Lars Reineke

Privatspielplätze

Was ist das eigentlich für eine seltsame Entwicklung in Kleinstädten und Vororten, dass Eltern ihren Kindern mittlerweile komplette Privatspielplätze für den Garten zusammenkaufen?

Der nächste öffentliche Abenteuerspielplatz ist fünf Minuten Fußweg entfernt, aber in den Gärten stehen heutzutage mindestens ein Sandkasten, eine Rutsche, eine Schaukel, ein Trampolin und ein Holzhaus auf Stelzen mit Klettergerüst.

Wie geht das weiter? Autoscooter für Einzelkinder mit eigenem Angestellten, der die Plastikchips einsammelt und die leerstehenden Autos wieder einparkt? Holzachterbahn mit Todesspirale und Looping in der Vorortsiedlung? Ein eigenes Delfinarium? Pools mit Wasserrutsche und Dreimeterbrett im Vorgarten?

Zugegeben, wir haben unserer Tochter auch schon den einen oder anderen Krempel gekauft, der dann vielleicht zweimal genutzt wurde. Was soll’s, abgehakt unter “Fehlkauf” und in aller Regel weiterverschenkt.

Aber wäre es nicht besser, wir Eltern würden alle mal wieder auf den Boden herunterkommen und das Geld lieber für öffentliche Spielgeräte ausgeben, damit sich alle Kinder – auch die von weniger reichen Eltern – auf Spielplätzen austoben können? 

Das ganze hätte dann auch gleich den Nebeneffekt, dass der Nachwuchs lernt, Rutsche, Schaukel, Trampolin und Sandkasten mit anderen, ja sogar fremden(!), Kindern zu teilen. Ich stelle mir das zumindest recht sinnvoll vor, dass das Kind an das Konzept “Es gibt noch andere Menschen außer mir” herangeführt wird, bevor die allgemeine Schulpflicht einsetzt.

Aber wahrscheinlich ist das wieder mal nur so ein sozialistischer Gedanke von mir.