Saint-Aubin-sur-Mer
Weiter geht es nach Frankreich, genauer gesagt, nach Saint-Aubin-sur-Mer, das in der Normandie genau zwischen den Stränden Juno und Sword liegt. Auf dem Weg dorthin lernen wir die französischen Mautstrecken kennen und sind zunächst noch etwas unsicher, am dritten Ticketschalter allerdings kehrt Routine ein. Am komfortabelsten sind schließlich die "Flux libre"-Mautstrecken, die beim Durchqueren das Kennzeichen scannen und man dann 72 Stunden Zeit hat, auf einer auf Schildern ausgewiesenen Webseite den Mautbetrag zu entrichten.
Unser Campingplatz ist sehr luxuriös ausgetattet, mit Snackbar, Restaurant, einem kleinen Lädchen und einem Hallen- und Freibad zur freien Benutzung. Das WLAN ist etwas schwachbrüstig, aber zur Not kann ich mir mit meinem mobilen Smartphone-Hotspot gut behelfen. Es ist alles sehr familienfreundlich, überall fahren kleine Kinder auf kleinen Fahrrädern umher und alle paar Minuten schreit irgendwo ein Säugling seinen Unmut in die Welt, woran man sich einerseits gewöhnt, andererseits froh ist, aus dieser Phase des Elternseins raus zu sein.
Nicht nur auf dem Campingplatz sind die Franzosen sehr freundlich und zuvorkommend. Wir können kaum französisch, aber für den alltäglichen Einkauf und Restaurantbestellungen kommen wir mit "Bonjour / Bonsoir", "Je voudraix irgendwas sil vout plait", "Merci" und "Au revoir" bestens zurecht. Und weil die Leute spätestens an unserem fiesen Akzent sofort merken, dass wir nicht von hier sind, oder weil wir bei Rückfragen schulterzuckend doof gucken, geht es dann auch einfach oft auf Englisch weiter, was hierzulande entgegen aller Vorurteile jeder beherrscht.
Weil hier jede Straße, jedes Denkmal und jede Gedenktafel an die Landung der Alliierten in der Normandie erinnert, bemühen wir uns, die freundlichsten Deutschen zu sein, die diese Region seit 1945 gesehen hat. Einem Mann, der an der Kasse sein Smartphone vergessen hat, rufen wir "Pardon Monsieur" hinterher, und er bedankt sich freudestrahlend. Eine Frau auf einem Parkplatz fragt uns erst auf französich, dann auf englisch, ob wir vorhaben, loszufahren, weil sie und ihre Familie keine freie Parkbucht gefunden haben. Wir geleiten sie zu unserem Stellplatz, fahren los, und alle drei winken uns noch einmal zu und rufen "Merci", "Au revoir" und "Bonne journee!".
Den Geschichtsteil unserer Reise absolvieren wir gleich an einem der ersten Tage. Wir fahren zum Normandy American Cemetery and Memorial am Omaha Beach. Es sind nur sehr vereinzelt Deutsche dort, und beim Anblick der fast 10.000 Grabkreuze herrscht eine sehr andächtige Stimmung voller Demut.

Wir besuchen das Overlord-Museum, das jedoch weniger Wert auf Informationsvermittlung legt, sondern eher versucht, "typische" Szenen mit den vorhandenen Exponaten darzustellen, was leider manchmal ungewollt kitschig und klischeehaft wirkt.
Wir fahren hinunter zum Omaha Beach, und weil ein äußerst heftiger Wind den Atlantik in mächtigen Wellen an den Strand wirft, bekommen wir zumindest einen kleinen Eindruck, was die alliierten Soldaten in den schaukelnden Landungsbooten ausgehalten haben müssen.

Einer der Bunker ist praktisch komplett erhalten und begehbar. Ich schaue von innen am ebenfalls erhaltenen Geschütz vorbei auf den Ärmelkanal und bekomme eine Vorstellung, mit welcher Angst wahrscheinlich auch die deutschen Soldaten die überwältigende Alliiertenflotte erwartet haben müssen.
Krieg ist scheiße.
