Lars Reineke

15. Juli 2020 – mittags

Ich bin etwas spät dran, aber der Webrocker beschrieb bereits vor ein paar Wochen ganz treffend das Dilemma, das ich auch mit meinem eigenen Blog hatte.

Auf Twitter hat man jahrelang nebenbei seinen Alltag kommentiert, aber wenn man dann mal etwas längeres schreiben wollte, dann musste das unbedingt pointiert und durchdacht und geistreich sein. Warum? Warum nicht einfach zugeben, dass man doch auch keine Ahnung hat? Ist doch nicht schlimm.

Ich hatte keine Lust mehr auf diese ganze Seht-her-wie-zynisch-ich-die-ganze-Scheiße-kommentieren-kann-Selbstdarstellung auf Twitter und sonstwo. Alle überbieten sich gegenseitig so lange in ihrer Abgeklärtheit, bis einfach alles zu viel wird.

Ich habe mit dem Bloggen und vor allem auch dem Bloglesen wieder angefangen, weil ich mich wieder mit Menschen verbinden möchte, die “Ich weiß es doch auch nicht” schreiben können, ohne sich dabei einen Zacken aus der Krone zu brechen. Und manchmal tut es ganz gut zu sehen, dass andere genauso verwirrt durch die Gegend laufen wie man selbst.

Scheiß auf die messerscharfe Analyse. Man muss nicht zu allem eine fertige Meinung haben. Ich muss nicht zu allem eine fertige Meinung haben.

Und trotzdem darf ich mir öffentlich darüber Gedanken machen. Ist doch super.