Lars Reineke

12. April 2022 – abends

Man kommt ja zu nichts. Hier geht’s mittlerweile zu wie in meinem Postfach, in dem ich vor jeder Beantwortung einer Mail eigentlich erstmal “Sorry für die späte Antwort” schreiben muss.

Was gibt’s seit Jahresanfang zu berichten? Hm.

Frau und Kind hatten Corona, gleichzeitig, trotz Impfung. Ich nicht, obwohl wir wegen “jetzt ist auch egal” währenddessen keine Isolationsmaßnahmen getroffen hatten. Mein Test blieb einfach die ganze Zeit negativ, sogar mit PCR und allem. Nicht, dass ich den Eindruck hätte, was verpasst zu haben, mir soll’s recht sein.

Die Familie hat die Infektion gut überstanden, ich habe drei Wochen später eine handelsübliche Erkältung bekommen, mit Nebenhöhlenentzündung und allem Scheiß.


Ich habe jetzt wieder einen Plattenspieler. Eigentlich habe ich sogar schon länger einen relativ alten aus zweiter (dritter?) Hand, aber da hätte die Nadel getauscht werden müssen. Eigentlich kein Ding, aber ich hatte den erst im Wohnzimmer stehen, da musste er aus Platzgründen weg nach oben, hier (oben) hatte ich allerdings meine Stereoanlage nicht mehr aufgebaut, ich konnte ihn also nur mit einem – extra beschafften – Vorverstärker nur an einer Soundbar anschließen. Das klang aber komplett daneben, denn der Vorverstärker rauschte wie verrückt.

Also überlegte ich mir: Nadel + besserer Vorverstärker = neuer Plattenspieler. Ich bestellte also einen okayen Plattenspieler von Dual mit schaltbarem Vorverstärker, und Bluetooth hat der auch.

Dann stellte sich heraus: Die Soundbar klang ebenfalls mies, vor allem bei Musik, also habe ich meine gesamte Stereoanlage inklusive CD-Player wieder hier oben aufgebaut, und als ich schon mal dabei war, habe ich auch gleich meine ganzen CDs wieder einsortiert, die seit 2013 im Keller lagerten.

Jetzt habe ich hier wieder eine richtige Lese- und Musikecke, und das freut mich sehr.


Gelesen habe ich seitdem:

“Der Wüstenplanet” von Frank Herbert – Ich berichtete ja bereits davon. Nach dem ersten Romanteil habe ich aber erstmal Pause gemacht und hebe mir die ganzen Fortsetzungen für später auf. Nach wie vor aber ein wegweisender Science-Fiction-Roman.

“Der Astronaut” von Andy Weir – Wem “Der Marsianer” gefallen hat, der dürfte auch hier seinen Spaß haben. Sehr nerdig, sehr wissenschaftlich, vollgepackt mit lauter “Was wäre wenn?”-Ideen.

“Artemis” von Andy Weir – Das hat mir nicht besonders gefallen. Die Story ist – bis auf das Setting – ziemlich beliebig: Protagonistin übernimmt gefährlichen Auftrag und legt sich unfreiwillig mit mächtiger Organisation an. Richtig doof war aber, dass Weir anscheinend nicht allzu viele Frauen im Lektorat hatte. Das ist schon eine sehr männliche Sicht, aus der er da die Gedanken und Beweggründe der Protagonistin beschreibt.

“Die Raststätte” von Florian Werner – Unterhaltsame Reportage über Autobahnraststätten, bzw. ein prototypisches Exemplar: Garbsen Nord. Weil diese Raststätte relativ nah gelegen ist, war ich da übrigens noch nie. Warum auch? Wenn man losfährt, braucht man keine, und so kurz vor zu Hause kann man auch noch bis zu Hause warten. Vom Buch ist bei mir nicht besonders viel haften geblieben.

“Nochmal Deutschboden” von Moritz von Uslar – Die ursprüngliche Reportage “Deutschboden” fand ich super, das hier empfand ich dann doch als Aufguss.

“Hagen von Tronje” von Wolfgang Hohlbein – Im Februar haben wir mit der ganzen Homekneiping-Baggage Markus in Duisburg besucht, und da stand das im Regal. Einer aus der Runde fand es gut, weil “es die Figur Hagen mal von ganz anderer Seite zeige”, also habe ich es mir von Markus ausgeliehen. Ich muss allerdings gestehen, dass ich die Nibelungensage nie gelesen habe und daher nicht mal die “eine Seite” von Hagen von Tronje kannte. Ich habe es daher wie einen Historienroman mit leichten Fantasy-Anleihen gelesen, und dafür war’s ganz ok. (Nicht so mein Genre eigentlich.)

“Junge mit schwarzem Hahn” von Stefanie vor Schulte – Wenn ich nicht eines abends leicht angetrunken das Abo der Büchergilde Gutenberg abgeschlossen hätte, hätte ich dieses Buch wohl niemals gelesen. So war ich eigentlich ganz froh drum. Es ist ein Märchen für Erwachsene, das etwa zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges spielt. Das Lesen hat mir Spaß gemacht, aber 20 Euro sind eigentlich zu viel für ein doch recht kurzes Buch.

“Die Leuchtturmwärter” von Emma Stonex – Das nächste Buch der Büchergilde wurde bereits kurz darauf geliefert, das stand aber ohnehin schon auf meiner Leseliste. Ich fand’s allerdings nicht so wahnsinnig spannend. Der Klappentext versprach Mystery, sowas kam zwar auch im Roman vor, hatte aber nur wenig Einfluss auf die Auflösung, und so blieb’s ein ziemlich langweiliges Drama mit banaler Dreiecksbeziehung. Enttäuschend.

“Es ist immer so schön mit dir” von Heinz Strunk – Der namenlose Protagonist führt ein relativ ereignisloses Leben, bis er einer jungen, bildhübschen Frau begegnet und dafür seine bisherige Beziehung aufgibt, um sich stattdessen in diese zu stürzen. Die “Neue” ist aber ziemlich schwierig und hält ihn immer wieder auf Distanz. Es ist, wie einem Autounfall in Zeitlupe zuzusehen. Man will ihm die ganze Zeit “Komm da weg” zubrüllen, während er eine falsche Entscheidung nach der anderen trifft. Was nicht heißen soll, dass er an der ganzen Misere unschuldig wäre. Das Buch: In seiner ganzen Schrecklichkeit großartig zu lesen.