Lars Reineke

Bullet Journal

Seit einiger Zeit begegnet mir hin und wieder eine anscheinend relativ neue Methode, ein Notizbuch zu führen und damit seine Aufgaben, Termine und Notizen zu verwalten. So habe ich davon unter anderem beim Kinderdok aber auch auf verschiedenen SocialMedia-Plattformen (z.B. bei Julia) davon gelesen.

Keine Ahnung, was nun genau der konkrete Anlass war, aber seit ein paar Wochen führe ich ebenfalls ein sogenanntes "Bullet Journal".

Nachdem ich ungefähr acht bis zehn (kein Witz) verschiedene Todo-Web- und -iOS-Apps ausprobiert und etliche Systeme miteinander kombiniert habe, versuche ich meiner Aufgaben wieder ganz old school mit einem Notizbuch Herr zu werden.

Was ist das?

Aber zunächst erstmal eine kurze Erklärung, was ein Bullet Journal eigentlich ist.

Erfunden wurde es von einem New Yorker Produktdesigner namens Ryder Carroll und ist im Grunde erstmal nichts weiter als ein handelsübliches Notizbuch, das man selbst mit Leben füllt und das einer gewissen Methodik folgt, welche sich jedoch individuell anpassen lässt.

Anders als bei einem Terminplaner, den es jährlich neu zu kaufen gibt, legt man sich dabei seine Kalenderseiten selbst an, bzw. verzichtet auf alles, was man nicht braucht.

Die Grundelemente eines Bullet Journals sind:

  • Der Index, in dem die jeweilige Seitenzahl der nachfolgend beschriebenen Module verzeichnet wird.
  • Ein "Future Log", in dem man zukünftige Termine und Aufgaben notiert.
  • Ein "Monthly Log", bestehend aus einer Doppelseite, wobei links die Monatsübersicht und rechts die für diesen Monat geplanten Aufgaben festgehalten werden.
  • Ein "Daily Log", in dem man fortlaufend (ohne Sortierung) Aufgaben, Ereignisse und Notizen aufschreibt.
    • Vor die Einträge kommen dabei verschiedene Symbole:
      • ο Ereignisse
      • • Aufgaben
      • – Notizen
  • Außerdem können weitere "Collections" angelegt werden, also Listen mit zusammengehörigen Dingen, wie zum Beispiel eine Bücherliste, Projektpläne etc.

Üblicherweise schaut man morgens und abends noch Mal in aller Ruhe in sein Journal und hakt Erledigtes ab, bzw. plant den nächsten Tag.

Hat man eine Aufgabe erledigt, macht man aus dem • ein ×.

Am Monatsende geht man hin, schaut durch sein Daily Log und guckt nach, ob noch Aufgaben unerledigt sind. Werden sie auf einen zukünftigen Monat verschoben, wird aus dem • ein < und man trägt sie im Future Log ein (das sich vom Daily Log aus gesehen ja links im Notizbuch) befindet. Sollen sie bald erledigt werden, kommen sie ins neue Monthly Log (im Notizbuch weiter nach rechts) und aus dem • wird ein >.

Sind sie erledigt, wird auch hier ein x daraus. Sind sie gar nicht mehr relevant, streicht man sie inklusive • durch.

Mit den unerledigten Aufgaben des letzten Monthly Log verfährt man genauso und überträgt sie ggf. ins aktuelle Monthly Log. Außerdem trägt man die Einträge im Future Log für den aktuellen Monat in das aktuelle Monthly Log um. Danach ist man fertig für den nächsten Monat. Das Ganze dauert ca. 10-15 Minuten.

Eine kurze Einführung gibt's im folgenden Video vom Erfinder, ins Deutsche übersetzt von "Leuchtturm1917", einem Unternehmen, das extra dafür designte Notizbücher herstellt (jedes andere tut's aber auch):

https://youtu.be/tksGVnE80Qk

Ja, ok, Notizbuch, und?

Der wesentliche Unterschied zum bereits erwähnten Terminplaner ist der, dass man sich sein Kalendarium selbst zusammenstellt, je nachdem, wie man es gerade braucht. Sind zum Beispiel die Tage und Wochen eher mit wenigen, dafür aber zeitaufwändigen Aufgaben gefüllt, wird aus dem Daily Log ein Weekly Log, und man schreibt die Aufgaben nur noch wochenweise auf.

Benötigt man eine Trennung zwischen privaten und beruflichen Einträgen oder für verschiedene Familienmitglieder, zeichnet man sich einfach selbst entsprechende Spalten ein oder verwendet einen vertikalen Zeitstrahl, den man jeweils links oder rechts beschriftet.

Im Terminplaner kommt es häufiger vor, dass darin gerne mal einige Seiten leer bleiben, weil man z.B. im Urlaub ist und dort keine Terminplanung machen möchte. Im Bullet Journal macht man einfach an der Stelle weiter, an der man zuletzt aufgehört hat und hält die jeweilige Seitenzahl im Index fest.

Grundsätzlich kann man soviel experimentieren, wie man möchte, ich halte es bisher eher minimalistisch und orientiere mich an der Grundidee von Ryder Carroll.

So sehr lange mache ich das noch nicht, aber ich habe jetzt schon ein paar deutliche Vorteile gegenüber der digitalen Todo-Erfassung feststellen können.

Konzentration aufs Wesentliche

In digitalen Todo-Listen ist im Prinzip Platz für unendlich viele Einträge, was bei mir dazu geführt hat, dass meine Todo-Liste länger und länger wurde, aber aus immer mehr Einträgen bestand, die eine so niedrige Priorität hatten, dass ich sie monate- wenn nicht sogar jahrelang unerledigt mitgeschleppt habe.

Jeden Monat habe ich dann davor gesessen und schlechte Laune bekommen, weil so viele Dinge nicht getan waren. Ich habe mir dadurch zum Teil viel zu viel aufgehalst, weil einfach keine eingebaute Begrenzung da war.

Auf einer A5-Seite ist aber nicht unendlich viel Platz, so dass ich mir jeden Monat genau überlegen muss, was wirklich getan werden muss oder was eigentlich nur ein Eintrag für "Irgendwann-wenn-ich-mal-ganz-viel-Zeit-habe" ist. (Haha, als ob!)

Weniger Aufschieberitis

Was zunächst nach elend viel Schreibarbeit klingt, ist sozusagen das Key-Feature des ganzen Journals:

Nicht erledigte Aufgaben müssen erneut abgeschrieben werden.

Ja, kein Scheiß, ist so.

Das klingt im Zeitalter digitaler Kalender und Todo-Listen komplett bescheuert, wozu sollte man sich die Mühe machen, das jedes Mal wieder abzuschreiben? Man kann doch einfach die Aufgabe auf morgen verschieben und gut ist.

Eben. Weil genau das immer und immer wieder passiert.

Aufgabe nicht erledigt? Ach, egal, mache ich morgen, klick. Und am nächsten Tag kommt man ins Büro, es brennt mal wieder die Luft, man kommt zu nichts, und der komplette Tagesplan ist im Eimer.

Mit dem Bullet Journal ist es mir schon ein paar Mal passiert, dass ich vorm Feierabend noch kurz hineingesehen und mir gedacht habe: "Naja, bevor ich die Aufgabe nochmal neu aufschreiben muss, kann ich sie auch schnell noch erledigen." Und weg war sie.

Dazu kommt: Wenn ich eine Aufgabe drei Mal übertragen habe, überlege ich mir beim vierten Mal, ob sie wirklich erledigt werden muss, oder ob sie nicht von Anfang an vielleicht falsch formuliert oder von vornherein nicht so wichtig war.

"Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe." (Jesaja 65,18)

Anhand der ×-Symbole in meinem Journal kann ich immer sehen, was ich alles wann erledigt habe. Gerade an hektischen Tagen bin ich manchmal nach Hause gekommen, war total kaputt und habe mir gedacht: "Was hat der ganze Stress eigentlich gebracht? Habe ich eigentlich irgendwas auf die Reihe bekommen?"

So kann ich jetzt sehen, was ich den Tag über geschafft habe, manchmal ist das wirklich ganz hilfreich.

Im digitalen Todo-System war die Aufgabe nach dem Abhaken meistens einfach weg, dafür standen noch zehn weitere unerledigt da.

Was digital bleibt: Terminverwaltung

Man kann nicht alles haben. Denn nichtsdestotrotz komme ich nicht drumherum, Termine weiterhin online und gemeinsam mit anderen zu verwalten und so meine verfügbaren Zeiten für Familie und Kollegen sichtbar zu machen. Auch auf Erinnerungen an Termine will ich unter keinen Umständen verzichten.

Ich verwende das Bullet Journal daher so, dass ich am Monats- oder Wochenanfang nur die Termine dort eintrage, auf die ich ggf. hinarbeiten muss, die also einiges an Vorbereitung benötigen.

Die weniger aufwändigen, meist wiederkehrenden Termine führe ich weiterhin vornehmlich digital.

Und unterwegs?

Ich trage jetzt natürlich nicht stets und ständig ein A5-Notizbuch mit mir herum. Das Smartphone habe ich allerdings fast immer in der Tasche. Dafür gibt es nämlich eine recht durchdachte Lösung: Den Bullet Journal Companion.

Das ist eine App, in der man unterwegs (mit derselben Symbolik) Notizen, Todos und Ereignisse aufschreiben kann, die dann aber nach 48 Stunden automatisch gelöscht werden. Dazu gibt es eine Erinnerungsfunktion, so dass man morgens oder abends seine Einträge ins Journal übertragen kann.

Überträgt man sie nicht, werden sie wohl auch nicht so wichtig gewesen sein.

Es ist wirklich komplett simpel, aber es erfüllt seinen Zweck.

In der Companion-App sind außerdem noch ein paar erklärende Artikel zur Methodik, sowie eine Funktion zur Verwaltung der Notizbücher (die man im Laufe der Zeit sicherlich füllt) enthalten.

"Und in die Ecken zeichne ich bei einer schönen Tasse Tee gerne ein paar florale Deko-Elemente"

Wenn man nach "Bullet Journal" im Netz sucht, gelangt man unweigerlich auf Treffer bei YouTube, Instagram oder Pinterest, unter denen vorwiegend weibliche "Bullet Journalists" mit offensichtlich sehr viel Freizeit die Gestaltungsideen in ihren Journalen präsentieren. ("Hallo, Ihr Lieben!")

Die legen dann keine einfache Liste zu lesender Bücher an, sondern malen gleich ein ganzes Bücherregal (mit Spinnweben und Holzmaserung) in ihr Journal. Oder sie zeichnen für jeden Monat ein Motto-Cover, schnörkeln die Überschriften mit Kalligraphie-Stiften zurecht und verwenden nicht weniger als 12 verschiedene Farben dabei. ("Berufliches ist apricot und meine Wohlfühl-Termine sind malve, dann kann ich das besser auseinanderhalten.")

Kann man alles machen, muss man aber zum Glück nicht.

Es gibt dennoch durchaus gute und praktische Ideen darunter, wie man sein Journal an seinen persönlichen Workflow anpassen kann.

Ich selbst verwende zum Beispiel eine "Rolling Week", also einen ca. 2,5 cm hohen Querstreifen unten im Daily Log, den ich in die folgenden sieben Tage unterteile, damit ich bei der Tagesplanung gleich eine Vorausschau auf meine kommenden Termine habe, ohne zum Monthly Log zurückblättern zu müssen.

Und wie schon erwähnt: Wenn sich die Situation ändert, benutzt man einfach auf den Folgeseiten ein anderes System.

Genau das war nämlich auch immer ein Problem bei den meisten Todo-Apps:

Entweder folgten sie einem ziemlich starren Muster a la "Getting Things Done", das man nur schwer verlassen konnte, wenn die Umstände es erforderten, oder man musste sich seine selbst ausgeklügelte Methodik immer wieder ins Gedächtnis rufen, damit auch ja alles die richtigen Tags, Kontexte, Prioritäten und Fälligkeitstermine erhielt.

Da ist das Bullet Journal nach einiger Zeit wesentlich intuitiver.

Zur Zeit bin ich jedenfalls ganz angetan vom Bullet Journaling und bin mal gespannt, ob ich das länger durchhalte als all die anderen Systeme, die ich bisher ausprobiert habe.


1. Oktober 2018

Um die Urlaub habende Frau nicht zu wecken, habe ich mich heute Morgen im Dunkeln angezogen und trage jetzt ein T-Shirt mit V-Ausschnitt unterm Rundhalspullover, was nur so mittelgut aussieht.


High Potential

Als ich gestern mit zwei Freunden per S-Bahn von Hannover nach Hause fuhr, saß mir ein Anfang-20-jähriger gegenüber, der sich mit seinem Bekannten (der neben mir saß) lautstark darüber unterhielt, welche Karrierelaufbahn er einschlagen wolle.

Eigentlich Examen, aber er wolle erstmal in die USA, das sei total praktisch, wenn man über Dublin einreise, dann hätte man den Einreiseprozess schon dort hinter sich, und dann nur noch nach Los Angeles und von da aus nach Portland, das sei ja ein Katzensprung, total easy, nur halt doof, dass sein Arbeitgeber ihm für's Examen nicht frei geben würde, da müsste er mal gucken, vielleicht krank feiern oder so, aber man könne ja auch in Frankfurt oder München in eine der Kanzleien einsteigen, das sei nicht das Ding, gerade als Technical Specialist nicht, aber da könne er ja auch gleich in ner Behörde anfangen, neulich jedoch habe er eine "Karrierefrau" getroffen, 33 Jahre, verdient über 120.000 im Jahr, schon ein fettes Gehalt, aber kein Mann, keine Kinder, und dann in einer 2-Zimmer-Wohnung, wo da der Benefit sei, andererseits, dann doch lieber in die Staaten, das politische System sei kein Problem, man wäre da ja dann schließlich als Deutscher, und sein Englisch sei ja absolut einwandfrei.

Meine Mitreisende auf der anderen Seite des Gangs beklagte sich daraufhin in den Waggon hinein, dass der Alkoholkonsum in den Zügen verboten sei und ich pflichtete ihr bei, dass auch ich so langsam einen Schnaps durchaus zu schätzen wisse.

Doch der junge Mann war noch nicht fertig.

Ob er sich auf 'ne Managementstelle bewerben solle, fragte er sich und seinen Bekannten, der ihm jedoch zusicherte "Mach doch", und er meinte das auch, schaden könne das ja nicht, und überhaupt, man müsse ja nur kompetent genug sein, zutrauen würde er sich das locker.

Und dann wurden wir Zeugen des denkwürdigsten Satzes dieses Ein-Mann-Wirtschaftswunders, mit dem ihn die Journalisten weltweit, sollte er ihn jemals in ein Mikrofon sprechen, noch jahrzehntelang zitieren werden:

"Ich weiß zwar nicht, was die da machen, aber gib mir zwei Wochen, dann läuft der Laden."

Dann kam seine Haltestelle, er verabschiedete sich, stieg aus und ging hinaus in die Dunkelheit der von ihm bewohnten 4000-Einwohner-Ortschaft.

Hätte ich gewusst, was für eine zukünftige Spitzenkraft mir da abends in der S-Bahn gegenübersitzt, wahrscheinlich hätte ich mich vorher schicker angezogen.


2. September 2018

Gerade habe ich gesehen, dass man sein Profilbild auf Facebook mit einem durchgestrichenen Hakenkreuz versehen kann. In dieser Verbotsschildoptik.

Auf meiner Motorradjacke habe ich einen Aufnäher "Biker gegen rechts". Eigentlich gehört da noch ein durchgestrichenes Hakenkreuz dran, aber das habe ich abgeschnitten.

So sehr ich die Message solcher Symbole gegen rechte Hetze gutheiße: Ich will keine Hakenkreuze sehen. Auch keine durchgestrichenen.


Meine Lieblingsbücher 2017

2017 entwickelte sich für mich dann doch irgendwie zum Lesejahr. Sonst komme ich so auf etwa 1 Buch pro Monat, und dann rede ich mir immer wieder ein, dass ich zum Lesen halt wohl keine Zeit gehabt hatte. Doch diesmal waren es insgesamt 34 Bücher, die ich gelesen habe. Zu Beginn war das auch 2017 noch etwas schleppend, aber im Sommer waren es bereits 3 - 4 Bücher pro Monat, und seit ich den Tolino habe, lese ich fast 2 Bücher pro Woche.

Das liegt in erster Linie an der fantastischen Onleihe, die für mich eine absolute Offenbarung ist. Das ist ungefähr wie Spotify für Literatur, kaum habe ich ein Buch durch, finde ich zwei neue, die ich als nächstes lesen will.

Aber nun zum eigentlichen Thema: Im letzten Jahr waren es fünf Bücher, die es auf meine Favoritenliste geschafft haben, was bedeutet, dass ich ihnen bei Goodreads eine Bewertung von 5 Sternen gegeben habe.

Alles Licht, das wir nicht sehen - Anthony Doerr

Zwei wunderschön miteinander verwobene Stories zweier Kinder / Jugendlicher im zweiten Weltkrieg, bei denen man sich fragt, ob die Geschichten sich kreuzen werden, und wenn ja, auf welche Weise. Wirklich toll, von der ersten bis zur letzten Seite. Kaum ein Buch habe ich in meinem Freundeskreis so häufig empfohlen wie dieses.

Unterleuten - Juli Zeh

Dieses Buch ist ein ständiger Perspektivwechsel: Man bekommt einen Sachverhalt aus der Sichtweise einer der handelnden Personen erzählt, findet diese Sicht vollkommen schlüssig und nachvollziehbar, nur um im nächsten Kapitel eine ganz andere, völlig gegensätzliche Position geschildert zu bekommen - und dieser ebenfalls zuzustimmen. Großartig erzählt.

Altes Land - Dörte Hansen

Wer Norddeutschland und die zuweilen knorrigen Typen, die diesen Landstrich bevölkern, mag, wird dieses Buch lieben. Unverständlicherweise wird es in der Onleihe unter "Romane & Erzählungen / Frauen" geführt, was ich seltsam finde. Es gibt ja schließlich auch keine eigene Kategorie "Männer" für Romane, bei denen die meisten Hauptfiguren männlich sind. Und "Altes Land" ist ganz sicher nicht das, was man abfällig als "Chick lit" bezeichnen könnte. Wie auch immer: Ich fand's großartig.

Oben ist es still - Gerbrand Bakker

Karges Land, karge Sprache, deprimierendes Setting, einsilbige Hauptfigur. Ich hatte mich erst gefragt, was mir dieses Buch überhaupt zu erzählen hat, doch es war eine Menge. Ich bin darauf gestoßen, weil es mir irgendwann mal als Onlinewerbung eingeblendet wurde und ich das Cover mit den Schafen cool fand. Die Male, bei denen sowas bei mir funktioniert, kann ich wohl an einer Hand abzählen. Aber tolles Buch, vor allem, wenn man es - so wie ich - im Hollandurlaub liest.

Junge rettet Freund aus Teich - Heinz Strunk

Abgesehen von "Die Zunge Europas" hat mich Heinz Strunk ja eh noch nie enttäuscht, aber das hier ist irgendwie an mir vorbei gegangen. Völlig zu Unrecht, Strunk ist ein großartiger Erzähler, der mich immer wieder tief in die Handlung hineinzieht, auch wenn da gar nicht so viel Handlung ist. Glaubhaft als Ich-Erzähler aus der Sicht eines Teenagers zu schreiben, das muss man mit Mitte 50 erstmal können. Strunk kann das.


Tschüss Kindle, hallo Tolino

Nach sechs Jahren Kindle-Benutzung (und ca. drei Hardwaregenerationen) habe ich mich vor ein paar Wochen dazu entschlossen, die Amazon-Welt nun auch als Leser so ziemlich endgültig zu verlassen.

Amazon wurde mir im Laufe der Jahre immer unsympathischer. Zum einen dadurch, dass sie mir alle naselang ihren Prime-Service aufquatschen wollten und dazu mittlerweile nicht mal mehr davor zurückschreckten, Bestätigungsbuttons so zu designen, dass man intuitiv eine eben solche Mitgliedschaft eingeht.

Sinngemäß sah das für mich zuletzt so aus: ⇒ "Klicken Sie hier, um mit Prime zu bestellen" ⇐ versus "Klicken Sie hier, wenn Ihnen egal ist, dass wir mit Ihrem Paket hier im Lager noch drei Tage Fußball spielen und gegebenenfalls Kaffee darüberschütten, müssen Sie ja selber wissen, wie wichtig Ihnen Ihre Bestellung ist, nicht, dass wir Sie nicht gewarnt hätten".

Dazu kommt, dass mir ständig das für mich absolut nutzlose "kindle unlimited"-Angebot unter die Nase gerieben wurde, bei dem man sich für eine Grundgebühr aus einem nahezu unerschöpflichen Fundus komplett unlesbarer und garantiert niemals lektorierter Schrottliteratur bedienen kann.

Und schließlich habe ich kürzlich durch Zufall erfahren, dass eine kleine sympathische Buchhandlung hier vor Ort mit der eBook-Reader-Plattform "Tolino" zusammenarbeitet, so dass ich weiterhin nicht auf den Komfort eines eReaders verzichten muss und trotzdem die Verkaufsprovision an einen heimischen Betrieb geht. Bislang war ich (fälschlicherweise) davon ausgegangen, dass es den Tolino - der technisch noch am ehesten mit dem Niveau der Kindle-Geräte mithalten kann - nur bei Thalia gäbe, und da kaufe ich grundsätzlich nichts.

Also habe ich mir (in der kleinen sympathischen Buchhandlung) einen Tolino Vision 4 HD nebst Hülle bestellt und lese nun in jeder freien Minute darauf. Auf dem Tolino ist der Webshop dieser kleinen sympathischen Buchhandlung voreingestellt, der Kauf von Büchern und das vorherige Laden von Leseproben funktioniert also völlig reibungslos.

Technisch ist das Gerät zugegebenermaßen nicht ganz so ausgereift wie der Kindle Voyage oder auch der Paperwhite. Insbesondere bei Funktionen wie der Volltextsuche ist der Kindle deutlich reaktionsfreudiger (sprich: schneller) als der Tolino, sowas wie die X-Ray-Funktion gibt es beim Tolino gar nicht erst. Es kommt auch schon mal vor, dass der Tolino eine Weile mit sich selbst beschäftigt ist, insbesondere, wenn man häufig ins Hauptmenü springt oder in rascher Folge hin- und herblättert.

Was das Schriftbild angeht, steht der Tolino dem Kindle allerdings in nichts nach, und ich habe den subjektiven Eindruck, dass ich auf dem Tolino ermüdungsfreier lesen kann, was ich auf die sogenannte "smartLight"-Funktion zurückführe, die dafür sorgt, dass die Hintergrundbeleuchtung im Laufe des Tages (und Abends) immer wärmer wird, also weniger Blauanteil enthält. Der Kindle Voyage, den ich zuletzt verwendete, war da deutlich kälter. Ob das auch meinen Schlaf signifikant beeinflusst hat, kann ich nicht wirklich sagen, das Lesen auf dem Tolino macht jedenfalls auch über mehrere Stunden Spaß.

Der Tolino ermöglicht außerdem, die Leihfunktion der Stadtbüchereien (die sogenannte "Onleihe") zu benutzen, was ich auch in den letzten Tagen bereits ausgiebig getan habe.

So haben alle was davon: Die Provision für das Gerät und für die Bücher, die es nicht zum Ausleihen gibt, gehen an die lokale Buchhandlung, ich unterstütze guten Gewissens die örtliche Stadtbücherei und habe zugleich fast eine Bücher-Flatrate mit richtigen Titeln und nicht mit diesem selbstverlegten Schmonz, den mir Amazon aufschwatzen will.

Wenn ich wirklich mal in die Bücher schauen möchte, die ich mir irgendwann für den Kindle gekauft habe, kann ich das auf dem Rechner oder dem iPhone machen. Tatsächlich kommt das aber so gut wie nie vor, da ich zu 95% auf dem Kindle nur Romane gelesen habe, und die nehme ich ohnehin selten zwei Mal zur Hand.

Wenn die kleinen sympathischen Buchhandlungen offensiver dafür Werbung gemacht hätten, dass ich dort auch eBooks kaufen kann: Ich wäre vermutlich schon früher gewechselt.


Parke nicht auf unseren... ach, schon gut

Ich fahre mit dem Rad zur Arbeit und sehe in etwa 50 Meter Entfernung zwei Autos in voller Breite auf dem Radweg stehen. Auf dem Grundstück dahinter finden offenbar größere Bauarbeiten statt.

"Na, klasse, bestimmt gehören die dazu und glauben, nur weil sie den Warnblinker anhaben, können sie stehen, wo sie wollen," denke ich mir und fahre kurz vorher runter vom Radweg auf die Straße.

Ich halte neben dem hinteren Wagen, direkt neben der Seitenscheibe des Fahrers, der gerade damit beschäftigt ist, in irgendwelchen Sachen herumzukramen. Er lässt die Scheibe herunter und schaut mich fragend an. So, wie halt jemand guckt, der sich keinerlei Schuld bewusst ist.

Ich mache mein "Muss-ich-dir-das-wirklich-erklären"-Gesicht und sage: "Sie stehen mitten auf dem Radweg."

Da fängt er an zu lachen, zeigt nach vorne auf den dunklen Passat und antwortet: "Da steht die Polizei. Die haben mich gerade angehalten."

Oh.

Ich lache ebenfalls, sage: "Ach du Scheiße, ´tschuldigung," und fahre weiter. Da wollen wir mal nicht so sein.


Mein erstes Radrennen: GFNY 2017

Am Sonntag habe ich zum ersten Mal an einem Radrennen teilgenommen. Ich bin ja nur Hobbyfahrer und nicht mal in einem Verein angemeldet, so dass ich dazu normalerweise kaum Gelegenheit habe.

Der "Gran Fondo New York" (oder kurz "GFNY") ist aber eine Rennveranstaltung für jeden, der sich zutraut, eine Strecke von entweder 95 km (Medio Fondo) oder 164 km (Gran Fondo) zu fahren, über ein entsprechendes Fahrrad verfügt und das Startgeld bezahlen kann.

Die Besonderheit beim GFNY ist, dass das ganze komplett professionell aufgezogen ist. Es gibt ein einheitliches Trikot, Transponder für die Zeitmessung, einen Massenstart, professionelle Fotografen an und auf der komplett gesperrten Strecke und was halt noch so alles zu einem Radrennen dazugehört. So lautet auch das Motto des GFNY: "Be a pro for a day", und damit wird wirklich nicht zu viel versprochen.

Ich hatte mich bereits vor einem Jahr angemeldet und so die Hälfte der Anmeldegebühr gespart. Zum Fahrradtraining muss ich mich (bei gutem Wetter) eigentlich ohnehin nicht motivieren, aber so ein Abschlussevent zum Ende des Sommers ist noch mal eine gute Gelegenheit, auf einen bestimmten Punkt hin zu trainieren. So bin ich erst vor ein paar Wochen zum ersten Mal im Training über 100 Kilometer (plus neunhundertnochwas Höhenmeter) gefahren und war in letzter Zeit pro Woche etwa drei mal auf dem Rennrad unterwegs. Da ich mich für die kürzere Strecke angemeldet hatte, sollte das an Vorbereitung eigentlich reichen.

Am Freitag holte ich mein Starterset ab, inklusive Trikot, das glücklicherweise einigermaßen passte. Dank Biergartensaison und mangelnder Disziplin habe ich in diesem Sommer ca. 4-5 Kilogramm zugenommen, aber mit Trägershorts und Sportunterhemd ließ sich die Plautze noch halbwegs kaschieren.

Natürlich - wie könnte es anders sein - begann ein paar Tage vor dem Rennen mein Hals zu kratzen, nachdem Frau und Kind schon einige Zeit vor sich hin rotzten. So war bis Samstagabend noch unklar, ob ich überhaupt würde starten können, nichtsdestotrotz bereitete ich am Samstag mein Fahrrad vor und stellte mir den Wecker auf viertel vor sechs - das Rennen sollte um sieben Uhr in der Frühe starten.

Am nächsten Morgen fühlte ich mich aber fit und gesund genug, zwängte mich in meine Fahrradklamotten und fuhr bei 8 Grad Celsius und dichtem Nebel zum Start, wo ich unter anderem Marc (@mb2day) und noch ein paar andere bekannte Gesichter traf.

https://twitter.com/mb2day/status/904205810783444992

Um Punkt Sieben ging's dann auch los, die Pedale klickten ein, und endlich ging es auf die Strecke, nachdem wir eine Viertelstunde lang in ziemlicher Arschkälte vor uns hin gefroren hatten.

Dafür folgte nun aber auch das mit Abstand Coolste, was ich je bei meinen sportlichen Aktivitäten erlebt habe: Auf dem Rennrad zu sitzen und in einem richtig großen Fahrerfeld unterwegs zu sein.

Mit einer Geschwindigkeit von konstant mehr als 30 km/h fuhren wir von Hameln nach Daspe, durch dichten Nebel. Ohne Brille tränen mir bei solchen Temperaturen schnell die Augen, so dass ich dazu auch noch meine Sonnenbrille trug und außer grünen Trikots um mich herum kaum etwas sehen konnte. So klebten wir uns allen an den Hinterrädern, und weil durch die Windschattenfahrt natürlich kein Fahrtwind herrschte, hörte man im Nebel kaum etwas außer dem Laufgeräusch der Reifen auf der Straße, ein paar Schaltvorgänge und das gelegentliche Bremsen und Freilaufklickern, weil man so schnell vorankam, dass man aufpassen musste, nicht dem Vordermann in die Hacken zu fahren.

Immer wieder ergaben sich Lücken, die andere wiederum schlossen, wodurch die hinterher fahrenden Teilnehmer mitgezogen wurden.

Hochkonzentriert schossen wir durch die kleinen Ortschaften und gaben Handzeichen zur Warnung der hinter uns liegenden Fahrer, wenn wir Hindernisse (parkende Autos, Baustellenampeln, Verkehrsinseln) passierten. Zwischendurch schaute ich kurz auf meine Pulsuhr und sah, dass ich trotz der hohen Geschwindigkeit gerade mal einen Puls von 125 hatte.

Die gesamte halbe Stunde bis zur ersten Steigung war wie ein einziger Rausch. Unfassbar geil. Allein dafür hat sich schon die Teilnahme gelohnt.

[caption id="attachment_6579" align="alignright" width="300"] Ja, das bin ich. (© sportograf)[/caption]

Als wir die flache Ebene verließen, zog sich das Feld naturgemäß auseinander, wobei ich immer versuchte, möglichst weit vorne zu bleiben, um später nicht den Rest der Tour komplett alleine fahren zu müssen, eine Strategie, die - im Nachhinein betrachtet - ziemlich gut aufging.

So langsam brach auch immer mal die Sonne durch die Bäume und erzeugte zusammen mit den Nebelschwaden und dampfenden Fahrern sehr coole Fotomotive.

Am Ende des mit 365 Metern größten (doch bei weitem nicht steilsten, wie sich herausstellen sollte) Anstiegs konnte ich an meiner Pulsuhr eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 km/h ablesen, das war schon ganz ordentlich für die bis dahin absolvierten Höhenmeter. 40 Kilometer waren bereits zurückgelegt, und hinter der nächsten Biegung war ein Verpflegungsposten eingerichtet, an dem die FahrerInnen dankbar Apfelstücke und halbe Bananen einwarfen. Noch 55 Kilometer.

Wer hoch fährt, muss auch wieder runterkommen, und so war ich bergab zum Teil mit Spitzengeschwindigkeiten von fast 70 km/h unterwegs - auf gesperrten Strecken kann man das mal machen, ansonsten würde ich das eher nicht empfehlen.

Ich erwischte immer wieder mal Gruppen von Fahrern, denen ich mich anschließen konnte: Unter anderem Briten, Dänen und Holländer, und komplett ohne Worte verständigte man sich, ließ mal den einen, mal den anderen die Gruppe anführen oder hängte sich eine Weile hintendran, um den Windschatten auszunutzen.

Kurz vor dem Ith (Kilometer 65, nochmal ca. 300 Meter hoch) gab es eine weitere Verpflegungsstation, und danach kamen Steigungen, die es wirklich in sich hatten. Zum Teil über längere Strecken auf 13-14% Steigung ging der Puls dann auch schon mal auf 170 hoch.

Manch eine(r) stieg dann sogar ab und schob ein paar Meter. Ich war auch zwei bis drei Mal kurz davor abzusteigen, fuhr dann aber mit letzter Kraft und in Serpentinen auch den letzten Berg hoch, immer wieder kurz vor einem Krampf im linken Oberschenkel, der dann aber doch irgendwie durchhielt.

[caption id="attachment_6582" align="alignright" width="300"] Geschafft. (© sportograf)[/caption]

Oben traf ich dann auf eine Fahrerin, deren auf der Startnummer aufgedruckter Name "Jens" mich zunächst verwirrte, es stellte sich jedoch heraus, dass sie den Startplatz ihres kurz zuvor erkrankten Ehemannes übernommen hatte.

Nachdem wir zusammen die fiesesten Berge bewältigt hatten, verständigten wir uns wortlos, dass wir uns den Rest der nun zum Glück flachen Strecke gegenseitig Windschatten spenden würden und fuhren die letzten 5-10 Kilometer zusammen.

Nach 3:33 Stunden (netto, + 10 Minuten Verpflegungspausen) rollten wir dann endlich über die Ziellinie, wo meine Familie schon auf mich wartete. Insgesamt hatte ich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 25-26 km/h, belegte damit Platz 132 von ca. 180 Fahrern, und dafür, dass ich gerade mal seit anderthalb Jahren auf einem Rennrad sitze, bin ich hochzufrieden.

Für alle Teilnehmer gab's eine Finisher-Medaille, nochmal Apfel- und Bananenstücke und zusätzlich noch ein Gericht vom Imbiss und ein Getränk nach Wahl.

Eine sehr geile Veranstaltung war das.

Und obwohl ich abends dann doch noch einen Krampf im Oberschenkel bekommen habe, habe ich mich gleich am nächsten Tag für das nächste Jahr angemeldet.

Nachtrag:

Gestern bin ich die ganze Strecke nochmal mit dem Motorrad abgefahren - die Schilder und Wegweiser hingen zum Glück noch. Allein das hat 1,5 Stunden gedauert. An manches Teilstück hatte ich keinerlei Erinnerung mehr.


Reading Challenge 2017

Wenn ich andere Blogs so verfolge, frage ich mich manchmal, woher um mich herum alle die Zeit nehmen, jeden Monat fünf bis sechs Bücher zu lesen.

Ich habe mir daher bei der diesjährigen Goodreads-Lesechallenge kleinere Ziele gesteckt und mir erstmal für jeden Monat ein Buch vorgenommen, also insgesamt 12 für 2017. Im Juli war ich dann mit dem zwölften Buch durch. Mittlerweile sind es 14, und auf dem Stapel der zu lesenden Bücher liegt auch noch so einiges herum. Ich scheine mich offenbar gerade in einer Phase mit höherem Lesedurchsatz zu befinden, das muss ich mal ausnutzen.

Ich habe mal gehört oder gelesen, der größte Fehler beim Buchkauf sei, dass man sich einbilde, man würde sich zu den Büchern die Zeit zum Lesen mit dazukaufen. Was mich natürlich nicht daran hindert, den Fehler trotzdem immer wieder zu begehen.

Wie auch immer: Es waren nicht alles Romane, auch zwei bis drei Sachbücher waren dabei, aber das Genre war ja auch nicht im Voraus festgelegt. Einige der gelesenen Bücher haben mich allerdings so begeistert und andere wiederum extrem enttäuscht, dass ich mir in der Zwischenzeit vorgenommen habe, mal ein paar Rezensionen dazu zu schreiben.

Hier also erstmal der Überblick, die Rezensionen kommen dann peu à peu in den nächsten Tagen oder so.

Für diejenigen, die es nicht kennen: Goodreads ist eine Literaturcommunity, leider mit eher englischsprachigem Schwerpunkt. Nichtsdestotrotz stoße ich dort immer wieder auf wertvolle Anregungen, was als nächstes zu lesen sei. Wer mag, kann mich dort gerne besuchen.

[caption id="attachment_6558" align="alignnone" width="621"] Goodreads Reading Challenge 2017[/caption]


Verschiedenes zum Felgenfest

Gestern fand im Weserbergland wieder das sogenannte "Felgenfest" statt, bei dem auf einer Strecke von Bodenwerder bis Rinteln (ca. 50 km) entlang der Weser die Landstraße autofrei und für Radfahrer und Inliner freigegeben ist.

Ich habe auch dieses Jahr wieder zwei Mal die Gelegenheit genutzt. Einmal gleich frühmorgens und noch vor der Streckensperrung mit dem Rennrad nach Rinteln, so dass ich auf dem Rückweg auf der Straße fahren konnte. Mittags sind wir dann in einer Gruppe zusammen nach Emmerthal und zurück gefahren.[1.Die Ortsnamen werden vermutlich nur Menschen aus der Region etwas sagen, aber wozu gibt's Google Maps?] ⊗

Einigermaßen unentspannt scheint die Gattung der Inlineskater zu sein, aber das ist nur eine anekdotische Beobachtung von mir. Am Ortseingang Tündern hielt meine Tochter an einer Fahrbahnverengung, und ich habe sie nicht schnell genug zur Weiterfahrt animieren können. Ist halt manchmal so, wenn man mit Vorschulkindern unterwegs ist.

Dort kam uns dann allerdings eine Gruppe Inlineskater entgegen, die - anstatt das Tempo an die Engstelle anzupassen - trillerpfeifend und ungebremst versucht hat, sich den Weg frei zu lärmen, woraufhin sie sich dann auch ein allseitiges "Ihr seid hier nicht alleine, ihr Schwachköpfe" anhören durfte. ⊗

Ähnlich grenzdebil war ein anderes Inliner-Pärchen drauf. Wir machten kurze Pause abseits der Straße auf dem angrenzenden Radweg. Auf dem war jedoch eben dieses Inline-Pärchen unterwegs und bellte uns dann auch gleich ein "Platz machen!" entgegen, was ich mit einem "Nö. Fahrt gefälligst langsamer." beantwortete.

Auf unsere Frage, wieso sie überhaupt auf dem Radweg unterwegs sind, wenn doch die mehrere Meter breite Straße extra für sie freigehalten ist, wussten sie dann auch folgerichtig keine Antwort. ⊗

Deutlich entspannter war die Polizei, die überall auf der Strecke die Kreuzungen gesichert hat. Alle freundlich und hilfsbereit, vor allem die Polizistinnen. Wenn ich daran denke, was für schlechtgelaunte Schnauzbartträger das früher oft bei der Polizei waren... ⊗

Niemand sollte jemals wieder den Song "Mustang Sally" in der Commitments-Version covern. Wirklich niemand. ⊗

Es sollte grundsätzlich mehr autofreie Sonntage in allen möglichen Städten geben. Aber wenn die Stickoxid-Betrügereien der Autohersteller so weitergehen, ist das wahrscheinlich ohnehin nur noch eine Frage der Zeit, bis so etwas mehr Befürworter findet. ⊗

63.000 Teilnehmer waren es wieder. Soweit man blicken konnte: Sich miteinander unterhaltende, nebenher fahrende Radler mit überwiegend guter Laune, die stressfrei auf den Straßen unterwegs waren. Man stelle sich vor, diese 63.000 Menschen hätten alle mit dem Auto da langfahren wollen. Wahrscheinlich wäre der Verkehr komplett zusammengebrochen, und sie hätten sich alle gegenseitig die Pest an den Hals gewünscht.

Ansonsten: Wie immer eine gelungene Veranstaltung.