsten Sträter stehend eben diesen absolut perfekt parodiert, ist Gold wert. Wer die Möglichkeit hat: Unbedingt anschauen.
Ich hatte danach jedenfalls erstmal keine Lust mehr auf ein Abo der ZEIT.


Stattdessen habe ich mir ein Abo eines Magazins zugelegt, von dem ich gar nicht wissen will, wie ZEIT-Autoren das finden: Das Rock Hard nämlich.
Ich war früher mal Kuttenträger, habe meinen Musikgeschmack schon seit meiner frühen Jugend im Metal verortet und diese Zeitschrift damals regelmäßig gelesen. Schließlich musste man ja wissen, welche aktuellen Alben unbedingt gekauft und gehört werden mussten, immerhin konnte man sich damals nur höchstens 2 davon im Monat leisten.
Kürzlich war ich dann zufällig auf der Webseite des Rock Hard, wo für das aktuelle Heft angekündigt wurde, dass man sich dort unter anderem dem Thema "Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien" (BPjM) widmen würde. Das fand ich ganz interessant und habe mir das Exemplar bestellt.
Kurz gesagt: Ich war begeistert.

Sie haben natürlich "Cannibal Corpse" (eine, was Texte und Cover angeht, ziemlich extreme Band) anlässlich ihres aktuellen Albums interviewt, aber es kam auch ein Musikwissenschaftler zu Wort, außerdem ein Plattenfirmenmanager, aber auch der stellvertretende Vorsitzende der BPjM konnte seine Sicht der Dinge darlegen.
Ich fühlte mich hinterher jedenfalls gut und ausgewogen informiert, und weil ich mich immer noch dafür interessiere, was an aktuellen Alben auf den Markt kommt, habe ich kurzerhand ein Jahresabo abgeschlossen.

\m/ (Das ist eine Pommesgabel.)

Die jeweiligen Ausgaben werde ich aber wohl vor meiner Tochter verstecken bzw. mit der Titelseite nach unten hinlegen müssen, sonst bekommt die Albträume.


Einfach beigehen

Heute habe ich wieder mal den Effekt bemerkt, der sich einstellt, wenn man an lange vor sich hergeschobene Aufgaben einfach mal beigeht, wie man bei uns so sagt.

Eigentlich weiß man nämlich schon die ganze Zeit, welcher Aufwand einen erwartet, und in aller Regel ist der auch bei den meisten Dingen gar nicht so hoch. Die Abneigung gegenüber der Aufgabe steigt jedoch leider im gleichen Maße, je länger man das zu Erledigende vor sich herschiebt.

Ich betreue ja das freie Lastenrad hier vor Ort, und seit Monaten gibt es eine neue Version des Buchungssystems. Weil die Migration nicht auf Anhieb in der ersten (neuen) Version geklappt hatte, habe ich damals alles wieder zurückgedreht und mir gesagt: "Ach ja, da muss ich auch noch beigehen." Und dabei blieb es dann.

Und immer, wenn die nächste und die nächste und die nächste Version veröffentlicht wurde, dachte ich mir: "Uh, das schiebe ich schon so lange vor mir her, das wird bestimmt ein Riesenaufwand, uiuiui, da muss ich mir mal ordentlich Zeit für nehmen, geht ja auch nicht, dass das schon so lange vor sich hindümpelt."

Und jetzt bin ich einfach mal beigegangen, habe die Migration nochmal gemacht, sie hat wieder nicht geklappt, dann habe ich mich da kurz eingelesen, und nach 30 Minuten war der ganze Bums erledigt, und es funktionierte wieder alles.

Ich hätte mir also den ganzen Stress, den ich mir selber durch das ständige Verschieben gemacht hatte, sparen können.

Sehr schön (auch grafisch) verdeutlicht wird das übrigens in diesem Artikel (vor allem, wenn man mehrere Dinge vor sich herschiebt):

How to Get Yourself to Do Things


13. April 2021 - nachmittags

Heute Morgen habe ich das Buch "Das Seidenraupenzimmer" von Sayaka Murata zu Ende gelesen. Es hat nur etwa 250 Seiten, also war ich damit innerhalb von zwei Tagen durch. Wenn ich das Buch in so wenigen Worten wie möglich zusammenfassen müsste, wäre es wohl "What. The. Fuck."

Es kommen darin Kindesmissbrauch, Vergewaltigung, Inzest, Mord und Kannibalismus vor. Und selbst jenen, die das tolerieren können, würde ich diesen Roman nicht uneingeschränkt empfehlen. Ich weiß immer noch nicht, ob ich ein Kunstwerk oder kompletten Trash gelesen habe. Entsprechend uneins sind sich die Rezensenten auf Goodreads.


Ich war heute beim Lokalradio und habe in meiner Funktion als ehrenamtlicher Fahrradbeauftragter der Stadt ein bisschen was über die derzeitige Radfahrsituation vor Ort erzählt. Es war ein sehr entspanntes Interview, obwohl der eine oder andere Entscheidungsträger nicht so gut dabei weggekommen ist. Aber muss auch mal sein.

Gesendet wird der ganze Spaß am Sonntagvormittag, von 10 bis 11 Uhr.


Nach Feierabend war ich Joggen, obwohl seit ein paar Tagen mein Bein schmerzt. Ich schiebe das aber auf meinen verdrehten Rücken und die daraus hervorgehende Schonhaltung. Da hilft ja bekanntlich nur Bewegung, Bewegung, Bewegung. Also habe ich mich dann doch aufgerafft und wurde bei 8°C damit belohnt, die letzten 500 Meter auch noch durch Regen laufen zu müssen. Jetzt tut mir mein Rücken erst recht weh.

Aber wie mein Kumpel immer sagt: "Man darf sich von seinem Körper nicht alles gefallen lassen."


Zum Abendessen gab es Senfeier mit Kartoffeln, dazu für alle außer mir Spargel, weil ich den nicht mag. Um sicherzugehen, habe ich nach Jahren mal wieder ein Stück davon probiert, stellt sich raus: Ich find's immer noch widerlich.

Wenn ich daran denke, was in Deutschland jedes Jahr für ein Bohei um diesen scheiß Spargel gemacht wird, mit Tausenden von extra angekarrten Arbeitskräften, die das Zeug auch noch in einer elenden Schinderei ernten müssen, frage ich mich wirklich, ob man diese Ressourcen nicht sinnvoller nutzen könnte. Als Erzieher*innen zum Beispiel oder in der Pflege.


Auf Vorrat

Wir hatten hier neulich zwei Tage hintereinander eine 7-Tage-Inzidenz von gerade mal so über 100, und ein weiterer Tag hätte bedeutet, dass wieder verschiedene Lockerungen hätten zurückgenommen werden müssen.

Aber nein, Glück gehabt, es fügte sich, dass wir am dritten Tag wieder knapp unter der 100er-Grenze vorbeischrammten, die Geschäfte durften weiterhin Termine für Ladenbesuche vergeben (statt vorbestellte Waren nur herausreichen zu dürfen), und auch die Kontaktregeln blieben so, wie sie auch immer gerade waren, so genau weiß das ja derzeit keiner.

Da kam mir der Gedanke, ob wohl manche Einwohnermeldeämter ein paar Anmeldungen von Bürgerinnen in der Hinterhand haben, vielleicht ein paar Neugeborene oder kürzlich erst Zugezogene, die sie dann, wenn's nicht mehr reicht, einfach aus der Schublade holen und schnell noch nachmelden, damit die Gesamtzahl der Einwohnerinnen gerade wieder hoch genug ist und die Inzidenz unter die magische Grenze rutscht.

Neubürger*innen auf Vorrat, sozusagen.

Aber das wäre ja schon fast eine Verschwörungstheorie, und an sowas beteilige ich mich grundsätzlich nicht.


Doch kein Tidal

Nach ein paar Wochen Tidal-Nutzung habe ich mich nun doch entschieden, weiterhin bei Spotify zu bleiben.

Die Empfehlungen waren tatsächlich mal was Anderes, und ich habe einige mir zuvor unbekannte Künstler entdeckt, aber das war - zumindest aus meiner Sicht - der einzige Vorteil, den ich durch Tidal hatte, und das allein rechtfertigt für mich nicht ein Abo eines weiteren Musikstreamingdienstes.

Immer wieder führte die Suche zu namensgleichen Künstlern, was vorkommen kann. Aber wenn ich dann den richtigen Künstler ausgewählt habe, möchte ich nicht auch die Alben des anderen Künstlers sehen, für den ich mich überhaupt nicht interessiere.

Ich mach mal ein Beispiel: Ich höre gerne die kalifornische Hardcore-Band "Terror". Suche ich danach bei Spotify, finde ich als Top-Treffer eben diese Band, klicke ich auf "Künstler", sehe ich, dass es offenbar auch einen HipHop-Künstler gibt, der sich so nennt. Nun gut, ist ja ok, denn wenn ich auf den Hardcore-Treffer klicke, werden mir bei Spotify nur Alben der Hardcore-Band angezeigt.

Tidal listet aber unter dem Hardcore-Treffer auch die HipHop-Alben auf, die mich überhaupt nicht interessieren.

Einige Alben anderer Künstler wiederum hatte Tidal zum Beispiel einfach gar nicht, Spotify aber schon.

Überhaupt war diese HipHop-Lastigkeit bei Tidal fürchterlich nervig. Klicke ich bei Tidal auf "Entdecken" und scrolle zu "Für Dich empfohlene Künstler", listet mir Tidal stoisch Kendrick Lamar, Beyonce, Kanye West und Jay-Z auf, obwohl ich auf Tidal vermutlich keine 2 Minuten R&B oder HipHop gehört habe.

Meine Ohren hören ehrlich gesagt auch keinen besonderen Unterschied in der Soundqualität zwischen beiden Streamingdiensten. Glückwunsch, wenn es anderen Leuten anders geht.

Also gehe ich wieder zurück zu Spotify, und wenn ich mal ein paar neue Vorschläge haben möchte, suche ich mir eine ähnliche Künstler*in oder Band und schaue nach, ob die in irgendeiner kuratierten Playlist auftaucht. Und die Playlist höre ich dann.


2. April 2021 - mittags

Ich war Joggen. Ich bin noch lange nicht bei meiner alten Form angekommen, als ich für einen Kilometer weniger als 6 Minuten brauchte, und ich weiß auch gar nicht, ob ich das überhaupt will, aber es wird langsam.

Momentan wiege ich so um die 100 Kilogramm, was etwas zu schwer ist. Aber dafür laufe ich nicht, ich laufe, um einigermaßen fit zu sein.

Früher bin ich immer mit Kopfhörern gelaufen, aber das mache ich nicht mehr. Meistens laufe ich ohnehin mit meiner Frau zusammen, manchmal ist noch eine Freundin von uns dabei, aber heute war ich alleine unterwegs.


Als wir das letzte Mal am Dienstag mit der Freundin laufen waren, haben wir uns hinterher noch kurz auf dem Bürgersteig unterhalten, als ich aus dem Augenwinkel eine ältere Frau im Hauseingang gegenüber zusammenbrechen sah.

Sie muss wohl entweder gestolpert sein oder das Gleichgewicht verloren haben, jedenfalls ist sie mit Schmackes zu Boden gegangen und auf ihr Knie gefallen.

Wir sind sofort zu ihr rübergelaufen und haben uns um sie gekümmert. Ich habe von uns noch zwei Masken und einen Becher Wasser geholt, aber den hat sie abgelehnt. Wir haben sie bis zu ihrer Wohnung begleitet, und dann war sie auch schon wieder ganz gut beieinander.

Gestern kam sie kurz zu uns rüber und hat für die Tochter einen Schokoladenhasen vorbei gebracht.


Ampler Stout

Im September habe ich mir mein erstes Pedelec gekauft, ein Ampler Stout aus Estland, wie ich an anderer Stelle ja schon mal erwähnt habe. Testberichte gibt es darüber bereits einige im Netz zu finden, und weil anderswo bereits jede Menge zur Technik des Rades geschrieben wurde, will ich hier nur meine persönlichen Eindrücke wiedergeben.

Bestellung und Lieferung

Kurz nach der Bestellung erhält man ein paar Mails von Ampler, in denen schon mal vorab beschrieben ist, wie man das Rad auspackt, aufbaut und zum ersten Mal in Betrieb nimmt. Das erhöht die Vorfreude, und tatsächlich sind es nur wenige Handgriffe, bis das Rad fahrbereit ist.

Lenker gerade stellen, Pedale dranschrauben, Reflektoren dranklicken, fertig. Das Werkzeug dazu ist mitgeliefert, alles zusammen kommt per Spedition in einem sehr stabilen Karton. Den habe ich zunächst ein paar Wochen aufbewahrt, man weiß ja nie. Irgendwann habe ich ihn dann aber doch entsorgt, wofür ich ihn allerdings mit einem Teppichmesser zerschneiden musste: Falten kann man das Ding nicht.

Fahreindruck

Ohne Motorunterstützung hat man ein eher schwerfälliges City-Rad, mit eingeschaltetem Motor hingegen macht das Rad unglaublichen Spaß.

Weil man kein Display und keine Lenkerbedienelemente hat, vergisst man nach kurzer Zeit, dass man elektrisch unterstützt wird. Der Motor liefert abhängig vom Pedaldruck seine Leistung ab und das nahezu lautlos.

Es fühlt sich einfach wie ganz normales Radfahren an, bei dem alles, was nervt, eliminiert wurde: Gegenwind und Hügel.

Ich fahre meist mit etwas reduzierter Unterstützung, trotzdem bin ich innerhalb kürzester Zeit mit 25 km/h unterwegs, und dann gleitet man nur so dahin.

Die Rahmenhöhe ist für meine Körpergröße absolut perfekt, ich hatte praktisch noch nie ein Rad, bei dem ich auf Anhieb so komfortabel auch auf längeren Strecken sitzen konnte. Die dicken Reifen federn Unebenheiten ganz gut weg, wer es bequem mag, belässt es bei einem Reifendruck von 4 Bar. Das geht dann zwar etwas auf die Reichweite, aber das hängt natürlich vom persönlichen Fahrverhalten ab.

Für wirklich steile Anstiege oder unwegsames Gelände ist das Rad nicht wirklich geeignet, aber so eine innerstädtische 10%-Steigung, wie man sie bei uns im Weserbergland öfter mal vorfindet, steckt das Stout mit seiner 10-Gang-Schaltung locker weg.

Optik

Der Akku ist vollkommen im Unterrohr versteckt, der Hecknabenmotor fällt auf den ersten Blick kaum auf. Und die Farbe ist ja wohl der Hammer.

Das dicke, schwarze Teil am Sitzrohr ist nicht etwa der Akku, sondern das Fahrradschloss.

Alles in allem finde ich das Fahrrad sehr schick, weil es nicht so klobig daherkommt, wie die üblichen Rentner-Pedelecs, aber auch nicht so spacig wie ein VanMoof.

Die in der Sattelstütze verbauten Rücklichter sind erstaunlich gut sichtbar.

Schwer zu übersehen: Die Rücklichter in der Sattelstütze

Lediglich die Fahrradklingel sieht irgendwie komisch aus, die steht seltsam vom Lenker ab und ist außerdem viel zu leise, daher habe ich sie umgehend gegen eine Rockbros getauscht, die ausgezeichnet zum Fahrrad passt.

Elektronik und App

Nach ein paar Fahrten fühlt sich die Motorunterstützung manchmal etwas unausgewogen an, in diesem Fall kann man eine Sensorkalibrierung durchführen, die man per Smartphone-App auslöst.

Die App, die bei manchen Leuten Probleme zu machen scheint, hat bei mir immer reibungslos funktioniert, auch die Navigation und Aufzeichnung der Fahrten. Aber im Grunde genommen benutze ich mittlerweile die App fast nie, weil die Bedienung mit dem einen zentralen Knopf oberhalb des Tretlagers komplett intuitiv ist.

Voll aufgeladen wird ein grüner Ring angezeigt, der bei zunehmender Akkuentleerung von oben nach unten erst orange und dann immer "röter" wird. So lässt sich auf einen Blick erkennen, wie viel Ladung noch vorhanden ist. Ein- und Ausschalten des Motors ist eh klar, hält man den Knopf 3 Sekunden, schaltet sich die Beleuchtung ein oder aus. Hält man noch etwas länger, schaltet die Elektronik die Unterstützungsstufe um.

Ich habe keine Lust, ständig am Lenker auf ein Display zu gucken, um irgendeinen Schätzwert abzulesen, der mir sagt, wie weit ich noch fahren kann und dann womöglich noch die Unterstützung auf "Eco" oder sowas zu schalten. Das ist ein bisschen wie Bücher lesen auf einem Tablet oder auf einem E-Book-Reader. Beim Tablet wird man immer mal abgelenkt, beim Kindle o.ä. kann man sich aufs Lesen konzentrieren. Mit dem Ampler Stout fährt man einfach nur entspannt Fahrrad.

Die Reichweite liegt bei frühlingshaften Temperaturen und meinem Gewicht bei ca. 60 Kilometer. Ich habe es erst einmal geschafft, den Akku fast leer zu fahren, ansonsten lade ich ihn meist nach 2-3 Fahrten wieder auf. Dafür habe ich mir eine Steckdose mit Countdown-Timer besorgt, damit das Ladegerät nicht dauerhaft über Nacht eingeschaltet bleibt.

Wartung und Reparatur

Das Rad besteht (bis auf Motor und Elektronik) aus Standardkomponenten, die jede Fahrradwerkstatt warten und reparieren können sollte. Außerdem gibt es in einigen größeren Städten Partnerwerkstätten, die man aufsuchen kann, wenn wirklich mal was Gravierendes nicht in Ordnung ist.

Bei einer Fahrt habe ich mir einen senkrecht stehenden Glassplitter voll in den Hinterreifen gefahren, den Schlauchwechsel habe ich selbst vorgenommen, das war völlig problemlos. Man musste nur das Motorkabel lösen, ansonsten war alles genauso wie bei jedem anderen Rad mit Kettenschaltung auch.

Community

Bemerkenswert ist die Facebook-Community rund um die Ampler-Räder. Gerade Deutschland ist offenbar einer der größeren Absatzmärkte für Ampler, und so haben sich auf Facebook auf der Firmenseite bereits viele Fahrradbesitzer eingetragen und unterstützen sich nicht nur gegenseitig, sondern auch Mitarbeiter*innen von Ampler lesen stets mit und geben wertvolle Tipps.

Fazit

Ich hatte seit meiner Jugendzeit noch nie ein Fahrrad, das mir einen solchen Spaß gemacht hat wie das Ampler Stout, und ich fahre immer noch gerne einfach abends eine Runde durch die Stadt und freue mich darüber, wie leichtgängig das alles ist.

Ich kann daher eine klare Kauf- bzw. Leasing-Empfehlung aussprechen, denn das Ampler Stout gibt es auch als Dienstrad bei verschiedenen Leasingpartnern.

Letzten Endes habe ich ja damals mein Motorrad gegen dieses Rad eingetauscht. Und obwohl ich manchmal schon wieder gewisse Lust aufs Moppedfahren hätte: Bereut habe ich den Tausch bisher nicht.