Ich war auf Twitter schon lange nicht mehr besonders aktiv, meinen Account dort habe ich weitestgehend geschlossen, seitdem dieser selbstverliebte Irre den Laden übernommen hat.
Jetzt hat er den ganzen Bums auch noch umbenannt, und ich habe den Account endgültig deaktiviert. Ich verstehe nicht, wie man es da noch aushält.
Sollte euch dort also ein @larsreineke begegnen: Ich bin's nicht (mehr).
Ich werde wach. Habe ich das gerade geträumt, oder hat es tatsächlich an der Tür geklingelt? Wie spät ist es eigentlich? 3 Uhr nachts. Mist. Hoffentlich kann ich wieder einschlafen.
ding-dong
Da klingelt ja wirklich jemand. Fuck. Die Nachbarn? Polizei? Feuerwehr? Brennt's irgendwo? Werden wir evakuiert?
Ich schalte das Licht ein, ziehe mir schnell eine Jogginghose an und gehe barfuß nach unten. Ich öffne - immer noch etwas verschlafen - die Tür.
Davor steht eine dünne, mindestens 80 Jahre alte Frau, nur mit einer Stoffhose und einer Strickjacke bekleidet und zittert.
"Ich ... ich war mit dem Hund unterwegs," erzählt sie wimmernd, "und plötzlich war der weg, ich wohne da hinten, aber da ist jetzt die Tür zu, da macht keiner auf, mein Mann auch nicht, der ist auch nicht da, ach, ich weiß auch nicht, ich hab schon nebenan geklingelt, da hat keiner aufgemacht, kann ich bei Ihnen vielleicht warten, bis es hell wird?"
Oha.
Ich bin jetzt hellwach und erfasse die Situation. Wir wohnen in unmittelbarer Nähe zu einem Seniorenheim, und wahrscheinlich ist die Frau eine entwischte Bewohnerin, etwas durcheinander und orientierungslos. Ist das schon Demenz? Keine Ahnung. Alleine kann ich die jedenfalls nicht Richtung Seniorenheim schicken, da kommt die in dem Zustand nie an.
"Na, kommen Sie erstmal rein."
Ich führe sie ins Haus, vorsichtig durch den Flur, zum Esstisch. "Setzen Sie sich mal lieber hin," sage ich und deute auf einen freien Stuhl. "Wie heißen Sie denn?" frage ich sie.
"Wessel. Wessel heiße ich. Haben Sie vielleicht ein Taschentuch? Jetzt läuft mir auch noch die Nase."
"Hier bitteschön, aber jetzt setzen Sie sich erstmal." Auf dem Stuhl daneben liegt der Kater und schläft völlig ungerührt. Ich hoffe, dass sie nicht allergisch ist oder vielleicht sogar Angst vor Katzen hat. "Wir haben zwei Katzen, ich hoffe, das macht Ihnen nichts."
"Katzen? Nein, nein, ich mag Katzen."
Mittlerweile ist auch meine Frau unten angekommen und schaut mich fragend an. Ich deute mit den Augen in die Himmelsrichtung, wo das Seniorenheim liegt und artikuliere stumm: "Von nebenan." Sie nickt und setzt sich zu Frau Wessel.
Ich gehe nach oben, ziehe mir Socken an, greife zum Telefon und suche die Nummer des Seniorenheims heraus. Nach nur einmal Klingeln geht jemand ran.
"Seniorenheim Weserblick, Schwester Melanie."
"Lars Reineke, guten Morgen. Vermissen Sie vielleicht eine Bewohnerin? Frau Wessel?"
"Frau Wessel? Ja, was ist denn mit ihr?"
"Die sitzt gerade bei uns unten am Esstisch und scheint nicht wirklich zu wissen, wo sie hingehört. Ich würde sie ja zu Ihnen bringen, aber ich habe Sorge, dass sie auf dem Weg Angst bekommt, weil sie uns ja gar nicht kennt."
"Ach Gott, Entschuldigung, ich kann jetzt hier gar nicht weg, aber ich sage sofort einer Kollegin bescheid, die kommt gleich zu Ihnen. Wo wohnen Sie denn?"
Ich gebe ihr die Adresse, ziehe mir Schuhe an, gehe wieder nach unten und nicke meiner Frau zu, die sich bereits mit Frau Wessel unterhält. "Es kommt gleich jemand und bringt Sie nach Hause," sagt sie zu ihr.
Ich gehe nach draußen und treffe an der Straße die Altenpflegerin.
"Das tut mir sehr leid," entschuldigt sie sich auf dem Weg zu uns, "Frau Wessel hat sich wohl einfach rausgeschlichen. Vielen Dank, dass Sie sich gekümmert haben."
"Naja, Sie können nichts dafür," antworte ich, "es ist ja kein Gefängnis."
"Ja, aber trotzdem, nachts um drei."
"Halb so wild," sage ich, "hier sind wir schon."
Ich öffne der Altenpflegerin die Haustür und führe sie zur Essecke, wo sich Frau Wessel und meine Frau angeregt zu unterhalten scheinen.
"Frau Wessel! Was machen Sie denn für Sachen!?"
"Och, ja, ich weiß auch nicht...," antwortet sie kleinlaut, lässt sich aber bereits von meiner Frau und der Pflegerin in die Senkrechte helfen.
Sie schaut mich an: "Was haben Sie denn für Hobbies? Rudern Sie?"
"Ich? Nein. Aber ich fahre gern Fahrrad."
"In meiner Familie wird viel gerudert."
"Ach so."
"So, Frau Wessel," unterbricht die Pflegerin, "jetzt ist aber auch mal gut. Sie können doch nicht mitten in der Nacht die Leute auf Trab halten!"
"Ach, das wollte ich wirklich nicht. Manchmal hat man einfach 'nen weichen Keks," sagt sie, während sie zur Haustür hinausgeführt wird.
Recht hat sie, denke ich.
"Kein Problem, alles halb so schlimm. Machen Sie's gut, Frau Wessel."
Wir gehen nach oben und legen uns wieder hin. Eine Weile liege ich wach, dann schlafe ich doch nochmal ein.
(Anmerkung: Das ist alles heute Nacht genau so passiert. Die Namen habe ich selbstverständlich geändert.)
Das Wochenende war gut gefüllt mit Ereignissen, aber ich komme jetzt erst dazu, davon zu berichten.
Am Freitag war Markus bei uns in Hameln zu Gast, weil wir am nächsten Tag mit unserem gemeinsamen Freund G. nach Berlin fahren wollten, um uns "Russian Circles" - eine Post-Metal-Band aus Chicago - anzusehen.
So haben wir mit ein paar anderen Freunden am Freitagabend bei uns zu Hause gesessen, Fingerfood in uns hineingeschaufelt und uns auf die bevorstehende Reise gefreut.
Am Samstag ging's dann planmäßig los, und die Exkursion verlief rundherum wie am Schnürchen. Alle Züge waren pünktlich genug, und ich war wieder mal angetan davon, wie komfortabel man per ICE von Hannover nach Berlin reisen kann.
In einer guten Stunde waren wir in Spandau, und weil unser Hotel in Neukölln lag, legten wir den weiteren Weg komplett unterirdisch mit der U7 zurück. Dort (oder besser: darin) wiederum war ich Landei wie so oft von der Armut erschüttert, die einem in dieser Form wohl nur in Großstädten begegnet.
Vor dem Konzertbesuch saßen wir bei angenehmen Temperaturen draußen im Restaurant "Hasenheide" und lauschten dem hupenden Verkehr.
Das Konzert von Russian Circles war - man kann das nicht anders sagen - umwerfend.
Ich habe die schon zwei Mal gesehen, einmal in Hannover, einmal in Bielefeld, und auch diesmal wurde ich nicht enttäuscht.
Jedes Mal bin ich begeistert, wie Bassist und Gitarrist in manchen Passagen einen Klangteppich erzeugen und so dem Schlagzeuger ermöglichen, dem ganzen Stück Struktur zu geben.
Auch Markus war ziemlich hingerissen, G. nicht ganz so sehr, aber der kannte die Stücke nach eigenen Angaben nicht so detailliert wie wir, und da kein Gesang dabei war, fehlte ihm etwas die Orientierung.
Ein Russian-Circles-Konzert ist - so habe ich das dann auch am nächsten Tag geäußert - ein wenig wie ein Klassikkonzert, bei dem man in aller Regel die Stücke bereits kennt und sich darüber freut, wie virtuos die Musiker diese interpretieren.
Ich für meinen Teil liebe diese Band und habe mich folgerichtig vor Ort noch mit Merchandise eingedeckt.
Die Rückfahrt war relativ ereignislos, wir verabschiedeten uns in Hannover von Markus, der direkt bis Duisburg weiterfuhr, und ich war abends einfach nur platt und müde.
Weil es aber zu früh war, um ins Bett zu gehen, habe ich mir zum wiederholten Mal den Film "Fury - Herz aus Stahl" angesehen, bei dem es um eine US-Panzerbesatzung im 2. Weltkrieg geht, und in dem Brad Pitt die Hauptrolle spielt.
Nach etwa 20 Minuten ist eine Szene zu sehen, in der eine Einsatzbesprechung stattfindet. Während dieser wird eine Landkarte eingeblendet und davon gesprochen, dass eine Stadt eingenommen werden soll.
Beim ersten Mal schauen ist mir das gar nicht aufgefallen, aber die Beschriftung der "Stadt" ist "Kirchohsen", was wiederum der Name eines Dorfes hier im Landkreis ist.
Daher habe ich mir diese eingeblendete Karte mal genauer angesehen. Stellt sich raus: Weitere Orte sind "Tündern" und "Hastenbeck". Und die wiederum sind alles Ortsteile von Hameln.
Der ganze Film spielt also direkt vor meiner Haustür. :-o
Ich habe das ActivityPub-Plugin aktiviert, nun sollte man diesem Blog auch im Fediverse (z.B. auf Mastodon) folgen können.
Kopiert dazu
@reineke@stage.larsreineke.de
in das Suchfeld, sobald Ihr mit Eurem Mastodon-Account angemeldet seid.
Das sollte wie ein ganz normales Mastodon-Profil aussehen. Folgen, fertig.
Wenn man dann auf Mastodon auf die jeweiligen Posts antwortet, erscheinen diese als Kommentar unter dem Artikel. In Zukunft wird das aber automatisch jedes Mal darunter als Hinweis erscheinen.
Wenn mich jemand darauf hinweist, dass dieses ganze Carbon-Footprint-Ding ja nur ein PR-Stunt von BP war, denke ich mir immer direkt, ob er vielleicht gerade vor sich zu rechtfertigen versucht, dass er schon zum dritten Mal in dieser Woche die 1,5 Kilometer in die Stadt mit dem Auto gefahren ist.
In der Bäckerei unseres Vertrauens hat vor ein paar Wochen eine neue Verkäuferin angefangen, die so sagenhaft langsam ist, dass man in der Zeit, in der sie ein geschnittenes Brot einpackt, zusehen kann, wie ihre Kollegin drei andere Kunden bedient und abkassiert.
Klar, wir haben alle mal in unserem Job angefangen, und dass man bestimmte Fachfragen auch nach ein paar Tagen noch nicht sicher beantworten kann, sehe ich ja ein.
Aber wie kann man denn ein und dieselbe Tätigkeit tagelang ausüben und dann immer noch so verkrampft unbeholfen sein, als müsste man gerade eine Bombe entschärfen?
Mittlerweile bin ich sogar schneller, und ich habe erst drei- oder viermal bei Lidl selbst geschnittenes Brot eingetütet.
Eines der ersten Dinge, die ich in aller Regel frühzeitig bei jeglicher Art von Software ausschalte, ist die Rechtschreib- und Grammatikprüfung.
Beruflich schreibe ich häufig Texte mit vielen Eigennamen und Abkürzungen, und ich habe meist keine Lust, diese alle dem jeweiligen System beizubringen. Außerdem verlasse ich mich auf meine geheime Superkraft, in jeglichem Text zielsicher den einen Rechtschreibfehler auf Anhieb zu sehen.
Leider versagt diese Superkraft manchmal bei meinen eigenen Texten. Da liest man ein Dutzend Mal drüber, geht Satz für Satz durch, aber dieses eine "und", das noch stehengeblieben ist, weil man an einer Stelle die Formulierung umgestellt hat, das überliest man immer.
Nun ist mir kürzlich "LanguageTool" begegnet, da man die Serversoftware auch in die eigene Cloudron-Installation einbinden kann, was den Vorteil hat, dass man seine Texte nicht irgendeinem Dienstleister übermittelt, sondern nur zu einer selbstverwalteten Instanz. In dieser Konfiguration ist LanguageTool aber auf seine Grundfunktionen, nämlich Rechtschreibung und Grammatik, beschränkt. In der Vollversion hingegen kann LanguageTool auch eine Stilprüfung des geschriebenen Textes durchführen.
Dafür hätte ich durchaus Bedarf, denn bei mir kommt es häufiger vor, dass ich Füllwörter wie "ja", "mal" oder "auch" verwende, außerdem neige ich zu Wortwiederholungen.
Also habe ich mir einen Vollzugang zugelegt, der allerdings sehr teuer ist. Bei monatlicher Zahlungsweise liegt dieser z.Zt. bei knapp 25 Euro. Zahlt man ein Jahr im Voraus, sind knapp 80 Euro fällig.
Letzten Endes war ich aber mit den Ergebnissen von LanguageTool nicht sonderlich zufrieden, wobei man der Software selbst gar nicht die Alleinschuld zuschreiben kann. Denn vor allem die Entdeckung von Wortwiederholungen scheiterte am Gutenberg-Editor von Wordpress, der jeden Block als einzelnes Textfeld darstellt, welches dann eben auch nur von LanguageTool analysiert werden kann. Wiederholungen, die sich über mehrere Absätze erstrecken, wurden so nicht erkannt.
Glücklicherweise hat LanguageTool eine sehr kulante Geld-Zurück-Politik, so dass ich das Abo ohne weitere Fragen vorzeitig beenden konnte.
Einen ähnliche Funktionsumfang bietet der "Duden Mentor", welches ebenfalls als Browser-Erweiterung eingebunden werden kann. Hier liegt der Monatspreis für die Premium-Variante bei 9,95 Euro, das kann man schon mal ausprobieren.
Aber auch hier lagen die gleichen durch Wordpress hervorgerufenen Beschränkungen vor, also habe ich dieses Abonnement ebenfalls wieder gekündigt.
Genervt hat mich bei letzterem, dass die Korrekturfunktion im Hintergrund immer mitlief und dann schon mitten im Satz das letzte geschriebene Wort unterstrichen hat, weil der Satz augenscheinlich nicht vollständig war. Natürlich nicht, ich schreibe ihn ja auch gerade.
An so etwas wie ein schnelles Aus- und Einschalten per Shortcut scheinen beide Hersteller nicht gedacht zu haben, wobei LanguageTool immerhin die Möglichkeit bot, den gesamten Text zu markieren und per Tastenkombination auf einer gesonderten Webseite zu analysieren. Das fühlt sich für mich aber immer noch wie ein Bruch im Workflow an.
Lässt man die Korrektur eingeschaltet, hat man beim Schreiben mit diesen Plugins immer das Gefühl, dass einem jemand über die Schulter guckt, der dann zwischendurch "FALSCH!" schreit, obwohl er noch gar nicht weiß, wie der Satz zu Ende gehen wird.
Die beste Stilprüfung hat nach meiner Erfahrung die Textverarbeitung "Papyrus Autor", die auf dem Modul "Duden Korrektor" basiert. Das kann man wohl auch immer noch einzeln kaufen (als Erweiterung zu Microsoft Office), aber da fehlt mir dann wiederum die Einbindung in den Browser - wer will schon Blogartikel mit Microsoft Word schreiben?
Das Ende vom Lied: Ich habe alles wieder deinstalliert und verlasse mich auf mein eigenes Sprachgefühl. Dann ist zwar vielleicht hier und da ein Fehler drin, aber dann ist das eben so.
Gestern haben wir ein klassisches Konzert besucht, richtiger gesagt: ein Barockkonzert.
Dass ich mir Konzerte dieser Musikrichtung anschaue, kommt seltener vor. Aber gestern trat ein Meister der Blockflöte auf, und da meine Tochter ebenfalls Altblockflöte spielt, wollte ich ihr mal die Gelegenheit geben, sich anzuschauen und zu -hören, was man auf diesem Instrument alles machen kann.
Das war schon durchaus beeindruckend, leider hatte ich vorher bereits ziemlich starke Kopfschmerzen, und da sind zwei Stunden Blockflöte vielleicht nicht die allerbeste Wahl. Aber meiner Tochter hat's gefallen, und das war ja die Hauptsache.
Erschreckend war allerdings die Altersstruktur der Besucher*innen.
Meine Tochter war das einzige Kind im gesamten Publikum. Dann kam erst einmal eine ganze Weile gar nichts. Die Nächstälteren waren etwa 5–6 Personen unter 30 Jahren, dann kam wieder eine Weile nichts und dann unsere Altersgruppe mit vielleicht 10–15 Personen, und alle anderen waren älter als 60 oder weit darüber hinaus.
Ich weiß ja nicht, wie es in anderen Städten so aussieht, aber ich sag's mal so: Wenn die Veranstalter klassischer Konzerte nicht noch irgendwie die Kurve kriegen, dann stirbt denen bald 80 % Prozent des Publikums weg.
Bei uns findet demnächst ein Hofflohmarkt statt, den irgendjemand im Viertel organisiert und dafür Flyer verteilt hat.
Das heißt, an einem bestimmten Tag im April ist im ganzen Wohngebiet in allen möglichen Einfahrten, Vorgärten und Hinterhöfen Flohmarkt.
Ich finde das eine sehr schöne Idee, um Leute vielleicht wieder ein wenig zusammenzubringen, die ja - wenn sie nicht gerade Kinder auf derselben Schule oder andere Gemeinsamkeiten haben - doch meist eher alle in ihren eigenen Lebenswelten unterwegs sind.
Wahrscheinlich ist das der Grund, warum Menschen sonntags in die Kirche gehen, aber da ich nicht an Gott glaube und verschiedene andere Vorbehalte gegen kirchliche Organisationen aller Art habe, kommt das für mich nicht in Frage.
Ich habe jetzt auch mal mit ChatGPT herumgespielt, man kommt an dem Thema ja nicht vorbei.
Zuerst saß ich davor und dachte: Ja, und nun? Was fragt man denn da jetzt?
Nach den üblichen Aufforderungen (den sog. "prompts"), die so durchs Netz gingen, wie: "Schreibe einen Aufsatz über Thema X" und: "Beantworte diese Mail in Gedichtform", habe ich jetzt aber durchaus sinnvolle Einsatzmöglichkeiten gefunden.
"Erklär mir das"
Wenn man in irgendeinem Text viele Fachausdrücke vorfindet, kann ChatGPT eine echte Hilfe sein.
In der Wikipedia bin ich (fragt mich nicht, in welchem Rabbithole ich da war) auf folgenden Satz gestoßen: "In der Biologie, genauer der Phylogenetik und Kladistik, spricht man von einer Polytomie, wenn Taxa hinsichtlich ihrer Abstammungslinie nicht konkret in einen dichotomen Stammbaum eingegliedert werden und stattdessen mehrere Linien an einem Punkt zusammengefasst werden."
Lässt man sich das von ChatGPT erklären, (z.B. mit der Aufforderung "Erkläre in einfachen Worten diesen Satz") liefert es zurück:
"Wenn man die Abstammung von Lebewesen in einem Stammbaum darstellen möchte, dann gibt es manchmal Situationen, in denen es nicht klar ist, welche Zweige zusammengehören. In diesem Fall spricht man von einer Polytomie. Das bedeutet, dass man an einem Punkt im Stammbaum mehrere Zweige zusammenfasst, weil man nicht genau weiß, welche Zweige zusammengehören und welche nicht."
ChatGPT
Und das kapiere dann sogar ich. Ob es stimmt? Keine Ahnung. Aber so hat man zumindest erstmal einen Anhaltspunkt.
"Schreib mir eine Abfrage"
Wer jemals zum Beispiel mit LDAP-Filtern zu tun hatte, wird irgendwann die polnische Notation, bei der die Operatoren vorne stehen und lauter öffnende und schließende Klammern jegliche Übersicht zerstören, zu hassen gelernt haben.
Mit ChatGPT kann man solche Abfragen sehr einfach erzeugen lassen.
"Schreibe einen LDAP-Filter, der nur aktivierte Benutzer zurückgibt, die entweder in Gruppe A oder in Gruppe B sind."
ChatGPT liefert zudem eine Erläuterung jedes Klammerinhalts und weist darauf hin, dass die Gruppennamen noch auf den eigenen Anwendungsfall angepasst werden müssen.
Das Ergebnis ist auf jeden Fall syntaktisch korrekt und funktioniert.
Der umgekehrte Weg geht übrigens auch. Füttert man ChatGPT mit dem o.a. Code und fragt, was das ist, liefert es zurück:
Dies ist ein LDAP-Filterausdruck, der verwendet wird, um nach Benutzerobjekten in einem Active Directory-Verzeichnis zu suchen, die bestimmte Kriterien erfüllen.
Der Filterausdruck sucht nach Objekten mit den folgenden Eigenschaften:
ObjectClass = user
ObjectCategory = person
userAccountControl nicht gleich 2 (was bedeutet, dass das Benutzerkonto aktiv ist)
Mitglied der Gruppe A in der OU Gruppen des beispiel.com-Domänencontrollers ODER Mitglied der Gruppe B in der OU Gruppen des beispiel.com-Domänencontrollers
Dieser Filterausdruck könnte zum Beispiel verwendet werden, um eine Liste aktiver Benutzer in einer bestimmten Gruppe in einem Active Directory-Verzeichnis abzurufen.
ChatGPT
"Interpretiere diese Tabelle"
Als Beispiel habe ich wahllos eine Tabelle vom Statistischen Bundesamt heruntergeladen, es geht um unterschiedliche Straßenlängen verschiedender Straßenarten in den einzelnen Bundesländern.
Kopiert man den Inhalt direkt aus Excel nach ChatGPT mit der Aufforderung "Interpretiere diese Tabelle", so antwortet es zunächst mit einer Beschreibung, was in dieser Tabelle zu sehen ist, nämlich:
"Die Tabelle gibt einen Überblick über die Verteilung und Länge der verschiedenen Arten von Straßen in den Bundesländern."
ChatGPT
Dann habe ich gefragt: "Gibt es da Auffälligkeiten?"
Und ChatGPT hat tatsächlich ein paar Dinge zurückgeliefert:
Ja, es gibt einige Auffälligkeiten in der Tabelle:
Bayern hat mit Abstand die längste Gesamtstraßenlänge, sowohl innerorts als auch außerorts. Dies könnte aufgrund seiner geografischen Größe und Bevölkerungsdichte sein.
Berlin hat verglichen mit anderen Bundesländern eine vergleichsweise geringe Straßenlänge insgesamt, was auf seine relativ kleine Größe und hohe Bevölkerungsdichte zurückzuführen sein könnte.
Nordrhein-Westfalen hat die längste Gesamtstraßenlänge an Bundesstraßen und Landesstraßen, was möglicherweise auf seine hohe Bevölkerungsdichte und seine Rolle als Industriestaat zurückzuführen ist.
Die ostdeutschen Bundesländer haben insgesamt eine niedrigere Straßenlänge als die westdeutschen Bundesländer, was auf die unterschiedliche Bevölkerungsdichte und die Auswirkungen der Teilung Deutschlands zurückzuführen sein könnte.
Diese Auffälligkeiten können jedoch durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden, wie z.B. geografische Größe, Bevölkerungsdichte, Wirtschaftsstruktur und politische Entscheidungen.
ChatGPT
Zugegeben, ein paar Allgemeinplätze sind auch dabei. Aber ich finde das ganz brauchbar für einen ersten Eindruck, der sich durch weitere Fragen wie "Wo gibt es besonders viele Autobahnkilometer?" und "Wie lässt sich das erklären?" vertiefen lässt.
Fazit
Ich war zugegebenermaßen in erster Linie vom Hype genervt, den ChatGPT hervorgerufen hat, dazu kam der Umstand, dass Elon Musk seine Finger darin hat.
Aber dass es - für bestimmte Anwendungsfälle - ein nützliches Werkzeug sein kann, würde ich mittlerweile nicht mehr bestreiten. Ein interessantes Spielzeug ist es allemal.
Daher fände ich es falsch, dieses Tool komplett zu ignorieren (oder sogar zu verdammen), ebenso, wie es völlig unkritisch als die ultimative Revolution von allem hochzujubeln.
Klar, ChatGPT erzeugt immer wieder auch Fehler, und es wird auch Schüler*innen geben, die damit versuchen, ihre Hausaufgaben abzukürzen.
Aber während manche hierzulande in Panik ausbrechen, dass jetzt das gesamte Schulsystem den Bach runtergehen würde (das tut es möglicherweise auch ohne ChatGPT, aus anderen Gründen), gibt es auch Lehrkräfte, die das ganze kreativ und sinnvoll nutzen:
Vor kurzem waren wir auf einem Freitagnachmittag bei einem Handwerksbetrieb, um ein Upgrade für unser Haus zu besprechen. Wir hatten keinen Termin, und es war nicht wirklich zu erkennen, ob der Laden noch geöffnet hatte, also standen wir etwas ratlos an der Straße, als plötzlich ein junger Mann herauskam und sagte: "Wir haben auf, kommt rein!"
Das anschließende Beratungsgespräch war sehr freundlich, wir tauschten WhatsApp-Kontaktdaten aus, und er schickte mir direkt noch einen Katalog per PDF aufs Smartphone.
Jetzt haben wir das Angebot von einer Mitarbeiterin erhalten, darin war angegeben, dass wir uns ggf. telefonisch bei ihm zurückmelden sollten.
Weil ich noch eine Frage hatte, habe ich mir also einen Rückruf als Todo eingetragen. Als es dann soweit war, wusste ich allerdings nicht mehr, ob wir uns siezen oder duzen. "Egal," dachte ich mir, im Zweifel kann man das ja sprachlich umgehen. (Das mache ich auf der Arbeit am Telefon auch immer so: "Jetzt bitte mal neu anmelden.")
Ich rufe also an. Es klingelt.
tuut - tuut
Es geht jemand ran.
„Hallo, grüß Dich!“
Ok, wäre das also geklärt.
Vor ein paar Wochen waren wir beim Lidl einkaufen, und die hatten da im Tiefkühlregal veganes Gyros, da dachte ich mir "Probierste mal aus" und habe es mitgenommmen.
Eines Tages habe ich das zubereitet und war sehr zufrieden, sowohl am Geschmack als auch an der Konsistenz war nichts auszusetzen. Weil wir da aber auf Diät waren, haben wir nur die Hälfte davon gebraucht, also haben wir die andere Hälfte in einen Gefrierbeutel gefüllt und zurück ins Eisfach gelegt.
Nun war ich kürzlich ein Wochenende alleine zu Hause und habe vorher ein bisschen im Supermarkt nebenan eingekauft. Weil ich keine große Lust auf aufwändiges Kochen hatte, habe ich wiederum Tiefkühl-Hähnchengyros (aus Fleisch) gekauft. Alleine brauchte ich aber auch davon wieder nur die Hälfte.
Also: Die andere Hälfte wieder zurück ins Eisfach.
Gestern Mittag war ich im Homeoffice und wollte mir irgendwas Schnelles zu Mittag machen. "Guckste mal, was noch so da ist," überlegte ich und sah ins Eisfach.
Ich hatte ich nun beide Beutel vor mir und ließ den Zufall entscheiden, welches der beiden Produkte ich in die Pfanne werfen würde.
Mit dem Ergebnis: Es war lecker, aber ich weiß nicht, ob ich das vegane oder das Fleischprodukt gegessen habe.
Also kann ich jetzt genausogut nur noch die vegane Variante kaufen.
Nachdem ich "Kummer aller Art" durchgelesen hatte, habe ich auf YouTube nochmal nachgesehen, ob es dort vielleicht Interviews mit Mariana Leky gibt, weil ich mal wissen wollte, wie so jemand als Person ist, wenn man so schön schreiben kann.
Ich glaube, was uns eint, ist ein Interesse für Leute, die, wie wir eigentlich alle, - Ringelnatz hat das mal gesagt - "so etwas schief ins Leben gebaut sind."
Und wenn man mal genauer hinguckt, ist das ja nun jeder.
Jeder hat einen - ich sage das jetzt mal so flapsig - Sockenschuss. Oder wenigstens Sockenstreifschuss.
Mariana Leky beim Kölner Treff vom 14.01.23 (ca. ab Minute 13:00)