Brügge
Weil uns die Autofahrt zu lang ist, um sie in nur einer Etappe zu absolvieren, bauen wir in unsere Urlaubsanreise in die Normandie noch einen Schlenker ein und übernachten im belgischen Brügge.
Die Fahrt ist zunächst relativ ereignislos, kurz vor dem Erreichen von Brügge beginnen einige Belgier jedoch, völlig erratische Spurwechsel vorzunehmen, für die sie in Deutschland sofort verhaftet würden. Während wir relativ unbeirrt in der rechten Spur mit knapp 110 km/h dahinrollen, bietet sich vor uns ein Bild, als stünden die anderen Autofahrer alle unter Artilleriebeschuss. Zwei müssen sogar rechts auf den Standstreifen, weil es offenbar zwischen ihnen eine kurze Kollision gegeben hat. Nur zwei, möchte ich hinzufügen.
Während die Autofahrkünste eher zweifelhaft scheinen, kann man den Brüggern in Sachen Autoabstellen nichts vormachen. Die Tiefgarage ist genau so, wie man das macht, wenn man eine autofreie Innenstadt haben möchte. Auf jeder Ebene wird angezeigt, wo in welcher Richtung noch wie viele Stellplätze frei sind, auch die Anzahl der freien Elektroladesäulen wird angegeben. Jede Parkbucht hat eine rot / grüne Anzeige, ob sie gerade belegt ist, im Hintergrund läuft beruhigende Akustikgitarrenmusik, alles ist ausreichend hell erleuchtet, die Fußgängerwege sind genau abgetrennt und markiert, und der ganze Spaß kostet von 18:00 bis ca. 9:00 Uhr morgens gerade mal 8 Euro 60 Cent.
Die Innenstadt von Brügge ist wunderschön. Punkt.
Abends suchen wir dann noch eine Wenn-man-schonmal-da-ist-Gelegenheit, um das Fußball-WM-Spiel Belgien gegen Spanien rudelgucken zu können. Wir finden ein Restaurant, das einen Fernseher draußen aufgestellt hat, vor dem sich bereits einige Gäste plaziert haben. Wir setzen uns dazu und beobachten, wie es immer mehr Menschen in das Restaurant zieht, die das Spiel sehen möchten. Uns fällt plötzlich auf, dass wir in einer spanischen Tapas-Bar sitzen und überlegen, ob es wirklich eine gute Idee war, Belgien anzufeuern. Bei der nächsten Torchance sind die Verhältnisse jedoch schnell geklärt, das scheinen alles Fans der belgischen Mannschaft zu sein. Ob allerdings der eine oder andere Kellner den letztlichen Sieg der Spanier innerlich bejubelt, entgeht unserer Aufmerksamkeit. Und nur weil "Spanisches Restaurant" draufsteht, muss das ja nicht heißen, dass da auch Spanier arbeiten, mein Lieblingsitaliener wird ja auch von Portugiesen betrieben, also bitte.