Update zu Darktable

Nachdem ich vor ca. drei Monaten zu Linux und damit auch zu Darktable für die Fotobearbeitung gewechselt bin, hatte ich nun Gelegenheit, mich in die Software ein wenig einzuarbeiten, indem ich die Fotos „entwickelt“ habe, die ich im Herbsturlaub in Nürnberg und Rothenburg ob der Tauber gemacht habe.

Ich habe an zwei Tagen ca. 100 Fotos gemacht. Weil das immer Bilderserien sind (ich fotografiere ja fremde Personen auf der Straße in Bewegung), sind das vielleicht 20 Motive, davon habe ich bisher 4-5 ausgewählt und veröffentlicht. Und so langsam komme ich immer besser damit zurecht, tatsächlich macht mir die Verarbeitung meiner Fotos in Darktable mittlerweile genauso viel Spaß wie früher mit Lightroom.

Die Lernkurve ist im umgangssprachlichen Sinn ziemlich steil, soll heißen, man muss sich schon darauf einlassen, um Erfolge zu erzielen.1 Bei Lightroom konnte ich mich, wenn ich mal keine Geduld hatte, darauf beschränken, das Bild zurechtzuschneiden, dann wählte ich ein schickes Preset aus, und fertig war das bearbeitete Foto. Was Lightroom da genau gemacht hat? Keine Ahnung.

Bei Darktable muss man zunächst schon ein paar Dinge manuell machen, dafür hat man aber auch irgendwann verstanden, wie sich bestimmte Arbeitsschritte auf das fertige Bild auswirken. Nach ein paar Fotos kommt dann unweigerlich der Wunsch, diese Schritte nicht immer erneut ausführen zu müssen. Wie Lightroom mit seinen Presets hat auch Darktable dafür eine Lösung, diese lassen sich nämlich als Stile speichern und immer wieder abrufen. Das zieht sich durch das gesamte Produkt, jede einzelne Stellschraube lässt sich verändern und – je nach Anwendungsfall – in einer Voreinstellung vorbelegen.

Für den Einstieg reicht es aber schon, sich seine immer wieder verwendeten Module (Belichtung, lokaler Kontrast, Zuschnitt etc.) in eine eigene Registerkarte zu packen, dann muss man nicht immer danach suchen. Da ich ja ohnehin nur Bilder in schwarz-weiß produziere, brauche ich auch gar nicht so viele Module.

Lightroom hatte ein eingebautes interaktives Tutorial (zumindest in der von mir verwendeten Creative Cloud Edition), das gibt es so in Darktable nicht. Dafür gibt es aber zahllose Videos und Anleitungen bei YouTube zu allen möglichen Anwendungsfällen.

Im Prinzip ähnelt sich Darktable in seiner Zugänglichkeit vielen anderen OpenSource-Projekten wie z.B. Linux oder GIMP. Die Produkte sind in aller Regel unfassbar mächtig und strotzen nur so vor Funktionen, die den Einsteiger erstmal erschlagen. Hinzu kommt, dass sie von Nerds entwickelt und designt werden, was man ihnen an manchen Stellen ansieht – das ist im Laufe der Jahre zum Glück besser geworden. Lässt man sich aber darauf ein, wird man belohnt, indem man Hintergründe versteht, Flexibilität und dadurch Unabhängigkeit erreicht.

Meine Darktable-Installation habe ich in den letzten Tagen Schritt für Schritt immer weiter angepasst, so dass sie immer stärker meinen Anforderungen entspricht und nicht so aussieht, wie sich das ein Produktentwickler von Adobe irgendwann mal ausgedacht hat. Gekostet hat mich das Ganze nicht einen einzigen Cent. Die Software ist nicht nur gemietet (so wie Lightroom CC), so dass ich mir sicher sein kann, dass nicht irgendein Businesskasper auf die Idee kommt, die Anwendung oder Teile davon kostenpflichtig zu machen oder mal eben an der Preisschraube zu drehen.

Und das hier bleibt mir auch erspart:

 

 

  1. Ich weiß nie, welche Definition von „Lernkurve“ ich verwenden soll. Im ursprünglichen Sinn wäre diese wohl eher flach, weil zunächst einiges an Zeit vergeht, bis sich ein Lernerfolg einstellt. []

Warum ich fotografiere

Im Grunde genommen bin ich ein waschechter Drinnie. Nicht den Betrieb stören, und wenn man schonmal unter Menschen muss, möglichst nicht auffallen.

Sobald ich aber die Kamera einschalte, weil ich ein Motiv entdeckt habe, fällt das fast vollständig von mir ab. Ich bin dann so fokussiert, dass ich um mich herum gar nicht registriere, ob mich dabei jemand beobachtet, oder sogar seltsam findet, was ich da mache.

Das Ausblenden der Umgebung geht manchmal so weit, dass ich mich an einer bestimmten Stelle postiere, warte, bis die richtige Person im richtigen Winkel durchs Bild läuft, und dabei gar nicht mitbekomme, dass hinter mir bereits mehrere Personen aus Höflichkeit Schlange stehen, weil sie mir nicht ins Motiv laufen wollen – sie wissen ja nicht, dass sie ggf. das Motiv sein werden.

Mit der Kamera in der Hand gehe ich oft völlig problemlos an dunkle, eher ungemütliche Orte, die ich sonst in der Regel meiden würde. Denn das ist genau die Kulisse, die ich für meine Fotos haben möchte. Das ist insbesondere der Grund, warum ich „mein“ Genre, die Street Fotografie, so liebe: Es gibt keine Ausreden, nicht fotografieren zu gehen. Was bei Landschaftsfotografie jeden Plan zunichte machen würde – zum Beispiel Regenwetter – erzeugt bei der Street Fotografie vielleicht genau die Stimmung, die das Foto am Ende perfekt macht.

Das Versinken in der Tätigkeit ist schon Grund genug, warum ich fotografiere, auch wenn ich manchmal mit leeren Händen zurückkomme bzw. erst zu Hause feststelle, dass das, was im Sucher noch vielversprechend aussah, doch nicht meinen Vorstellungen entspricht. Aber das ist nicht schlimm, das gehört dazu.

Ich will wieder mehr fotografieren. In dem Moment, in dem ich durch den Sucher schaue, werde ich zu einem anderen Menschen: Fokussierter, mutiger, mit weniger Selbstzweifel und weniger gehetzt. Und wenn am Ende mal nichts dabei herauskommt, war ich wenigstens draußen in Bewegung.