Lars Reineke

Ampler Stout

(Aktualisiert: )

Im September habe ich mir mein erstes Pedelec gekauft, ein Ampler Stout aus Estland, wie ich an anderer Stelle ja schon mal erwähnt habe. Testberichte gibt es darüber bereits einige im Netz zu finden, und weil anderswo bereits jede Menge zur Technik des Rades geschrieben wurde, will ich hier nur meine persönlichen Eindrücke wiedergeben.

Bestellung und Lieferung

Kurz nach der Bestellung erhält man ein paar Mails von Ampler, in denen schon mal vorab beschrieben ist, wie man das Rad auspackt, aufbaut und zum ersten Mal in Betrieb nimmt. Das erhöht die Vorfreude, und tatsächlich sind es nur wenige Handgriffe, bis das Rad fahrbereit ist.

Lenker gerade stellen, Pedale dranschrauben, Reflektoren dranklicken, fertig. Das Werkzeug dazu ist mitgeliefert, alles zusammen kommt per Spedition in einem sehr stabilen Karton. Den habe ich zunächst ein paar Wochen aufbewahrt, man weiß ja nie. Irgendwann habe ich ihn dann aber doch entsorgt, wofür ich ihn allerdings mit einem Teppichmesser zerschneiden musste: Falten kann man das Ding nicht.

Fahreindruck

Ohne Motorunterstützung hat man ein eher schwerfälliges City-Rad, mit eingeschaltetem Motor hingegen macht das Rad unglaublichen Spaß.

Weil man kein Display und keine Lenkerbedienelemente hat, vergisst man nach kurzer Zeit, dass man elektrisch unterstützt wird. Der Motor liefert abhängig vom Pedaldruck seine Leistung ab und das nahezu lautlos.

Es fühlt sich einfach wie ganz normales Radfahren an, bei dem alles, was nervt, eliminiert wurde: Gegenwind und Hügel.

Ich fahre meist mit etwas reduzierter Unterstützung, trotzdem bin ich innerhalb kürzester Zeit mit 25 km/h unterwegs, und dann gleitet man nur so dahin.

Die Rahmenhöhe ist für meine Körpergröße absolut perfekt, ich hatte praktisch noch nie ein Rad, bei dem ich auf Anhieb so komfortabel auch auf längeren Strecken sitzen konnte. Die dicken Reifen federn Unebenheiten ganz gut weg, wer es bequem mag, belässt es bei einem Reifendruck von 4 Bar. Das geht dann zwar etwas auf die Reichweite, aber das hängt natürlich vom persönlichen Fahrverhalten ab.

Für wirklich steile Anstiege oder unwegsames Gelände ist das Rad nicht wirklich geeignet, aber so eine innerstädtische 10%-Steigung, wie man sie bei uns im Weserbergland öfter mal vorfindet, steckt das Stout mit seiner 10-Gang-Schaltung locker weg.

Optik

Der Akku ist vollkommen im Unterrohr versteckt, der Hecknabenmotor fällt auf den ersten Blick kaum auf. Und die Farbe ist ja wohl der Hammer.

Das dicke, schwarze Teil am Sitzrohr ist nicht etwa der Akku, sondern das Fahrradschloss.

Alles in allem finde ich das Fahrrad sehr schick, weil es nicht so klobig daherkommt, wie die üblichen Rentner-Pedelecs, aber auch nicht so spacig wie ein VanMoof.

Die in der Sattelstütze verbauten Rücklichter sind erstaunlich gut sichtbar.

Schwer zu übersehen: Die Rücklichter in der Sattelstütze

Lediglich die Fahrradklingel sieht irgendwie komisch aus, die steht seltsam vom Lenker ab und ist außerdem viel zu leise, daher habe ich sie umgehend gegen eine Rockbros getauscht, die ausgezeichnet zum Fahrrad passt.

Elektronik und App

Nach ein paar Fahrten fühlt sich die Motorunterstützung manchmal etwas unausgewogen an, in diesem Fall kann man eine Sensorkalibrierung durchführen, die man per Smartphone-App auslöst.

Die App, die bei manchen Leuten Probleme zu machen scheint, hat bei mir immer reibungslos funktioniert, auch die Navigation und Aufzeichnung der Fahrten. Aber im Grunde genommen benutze ich mittlerweile die App fast nie, weil die Bedienung mit dem einen zentralen Knopf oberhalb des Tretlagers komplett intuitiv ist.

Voll aufgeladen wird ein grüner Ring angezeigt, der bei zunehmender Akkuentleerung von oben nach unten erst orange und dann immer “röter” wird. So lässt sich auf einen Blick erkennen, wie viel Ladung noch vorhanden ist. Ein- und Ausschalten des Motors ist eh klar, hält man den Knopf 3 Sekunden, schaltet sich die Beleuchtung ein oder aus. Hält man noch etwas länger, schaltet die Elektronik die Unterstützungsstufe um.

Ich habe keine Lust, ständig am Lenker auf ein Display zu gucken, um irgendeinen Schätzwert abzulesen, der mir sagt, wie weit ich noch fahren kann und dann womöglich noch die Unterstützung auf “Eco” oder sowas zu schalten. Das ist ein bisschen wie Bücher lesen auf einem Tablet oder auf einem E-Book-Reader. Beim Tablet wird man immer mal abgelenkt, beim Kindle o.ä. kann man sich aufs Lesen konzentrieren. Mit dem Ampler Stout fährt man einfach nur entspannt Fahrrad.

Die Reichweite liegt bei frühlingshaften Temperaturen und meinem Gewicht bei ca. 60 Kilometer. Ich habe es erst einmal geschafft, den Akku fast leer zu fahren, ansonsten lade ich ihn meist nach 2-3 Fahrten wieder auf. Dafür habe ich mir eine Steckdose mit Countdown-Timer besorgt, damit das Ladegerät nicht dauerhaft über Nacht eingeschaltet bleibt.

Wartung und Reparatur

Das Rad besteht (bis auf Motor und Elektronik) aus Standardkomponenten, die jede Fahrradwerkstatt warten und reparieren können sollte. Außerdem gibt es in einigen größeren Städten Partnerwerkstätten, die man aufsuchen kann, wenn wirklich mal was Gravierendes nicht in Ordnung ist.

Bei einer Fahrt habe ich mir einen senkrecht stehenden Glassplitter voll in den Hinterreifen gefahren, den Schlauchwechsel habe ich selbst vorgenommen, das war völlig problemlos. Man musste nur das Motorkabel lösen, ansonsten war alles genauso wie bei jedem anderen Rad mit Kettenschaltung auch.

Community

Bemerkenswert ist die Facebook-Community rund um die Ampler-Räder. Gerade Deutschland ist offenbar einer der größeren Absatzmärkte für Ampler, und so haben sich auf Facebook auf der Firmenseite bereits viele Fahrradbesitzer eingetragen und unterstützen sich nicht nur gegenseitig, sondern auch Mitarbeiter*innen von Ampler lesen stets mit und geben wertvolle Tipps.

Fazit

Ich hatte seit meiner Jugendzeit noch nie ein Fahrrad, das mir einen solchen Spaß gemacht hat wie das Ampler Stout, und ich fahre immer noch gerne einfach abends eine Runde durch die Stadt und freue mich darüber, wie leichtgängig das alles ist.

Ich kann daher eine klare Kauf- bzw. Leasing-Empfehlung aussprechen, denn das Ampler Stout gibt es auch als Dienstrad bei verschiedenen Leasingpartnern.

Letzten Endes habe ich ja damals mein Motorrad gegen dieses Rad eingetauscht. Und obwohl ich manchmal schon wieder gewisse Lust aufs Moppedfahren hätte: Bereut habe ich den Tausch bisher nicht.